FC Bayern München: Wie Thomas Müller aus seiner größten Krise kam
Publiziert 09/01/2020 um 00:31 GMT+1 Uhr
Thomas Müller hat beim FC Bayern München eine turbulente Hinrunde hinter sich - mit viel Bank-Frust und teilweise sogar heftigen Selbstzweifeln. Im Trainingslager in Doha ist davon nichts mehr zu spüren. Der 30-Jährige ist wieder Lautsprecher, Leistungsträger und gut gelaunt. Vor allem ist er stolz darauf, wie er es geschafft hat, seine größte Krise hinter sich zu lassen.
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Aus Doha berichtet Daniel Rathjen
Es kommt nicht oft vor, aber am Mittwochmittag im Teamhotel des FC Bayern München war es soweit. Thomas Müller gab zu: "Ich bin nicht so richtig im Fluss." Im Redefluss, meinte er. Und das stimmte irgendwie.
Müller war eher nachdenklich gestimmt. Vielleicht, weil das große Thema, die schwerwiegenden Verletzungssorgen, ihm den Spaß ein wenig verderben. Weil mit Serge Gnabry und Kingsley Coman zwei Flügelspieler verletzt ausfallen, wird Müller beim Rückrunden-Auftakt bei Hertha BSC auf die rechte Angriffsseite rücken müssen.
Dass das nicht seine präferierte Position ist, daraus macht er mittlerweile keinen Hehl mehr.
Müller in der Hinrunde nicht immer erste Wahl
Aber Müller ist auch erfahren genug, um zu wissen, wann er sein Ego in den Dienst der Mannschaft stellen muss. Denn sein Hunger auf Titel ist noch längst nicht gestillt. Vor allem, weil Müller das Jahr 2020 wiedererstarkt beginnt, weil die Mannschaft ihn braucht, weil er einer ihrer Wort- und Anführer ist.
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit schien diese Ausgangslage ganz weit weg. Müller war in der Hinrunde unter Trainer Niko Kovac nicht mehr erste Wahl. Der Vorgänger von Hansi Flick hatte ein System mit Star-Neuzugang Philippe Coutinho bevorzugt - und opferte die Klub-Legende Müller.
Wie es da in ihm brodelte, war im direkten Gespräch mit ihm in diesen Tagen nur zu erahnen. Die Worte, die er wählte, ließen allerdings schon tief blicken. Müller sagte mit ernster Miene:
Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft, um zu interpretieren, was sich in seinem Kopf alles abgespielt haben dürfte. Selbstzweifel, Fragen wie: Bin ich wirklich noch gut genug? Erst bin ich kein Nationalspieler mehr, jetzt auch bei meinem Verein nicht mehr gefragt? Muss ich den Klub etwa verlassen, um woanders nochmal durchzustarten?
Müller: "Gehe gestärkt aus der Situation heraus"
Doch Müller gab sich diesen Selbstzweifeln nicht dauerhaft hin, wie er erklärte und sah das ganze als "Prüfung". Er ließ im Training nicht locker und kämpfte sich zurück.
Deshalb will er sich auch nicht als den "großen Gewinner" unter Flick bezeichnen, auch wenn er definitiv einer ist. Ihm ist wichtig zu unterscheiden, dass er selbst den größten Teil zur persönlichen Wende beigetragen hat.
"Ich habe diese Prüfung gut bestanden", sagte er und blicke nun optimistisch nach vorne:
Im Trainingslager in Doha merkt der Betrachter ihm sofort das neue Selbstbewusstsein an. Er strotzt vor Energie, kritisiert oder lobt die Jungen und ist immer mittendrin im Geschehen.
Müller ist mit Abstand der lauteste Akteur auf dem Trainingsplatz, kommentiert sämtliche Aktionen, brennt bei den vielen Spielformen, bei denen es - wie so oft im Fußball - darum geht, die meisten Tore zu erzielen, auf jeden Sieg.
Müller: Neuer Vorlagen-Rekord in der Bundesliga
Auch wenn Coutinho regelmäßig seine hervorragenden technischen und Abschluss-Fähigkeiten zeigt, die Eigenschaften, die Müller mitbringt, werden in dieser Saison immer schwerer wiegen.
Vorlagen hat er bislang reichlich gesammelt. Müller kommt auf elf Torvorlagen in 17 Einsätzen und hat damit einen neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Keinem anderem Spieler zuvor ist es gelungen, diese Zahl an Assists in der Zeit zu erreichen. Wünschenswert wäre es nun noch, wenn ein paar Treffer hinzukämen.
Vier Punkte Vorsprung hat Tabellenführer RB Leipzig. Müller mahnt:
Jetzt, wo er nicht mehr an sich selbst zweifelt, sind die Chancen darauf zumindest nicht kleiner geworden.
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