Sorgenkinder beim FC Bayern: Hier ist Trainer Flick jetzt gefragt

Der FC Bayern München stürmt dem achten Meistertitel in Folge entgegen - doch nun warten in der Bundesliga mit Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach die Gegner, die Hans-Dieter Flick die bis dato einzigen beiden Niederlagen als Bayern-Trainer zufügten. Der 55-Jährige weiß deshalb genau, worauf er den Fokus legen muss - und bei welchen Sorgenkindern im Kader er nun besonders gefragt ist.

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Hans-Dieter Flick hat momentan keinen Anlass, sich zu beklagen. Mit 22 Siegen aus seinen ersten 25 Pflichtspielen als Trainer des FC Bayern München hat der 55-Jährige einen Vereinsrekord aufgestellt und strebt national nun dem Double entgegen.
"Wir haben uns sehr gut weiterentwickelt. Die Art und Weise, wie wir gerade spielen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Flick am Freitag in einer virtuellen Pressekonferenz an der Säbener Straße: "Wir sind gierig auf Tore, wollen Spiele gewinnen, das merkt man. So wollen wir auch das Spiel gegen Leverkusen angehen."
Mit eben jenem Bayer Leverkusen (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker) sowie Borussia Mönchengladbach warten nun jedoch die zwei Bundesliga-Gegner, die Flick seine bisher einzigen Niederlagen als Bayern-Trainer zugefügt haben. Das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt (Mittwoch, 20:45 Uhr im Liveticker) komplettiert eine weitere knifflige englische Woche für Bayern.

Flick über Leverkusen: "Sie sind sehr effizient"

"Sie sind sehr effizient. Wir wissen auch, dass sie schnelle Spieler haben, das haben wir im Hinspiel erfahren dürfen", erinnerte sich Flick an die zwei Kontergegentore beim 1:2 vor eigenem Publikum gegen Leverkusen: "Das sind Dinge, die wir verhindern wollen - und müssen."
Den Stift setzte der Bayern-Trainer in dieser Woche vor allem bei der eigenen Spielauslösung an. "Wir haben noch zu viele einfache Ballverluste", erklärte Flick: "Das ärgert mich und das können wir mit Sicherheit noch besser machen."
Bang ist ihm vor den kommenden Aufgaben nicht - das Team sei nach zwei freien Tagen zu Wochenbeginn sehr gut drauf. Flick: "Wir haben die Power für drei Spiele in einer Woche." Dennoch hat der Bayern-Trainer ein paar Sorgenkinder im Kader, um die es sich zu kümmern gilt.

Der Angeschlagene: Thiago

Nach drei Spielen Pause wegen Adduktorenproblemen kehrte der Spanier in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurück und steht im Kader für Leverkusen. Vielleicht sogar in der Startelf? "Thiago ist immer eine Option", sagte Flick mit einem Pokerface.
Das Problem für den Spanier: Leon Goretzka vertrat ihn in der letzten Zeit an der Seite von Joshua Kimmich ausnehmend gut. "Ich kann bestätigen, dass Leon und Josh das sehr gut gemacht haben, gerade gegen den Ball", lobte Flick entsprechend: "In der Offensive haben sie auch ihre Qualitäten. Ich bin happy, dass es so gelaufen ist, aber auch, dass Thiago wieder dabei ist."
Der 29-Jährige wird sich also erst wieder mit guten Leistungen für die 1a-Elf der Bayern empfehlen müssen. Im Hinspiel setzte Flick übrigens nicht auf ihn, brachte Thiago erst in der Schlussphase von der Bank.

Der Traurige: Javi Martínez

Mit 40 Millionen Euro einst Rekordtransfer, zuletzt aber sehr oft verletzt und unter Flick kaum mehr gefragt: Bei Javi Martínez stehen die Zeichen auf Abschied. Weder in der Innenverteidigung noch im defensiven Mittelfeld ist der 31 Jahre alte Publikumsliebling derzeit nahe an der ersten Elf dran, eine Rückkehr zu seinem Ausbildungsklub Athletic Bilbao steht deshalb im Raum.
Im Hinspiel gegen Leverkusen stand der Spanier letztmals in der Startelf; in der Woche drauf flog er in Gladbach vom Platz, nachdem er den Elfmeter zum 1:2 verschuldet hatte. In der Rückrunde kam "Maschinez" gerade mal acht Minuten zum Einsatz, zuletzt drei zur Ergebnissicherung in Dortmund (0:1).
Flick weiß, dass er ihn als Notnagel dennoch bei Laune halten muss. "Wenn er fit ist, kannst du dich immer zu tausend Prozent auf ihn verlassen", sagte er am Freitag. Es sei wichtig, einen Spieler wie Martínez' in der Hinterhand zu haben.
"Wenn er fokussiert ist, gibt er der Mannschaft Stabilität. Das hat er in Dortmund gut gemacht", sagte der Bayern-Trainer, der Martínez zumindest indirekt weitere (Kurz-)Einsätze garantierte: "Wir haben geballt viele Spiele in den nächsten Wochen, da brauchen wir jeden Spieler und da brauchen wir auch Javi Martínez."

Der Bankdrücker: Lucas Hernández

Es ist schon wie verhext: Gegen Düsseldorf (5:0) durfte der teuerste Spieler der Bundesliga zwar erstmals seit Februar wieder in der Startelf ran, musste in der Halbzeit aber schon wieder angeschlagen vom Feld. "Er hat Adduktorenprobleme gehabt, die Muskulatur war etwas verhärtet, das Risiko war einfach zu groß", erklärte Flick nach der Partie. Chance: verpasst.
Dabei hatte der Bayern-Coach Abwehrchef David Alaba für Hernández sogar auf die rechte Innenverteidigerposition versetzt - eine Rolle, die Linksfuß Alaba gar nicht behagt. Für Leverkusen ist indes nicht von einer solchen Rochade auszugehen. Heißt: Hernández ist weiter im Wartestand.

Der Ineffiziente: Kingsley Coman

Während Robert Lewandowski weiter trifft, wie er will (29 Tore), und Thomas Müller seinen eigenen Vorlagenrekord kontinuierlich ausbaut (schon 18 Assists), steuerten die Flügelspieler Kingsley Coman und Serge Gnabry zuletzt nur wenige Scorerpunkte bei.
Gerade der Franzose wirkt noch lange nicht am Leistungslimit, die erneut von Verletzungen geprägte Saison verläuft für den 23 Jahre alten Ribéry-Nachfolger weiß Gott nicht wie erhofft. Fünf Scorerpunkte in 19 Bundesligaspielen sind jedenfalls nicht der Anspruch des Vize-Europameisters. Seit Restart gab er eine Torvorlage gegen Frankfurt ab, Gnabry bereitete gegen Frankfurt und Düsseldorf je ein Tor vor.
"Wenn sie das ein oder andere Tor schießen, hätte ich nichts dagegen", sagte Flick mit Blick auf die anstehenden Aufgaben. Was man durchaus als Aufforderung verstehen darf. "Ich hoffe, dass sie morgen zeigen, dass sie bei hundert Prozent sind", so der 55-Jährige.
Prinzipiell sei er aber mit den zuletzt gezeigten Leistungen zufrieden. "Wenn sie's so machen wie aktuell, auch gegen den Ball gut arbeiten, dann haben sie ihre Aufgabe gut erfüllt", meinte Flick.
Man muss bei 22 Siegen aus den letzten 25 Spielen auch nicht zu kritisch mit den eigenen Spielern sein.
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