Medienschelte nach Transfer-Aussagen: Müller setzt das falsche Zeichen

Nach einem Rüffel durch Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat sich Thomas Müller nun mit einer Videobotschaft erneut in der Diskussion um seine Aussagen zu geplanten Transfers und gleichzeitigem Gehaltsverzicht der Profis zu Wort gemeldet. Dabei schob er den Medien die Schuld in die Schuhe und erklärte das Thema mit dem Hashtag #AllesIstGut quasi für beendet. Eine fragwürdige Aktion.

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Ein Kommentar von Tobias Hlusiak
Eigentlich hatte Thomas Müller doch gar nichts Verwerfliches gesagt, als man ihn nach dem Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt zu einer möglichen Verpflichtung des Leverkuseners Kai Havertz befragte.
Es sei doch "ein bisschen paradox, wenn man immer über Neuzugänge spricht und gleichzeitig Gehälter eingespart werden", wunderte sich der 30-Jährige.
Müller meinte nicht nur Havertz, sondern auch Spieler wie Leroy Sané. Bayerns mögliche Neuzugänge haben Preisschilder, die durchaus im dreistelligen Millionenbereich liegen können. Zahlen, die - angesichts allerhand Einsparungen in der Corona-Pandemie - verstören können.
Auch Müller und seine Kollegen verzichten auf Gehalt. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass er öffentlich die Frage stellte, ob teure Verpflichtungen sein müssen, obwohl am derzeitigen Personal gespart wird.

Flick und Salihamidzic äußern sich

Das ist übrigens eine Diskussion, die man ohne Probleme führen kann. Gleichzeitig aber dürfte es dem 30-Jährigen klar gewesen sein, dass es eine Replik des Vereins geben dürfte.
Es gab gleich mehrere. Trainer Hansi Flick präsentierte sich gelassen wie meistens und erklärte, er werde keinem Spieler etwas verbieten. Außerdem werde es natürlich "trotz des Gehaltsverzichts Transfers geben".
Sportdirektor Hasan Salihamidzic vermutete, Müller habe sich "mit der Aussage ein bisschen verdribbelt". Gleichzeitig nahm aber auch der 43-Jährige den Dampf aus der Geschichte. Thomas habe "das verstanden. Er ist ja ein sehr intelligenter Junge und sehr intelligenter Spieler", so Salihamidzic weiter.
Dabei hätte man es belassen können. Und wahrscheinlich auch sollen.
Dass sich Müller am Sonntagmorgen erneut - per Video in den sozialen Netzwerken - zu Wort meldete und die Schuld komplett den Medien in die Schuhe schob, war eine Umdrehung zu viel.
Es sei alles falsch interpretiert worden, meinte er. "Provokativ und geschichtsfördernd" hätten die Medien seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Das sei ja "üblicherweise" so.
Es gebe beim FC Bayern keinen Streit um einen Gehaltsverzicht und es sei wichtig, "das Spiel der Medien" nicht mitzumachen.
Müller bediente damit völlig unnötig ein Narrativ, welches in der heutigen Zeit immer stärker zum Totschlagargument wird: Medien verdrehen, reißen aus dem Zusammenhang und spielen ein Spiel - immer ausschließlich zu ihren eigenen Gunsten.
Wo genau dies in den vergangenen Tagen passiert sein soll, dürfte Müllers Geheimnis bleiben. Denn eigentlich waren seine Aussagen klar und deutlich - und eben auch gar nicht verwerflich.
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