FC Schalke 04: So kann der Coup beim FC Bayern München gelingen

Nach dem erfolgreichen Rückrundenstart gegen Borussia Mönchengladbach will der FC Schalke 04 nun den nächsten dicken Brocken bezwingen. Gewinnen sie am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) beim FC Bayern München, ziehen sie mit dem Rekordmeister gleich. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, wie die Königsblauen die Allianz Arena einnehmen können.

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"Wir müssen selbst unser Topniveau abrufen und hoffen, dass die Bayern vorne dann auch den einen oder anderen verballern und hinten einer mal durchrutscht, um das Spiel für uns positiv zu gestalten". Das Erfolgsrezept gegen den FC Bayern fasste Bastian Oczipka im Gespräch mit dem "kicker" sehr oberflächlich zusammen und spielte damit klar die Außenseiter-Karte. Schalke könne jedoch trotzdem "mit viel Selbstvertrauen" in die Partie gehen. Und das zurecht!

Pressingmaschine bringt endlich den "Malocher-Fußball"

Die Königsblauen haben sich trotz vieler Verletzungssorgen erstaunlich schnell in der Ligaspitze etabliert und setzen die Vorgaben von Trainer David Wagner sehr konstant um. Die Diskrepanz zwischen dem Image des "Malocher-Klubs" und dem Geschehen auf und außerhalb des Platzes war in den letzten Jahren erschreckend groß. Nun ist auch Schalke drin, wo Schalke draufsteht.
Wagner ist ein Verfechter von hohem Pressing, das den Spielern sowohl im Kopf als auch in den Beinen so einiges abverlangt. Schalke rennt nicht blind an, sondern setzt auf sehr klare Pressingsignale.
Oft ist dies der Pass vom Innen- auf den Außenverteidiger. So lange der Ball bei den gegnerischen Innenverteidigern ist, bleibt Schalke kompakt und schließt mit der Mittelfeldraute und den beiden Stürmern das Zentrum.
Geht der Ball jedoch raus auf den Außenverteidiger, schnappt die Falle zu. Der ballnahe Achter prescht vor auf den gegnerischen Außenverteidiger. Zehner Amine Harit schiebt gleichzeitig zum gegnerischen Sechser, während die beiden Spitzen den Rückpass vom Außenverteidiger ins Zentrum zustellen und gegebenenfalls auch bis zum Torwart durchlaufen.
Der Achter auf der anderen Seite rückt in diesen Momenten weit ins Zentrum und unterstützt Sechser Omar Mascarell. Weil der Gegner in diesen Situationen oft lange Bälle spielen muss, ist die doppelte Besetzung vor der Abwehr besonders wichtig, um geklärte Bälle zu sichern und Konter einzuleiten.

Schalke braucht zwei Pläne

Gegen das Schalker Pressing wird Joshua Kimmich bei den Bayern nach abgesessener Sperre sicherlich wieder als rechter Verteidiger starten. Der deutsche Nationalspieler ist unter Druck deutlich sicherer am Ball als sein Stellvertreter Benjamin Pavard. Der Franzose fühlt sich in der Innenverteidigung ohnehin wohler.
Angesichts Kimmichs Rückkehr ist es also gut vorstellbar, dass Schalke das Spiel auf die linke Seite der Münchener lenken wird. Hier könnte der unerfahrene Davies das Pressingziel sein. Vorausgesetzt, Flick baut seine Abwehr nicht komplett um und stellt David Alaba wieder auf die linke Seite.
Unabhängig von der Münchener Aufstellung wird Schalke jedoch auch einen Plan B brauchen. Gegen die ballsicheren Bayern werden sie nicht 90 Minuten lang pressen können. Ist auch nur ein Spieler aufgrund von Erschöpfung kurz unkonzentriert oder einen Tick zu spät, können die Akteure des Rekordmeisters sich mit wenigen Kontakten durchkombinieren und große Räume bespielen.
Daher wird es einige Phasen geben, in denen der königsblaue Defensivverbund tiefer stehen muss. Je tiefer Schalke steht, desto wichtiger wird die Verteidigung der Flügel. Ist Bayern nämlich lange am Ball, spielen sie immer wieder Verlagerungen auf die Dribbler auf den Außenbahnen.
In einer Mittelfeldraute ist das Zentrum zwar stark besetzt, die Außenverteidiger haben dann allerdings keine Unterstützung – und Spieler wie Serge Gnabry will man nicht im direkten Eins-gegen-Eins verteidigen. Gut möglich also, dass Schalke in diesen Phasen ein flaches 4-4-2 aufbietet, bei dem sich Harit zurückfallen lässt.

FC Bayern - FC Schalke: Nadelstiche und Ruhephasen

Mit dem Ball wird es vor allem auf die offensiven Umschaltmomente ankommen. Egal, ob der Ballgewinn nun aus dem hohen Pressing oder dem tiefen Verteidigen resultiert hat. Besonders Harit wird hier ein entscheidender Faktor sein: Der Zehner hat ein herausragendes Timing in seinen Konteraktionen. Seine Ballbehandlung ist auch in höchstem Tempo auf Weltklasseniveau, sodass er auch in diesen hektischen Situationen noch den Überblick für den letzten Pass oder Lücken zum Abschluss behält.
Auch im kontrollierten Ballbesitz aus dem eigenen Drittel liegen Chancen. Bayern presst unter Flick bislang meistens von außen nach innen. Heißt: Die Außenstürmer laufen den Gegner von außen an und lenken die Pässe ins Zentrum. Hier hätte Schalke aber eine Überzahl mit den vier Spielern der Raute, die von Bayerns drei zentralen Mittelfeldspielern nicht aufgenommen werden können. Presst Bayern also wie gewohnt, kann Schalke sich wichtige Ruhephasen in Ballbesitz holen.
Eurosport-Check: Schalke fühlt sich wohl in der Außenseiterrolle – und sieht genau dort die Chance. Wagner sagte in der Pressekonferenz vor dem Spiel, er wolle keine Parolen raushauen. "Nadelstiche setzen", sich "nicht verstecken", "auch selbst konstruktiv Fußball spielen". Das, was jeder vor Spielen bei den Bayern sagt, kann und wird Schalke tatsächlich umsetzen. Und deshalb haben sie auch eine realistische Chance.
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