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Die 5 teuersten Sommer-Transfers im Check: Vieles richtig gemacht

Die 5 teuersten Sommer-Transfers im Check: Vieles richtig gemacht

12/10/2019 um 12:37

Für insgesamt 202 Millionen Euro wechselten Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Kerem Demirbay, Mats Hummels und Nico Schulz im vergangenen Sommer zu Bundesligavereinen. Damit sind sie die fünf teuersten Verpflichtungen. Wie haben sie sich bislang in ihren neuen Vereinen präsentiert, wo ist noch Luft nach oben? Eurosport.de zieht ein Zwischenfazit.

Rund 738 Millionen Euro gaben die Bundesliga-Klubs im Sommer für Transfers aus. 202 Millionen davon, für die fünf teuersten "Neuen": Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Kerem Demirbay, Mats Hummels und Nico Schulz.

Was hat das Quintett bereits bewegt, wer ist unverzichtbar, wer hängt noch durch?

Eurosport.de zieht ein Zwischenfazit.

Lucas Hernández: Nebenkriegsschauplatz macht Sorgen

Transfer: Für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid zum FC Bayern

Der französische Nationalspieler kam verletzt aus Spanien zu den Bayern. Der Rekordmeister überwies eine Bundesliga-Rekordsumme. Das war schon ein halbes Jahr vor Saisonbeginn.

Dass er Operation und Reha in München absolvierte, erleichterte ihm die Eingewöhnung. Als die Saison schließlich startete, war Hernández zwar noch nicht ganz fit, aber schon vollwertiger Teil des Teams.

Trainer Niko Kovac führte ihn dementsprechend vorsichtig heran. Mittlerweile darf sich Hernández getrost als Stammspieler betrachten. In der Bundesliga machte er fünf von sieben möglichen Spielen.

Eine Stammposition hat er allerdings noch nicht gefunden. Eigentlich als Innenverteidiger vorgesehen, ersetzte der 23-Jährige zuletzt David Alaba auf der linken Seite. Eine Position, die ihm aus Zeiten bei Atlético nicht fremd ist.

Dort wird er sehr vermisst. "Der Abgang, der uns am meisten weh tut, ist der von Lucas. Er war einer von uns", sagte sein Ex-Coach Diego Simeone.

Eurosport-Check: Sportlich ist Hernández über jeden Zweifel erhaben. Er wird noch besser werden und in den kommenden Jahren zu einer festen Größe des "neuen" FC Bayern werden. Gute Spieler haben ihren Preis - so rechtfertigt sich die hohe Ablöse.

Allerdings macht ein Nebenkriegsschauplatz Sorgen. Verein und Nationalmannschaft liegen über den Verteidiger im Clinch. Hier muss Hernández schnellstmöglich für Ruhe sorgen, sonst könnte es auf Dauer ungemütlich werden.

Lucas Hernández

Lucas HernándezSID

Benjamin Pavard: Sogar Coutinho schwärmt

Transfer: Für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum FC Bayern

Der zweite neue Franzose bei den Münchnern gehört zweifelsohne zu den großen Überraschungen der noch jungen Bundesliga-Saison.

Vereinsboss Uli Hoeneß kündigte unlängst an, Pavard werde beweisen, dass "er einer der besten Bayern-Transfers wird, die wir je gemacht haben". Der 23-Jährige arbeitet daran - derzeit mit Erfolg.

Bei Bayern spielt er schon nach wenigen Wochen eine tragende Rolle, kam in allen Pflichtspielen zum Einsatz und erzielte sogar schon ein Tor.

"Ich bin nicht überrascht, weil er bei der WM schon gezeigt hat, dass er einfach sehr gut ist", schwärmt auch Superstar Philippe Coutinho.

Dabei waren die Vorzeichen alles andere als positiv. Pavards junge Karriere war geprägt von ständigem auf und ab. Wechsel zum VfB Stuttgart, Weltmeister mit Frankreich, Abstieg aus der Bundesliga. Doch entgegen aller Unkenrufe legte der Franzose beim Rekordmeister einen Blitzstart hin. Trainer Niko Kovac vertraut ihm, setzte ihn in der Viererkette schon auf allen Positionen ein.

Eurosport-Check: Pavard hat sich nach bedenklichen Leistungen in der Vorsaison beeindruckend gefangen und steht sinnbildlich für die - nach allen Unruhen doch - gelungene Transferpolitik des FC Bayern im Sommer. Seine Polyvalenz in der Defensive und der gute Zug nach vorn dürften ihn auf lange Sicht zu einem wichtigen Teil der Bayern-Elf machen.

Benjamin Pavard trifft für den FC Bayern per Direktabnahme

Benjamin Pavard trifft für den FC Bayern per DirektabnahmeGetty Images

Kerem Demirbay: Auf der Suche nach seiner Rolle

Transfer: Für 32 Millionen Euro von der TSG 1899 Hoffenheim zu Bayer Leverkusen

Der erste Nicht-Münchner auf dieser Liste hat noch Anpassungsprobleme. Als teuerster Transfer der Vereinsgeschichte aus Hoffenheim nach Leverkusen gewechselt, stand der Confed-Cup-Sieger in den ersten drei Bundesliga-Partien auch jeweils in der Startelf.

Seit der klaren Niederlage seines neuen Klubs gegen Borussia Dortmund an Spieltag vier, die der 26-Jährige wegen Rückenproblemen verpasste, ist Demirbay aber in der Rangfolge abgerutscht. Nur 21 Minuten schickte ihn Trainer Peter Bosz seitdem aufs Feld.

Der Linksfuß hat noch Schwierigkeiten, sich bei Bayer zurechtzufinden. Neben Kai Havertz wirkten seine Darbietungen im Mittelfeld der Rheinländer bislang eher fad. "Er muss sich noch in unsere Spielweise, unser Gegenpressing, unser Ballbesitzspiel reinkämpfen", sagt Sportdirektor Simon Rolfes. Und weiter: "Kerem braucht noch ein bisschen, um unser Spiel zu verinnerlichen. Das ist ein Prozess." Diese Zeit wird ihm in Leverkusen aber gegeben. Nicht umsonst hat der Klub eine derart hohe Summe für ihn bezahlt.

Eurosport-Check: Bosz ist aufgefordert, die richtige Rolle für Demirbay zu finden. Denn der 26-Jährige kam bislang weder auf der "Zehn" noch auf den etwas defensiveren Mittelfeldpositionen zurecht. Für außen ist der Leverkusener Rekordeinkauf nicht schnell genug. Sollte im System-Bosz aber kein Platz für den Spieler sein, könnte der Transfer zum kostspieligen Missverständnis werden.

Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) im Zweikampf mit Christopher Antwi-Adjei (SC Paderborn)

Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) im Zweikampf mit Christopher Antwi-Adjei (SC Paderborn)Getty Images

Mats Hummels: Vieles richtig gemacht

Transfer: Für 30 Millionen Euro vom FC Bayern zu Borussia Dortmund

Es gibt selten Spieler, die zu einem neuen Verein kommen und dort unmittelbar zum unangefochtenen Chef aufsteigen. Hummels ist so einer.

Das mag auch daran liegen, dass der neue Klub für den 30-Jährigen gar nicht so wirklich neu war, spricht auf der anderen Seite aber schlicht für die Leader-Fähigkeiten des gebürtigen Münchners.

Die BVB-Verantwortlichen um Manager Michael Zorc hatten nach der vergebenen Meisterchance in der vergangenen Saison einen weiteren Führungsspieler gesucht. In Hummels wurde man fündig und in den ersten Saisonspielen auch für die Anstrengungen auf dem Transfermarkt belohnt.

Hummels stabilisierte die Dortmunder Defensive und zeigte sich gewohnt stark im Spielaufbau. Als der 30-Jährige am fünften Spieltag in Frankfurt verletzt runter musste, ging auch die Souveränität der Mannschaft von Bord. Seitdem befindet sich die Borussia in einem Abwärtsstrudel, den auch Hummels nach seiner Rückkehr in Freiburg noch nicht stoppen konnte.

"Für uns ist positiv, dass keine Mannschaft wegmarschiert. Wir reihen uns ein, in die enge Tabelle", sagt der ehemalige Nationalspieler. Er weiß, dass es nun auch an ihm ist, sein Team wieder in Spitzenregionen zu führen.

Eurosport-Check: Trotz der derzeitig ausbleibenden Ergebnisse, hat der BVB mit der Rückholaktion des Innenverteidigers vieles richtig gemacht. Auf lange Sicht wird sich dieser Trnsfer auch in sportlichem Erfolg auszahlen. Für alles andere ist sowohl Hummels als auch der übrige Kader zu stark.

Mats Hummels, Marco Reus - Borussia Dortmund

Mats Hummels, Marco Reus - Borussia DortmundImago

Nico Schulz: Alles auf Null

Transfer: Für 25 Millionen Euro von der TSG 1899 Hoffenheim zu Borussia Dortmund

So ein Start beim neuen Klub kann durchaus besser laufen. Als Lösung für das chronische Linksverteidigerproblem aus Hoffenheim nach Dortmund geholt, spielte Schulz zunächst nicht auf dem gewohnten Niveau und verlor seinen Stammplatz folgerichtig an Achraf Hakimi.

Seit Anfang September fiel der 26–Jährige dann zu allem Überfluss wegen eines Bänderteilrisses in der Fußwurzel aus, den er sich bei der Nationalmannschaft zugezogen hatte. Nun hat er das Mannschaftstraining wieder aufgenommen.

Eurosport-Check: Für den Linksfuß heißt es jetzt "Alles auf Null". Schulz wird hart arbeiten müssen, um sich den für ihn vorgesehenen Platz in der ersten Garde der Borussia zurückzuholen. Geht es nur nach seinen Fähigkeiten in der Offensive und im Spiel gegen den Ball, ist er der beste deutsche Linksverteidiger. Das muss er lediglich auch im schwarz-gelben Trikot beweisen.

Manuel Akanji - Niko Schulz - Borussia Dortmund

Manuel Akanji - Niko Schulz - Borussia DortmundImago

Video - Deschamps zu Hernández: "Vielleicht ist was in der Übersetzung verloren gegangen"

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