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Neue Trainer rocken die Liga: Wer hat das Zeug zum Bayern-Jäger?

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Bundesliga-Coaches Rose, Glasner, Wagner, Nagelsmann (v.l.n.r.)

Fotocredit: Getty Images

VonFlorian Bogner
09/10/2019 Am 06:35 | Update 09/10/2019 Am 06:35
@flopumuc

Mit Marco Rose, Oliver Glasner, Julian Nagelsmann und David Wagner finden sich vier neue Trainer mit ihren Klubs in den Top sechs der Bundesliga wieder. Ist die Tabellenführung von Borussia Mönchengladbach nur Zufall, wie stark ist die Abwehr des VfL Wolfsburg? Kann RB Leipzig aus einer verkorksten Woche lernen? Und wie stark ist der FC Schalke 04 wirklich? Eurosport.de macht den 100-Tage-Check.

Christoph Kramer legte sein schelmischstes Grinsen auf.

"Ich bin echt schon lange hier", meinte der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach vergangenen Sonntag nach dem 5:1-Sieg über den FC Augsburg, "aber ich war noch nie Spitzenreiter. Ich gucke mir jetzt die Tabelle ein bisschen häufiger an", sagte der Weltmeister - und verschwand in die Länderspielpause.

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Gladbachs Pech: Es sind erst sieben Spieltage gespielt. Doch während sich die halbe Bundesliga noch sortiert und auch die Fohlenelf alles andere als sattelfest ist (0:4 gegen Wolfsberg!), ist zumindest der Liga-Start unter dem neuen Trainer Marco Rose geglückt.

Rose vor Glasner - wie in Österreich

Apropos neue Trainer - es ist schon verrückt: Niko Kovac und Lucien Favre, beide gerade mal eine ganze Saison als Trainer beim FC Bayern München und Borussia Dortmund im Amt, gehören in der Bundesliga nun schon zur dienstälteren Hälfte.

Ganze sieben Klubs tauschten im Sommer schließlich den Coach aus, vier davon sorgten im ersten Saisonfünftel schon für Furore: So finden sich eben jener Rose (1./Borussia Mönchengladbach) sowie Oliver Glasner (2./VfL Wolfsburg), Julian Nagelsmann (4./RB Leipzig) und David Wagner (6./FC Schalke 04) derzeit auf den internationalen Rängen wieder.

Kurios: Rose vor Glasner gab's schon in der vergangenen Saison - allerdings in der österreichischen Bundesliga, die Rose mit RB Salzburg vor Glasners Linzer ASK gewann.

Was hat das Quartett verändert, wohin geht die Reise für die Klubs? Eurosport.de macht den 100-Tage-Check.

Marco Rose (Borussia Mönchengladbach)

Was hat er verändert? Rose hat bei Gladbach vor allem das Augenmerk auf das Spiel gegen den Ball und die Umschaltmomente gelegt - ein bisschen wie Jürgen Klopp beim FC Liverpool. So konstatierte er nach dem Sieg über Augsburg: "Wir waren sehr fleißig gegen den Ball, haben ein gutes Gegenpressing gespielt und auch viele gute Entscheidungen mit dem Ball getroffen."

Taktisch präsentiert sich die Borussia flexibel, Roses unverblümte, aber motivierende Art kommt gut an. "Die Mannschaft merkt, dass die Dinge, die Marco vorgibt, funktionieren, wenn man es mit Überzeugung macht", sagt Sportdirektor Max Eberl zufrieden.

Marco Rose - Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: SID

Warum steht Gladbach auf Rang eins? Laut Rose nicht wegen Rose. "Gleich streichen", antwortete er am Wochenende auf die Frage, ob Gladbach schon bei "100 Prozent Rose" angekommen sei. Als jedoch Schalke am Samstagabend die Chance auf die Tabellenführung ausgelassen hatte, sprach der Trainer das vor dem Augsburg-Spiel konkret in der Kabine an, weckte so die Gier.

"Das Thema war da, aber keiner hat darüber gesprochen", erzählte er hinterher: "Wir haben uns gesagt, dass wir diese Möglichkeit auch ergreifen müssen - nicht durch reden, sondern auf dem Platz." Diese Gewinnermentalität trugen die Spieler dann auch auf den Platz.

  • Gladbach blüht unter Rose auf - der Mann der Stunde ist aber ein anderer

Wohin geht die Reise? Vom Potenzial her spielt Gladbach um die Plätze vier bis sieben - Ausreißer nach oben möglich. Die Tabellenführung dürfe jedoch "nicht die Blicke vernebeln", sagt Eberl.

Außerdem verletzten sich gegen Augsburg mit Stefan Lainer, Matthias Ginter und Alassane Pléa gleich drei Stammspieler. Mit Dortmund (A), Rom (Europa League, A), Frankfurt (H), Dortmund (DFB-Pokal, A), Leverkusen (A), Rom (Europa League, H) und Werder Bremen (H) geht's nach der Länderspielpause in drei aufeinanderfolgenden englischen Wochen richtig zur Sache. "Jetzt kommen dicke Bretter. Mal abwarten", sagte Rose deswegen auch eher defensiv.

Oliver Glasner (VfL Wolfsburg)

Was hat er verändert? Glasner stellte von Beginn an auf Dreierkette um, ließ immer im 3-4-3 spielen und gab der Mannschaft so ein klares Gerüst, das vor allem defensiv sehr gut funktioniert (nur vier Gegentore). "Was mich am meisten freut ist die beste Abwehr. Das war unser größter Trainingsschwerpunkt", verriet der Österreicher zudem.

Ein paar teamfördernde alternative Trainingsmethoden sowie gutes Personalmanagement - fast jeder Spieler bekam eine Chance - steigerten die Moral. "Es macht mir große Freude, wie die Mannschaft mitzieht", so das erste Fazit des Trainers.

Die Mannschaft hat das durchaus überrascht. "Er hat fast immer Recht mit dem, was er uns sagt. Wir sehen, dass es uns viel bringt", ist Stürmer Wout Weghorst bereits mittelschwer begeistert.

Oliver Glasner - VfL Wolfsburg

Fotocredit: SID

Warum steht Wolfsburg auf Rang zwei? 17., 9., 16., 12., 13., 17., 15. - so die Platzierungen der bisherigen Gegner am jeweiligen Spieltag. Will sagen: Wolfsburgs Auftaktprogramm war nicht das schwerste und ist ein Grund dafür, dass die Wölfe als einziges Team noch ungeschlagen sind.

Zehn geschossene Tore sind dabei fast schon wenig - zehn Mannschaften haben schon mehr. Gegen Köln (2:1), Mainz (1:0) und den 1. FC Union (1:0) zeigte der VfL aber auch Reife und Geduld, das Grundvertrauen in die eigene Stärke ist da. "Wir haben jetzt ein klares System. Die ganze Mannschaft versteht das immer besser", lobt Weghorst.

Wohin geht die Reise? Hält Wolfsburgs Defensive auch den Spitzenteams der Liga stand, ist ein Platz in den Top sechs realistisch. Es sei aber "aber auch nicht so, dass wir bei Platz sieben oder acht von einem Katastrophenjahr sprechen", sagte Glasner.

Aufschluss über das wahre Potenzial geben die nächsten Wochen mit Spielen gegen Leipzig, Dortmund und Leverkusen. Angesichts von sieben Spielen in drei Wochen sei dann "das Training quasi gestrichen", so Glasner. Das stellt den neuen VfL erstmal auf den Prüfstand.

Julian Nagelsmann (RB Leipzig)

Was hat er verändert? Der Ex-Hoffenheim-Coach will Leipzig von einer Kontermannschaft zu einem mehr ballbesitzorientierten Top-Team machen. Einem, dem auch gegen tief stehende Gegner etwas einfällt.

Dieser Ansatz stagnierte in der vergangenen Woche etwas, auch wenn Leipzig da vor allem viele Chancen liegen ließ. Gesteigert hat sich unter Nagelsmann die Passquote in den 80er-Prozentbereich, dafür stagniert die Ballbesitzstatistik bei rund 50 Prozent pro Partie.

Auffällig: Leipzig baut das Spiel jetzt ruhiger auf, setzt seltener auf den langen Ball. Zudem agieren die Außenverteidiger offensiver. "Wir haben eine Umstellung, die wir immer noch durchleben. Das habe ich auch bei den erfolgreichen Spielen gesagt, dass wir immer noch nicht am Ziel sind", sagt Nagelsmann.

Julian Nagelsmann - RB Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Warum steht Leipzig auf Rang vier? "Nur" Rang vier, muss man fast sagen - nach sechs Siegen aus den ersten sieben Pflichtspielen wurde RB in der vergangenen Woche gegen Schalke (1:3), Lyon (1:2) und Leverkusen (1:1) recht unsanft aus aufkeimenden Träumen gerissen.

Mit exakt 2,0 Punkten pro Spiel liegt Nagelsmann aber im Soll, nur einmal hatte man nach sieben Spieltagen mehr auf dem Konto (15 im ersten Bundesliga-Jahr unter Ralph Hasenhüttl 2016/17). "Wenn das ein Abwärtstrend ist, die Art und Weise wie wir gespielt haben, dann darf es weiter bergab gehen. Dann werden wir die nächsten Spiele wieder gewinnen", ist sich Nagelsmann sicher.

Wohin geht die Reise? Leipzig selbst sieht sich in den Top vier, dazu braucht es nun aber wieder Siege - als nächstes kommt Wolfsburg. Auch Nagelsmann findet die anstehenden englischen Wochen für weitere Fortschritte eher hinderlich.

"Es ist nicht ganz einfach, wenn man kein Training mehr hat, die Dinge im Detail abzustimmen. Wir machen es im Moment häufig nur noch auf Video", so der RB-Coach.

David Wagner (FC Schalke 04)

Was hat er verändert? Vor allem die Grundstimmung innen wie außen. Beim 1:1 gegen den 1. FC Köln war das im kompletten Stadion spürbar: jeder Zweikampf wurde beklatscht, Fans und Mannschaft sind wieder eine Einheit.

Unter Wagner zeigt Schalke in erster Linie aggressives Angriffspressing, spielt sehr laufintensiv, leidenschaftlich, zweikampforientiert - offensiv wie defensiv. Das kommt gut an. Amine Harit ist beim Umschaltspiel als Ballverteiler der Schlüssel, der nicht gerade besonders flinke Guido Burgstaller setzt die Rolle die Zielspielers erstaunlich gut um, auch wenn er kaum trifft. Dafür läuft er die Gegner vorbildlich an.

Wagner weiß aber auch, dass Schalke noch spielerische Defizite hat. "Wir machen Schritte in die richtige Richtung. Aber das sind nur erste Schritte - nicht mehr", so der Coach.

David Wagner - FC Schalke 04

Fotocredit: Imago

Warum steht Schalke auf Rang sechs? Zu einer Nacht auf Platz eins fehlten gegen Köln nur ein paar Minuten (Hector traf in der Nachspielzeit) - im Endeffekt ist das Wagner aber sogar ganz recht, weil so die Euphorie nicht überbordet.

Schalke hatte sonst aber auch das rechte Spielglück: Nur gegen Bayern (0:3) und in Paderborn (5:1) lag Königsblau diese Saison zurück, konnte sonst immer die Stärken im Umschaltspiel ausspielen. Torhüter Alexander Nübel gibt einen starken Rückhalt, Omar Mascarell hat endlich seinen Platz vor der Abwehr gefunden.

"Die Jungs haben in der letzten Saison eine Erfahrung gemacht, die sehr erdet", sagt Wagner, "und wenn man diese Erfahrung gemacht hat, kann es einem nicht passieren abzuheben."

Wohin geht die Reise? Ein einstelliger Tabellenplatz mit Blick auf Europa ist realistisch. Schalkes Vorteil: Mit Ausnahme von Freiburg haben alle Konkurrenten jetzt drei heftige englische Wochen vor sich. Schalke dagegen muss "nur" zwischendrin im DFB-Pokal bei Arminia Bielefeld ran (29.10.). Da kann man sich schon mal ein kleines Polster rausspielen.

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