Keine Wortgefechte, kein "Spion": Bayern-Coach Hansi Flick über Coaching-Strategie

Die veränderten Bedingungen in der Bundesliga nach dem Neustart stellen nicht nur die Spieler vor Herausforderungen, auch die Trainer müssen sich umstellen. Bayern-Coach Hansi Flick lässt sich davon zwar nicht aus dem Rhythmus bringen, gibt aber zu, dass er sich während der Partien "nicht in Wortgefechte verwickeln lassen" will. Auch von der Idee, einen "Spion" zu installieren, hält er nichts.

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Mit dem Coaching ist das in Zeiten von Geisterspielen so eine Sache in der Bundesliga. Die Profis hören nun wesentlich besser die Anweisungen ihrer Trainer - aber das gilt halt auch für die TV-Zuschauer und die gegnerische Bank. Freiburgs Trainer Christian Streich hat das Dilemma mal wieder in seinem markanten alemannischen Dialekt auf den Punkt gebracht. "Ma hört sich halt immer schreie und denkt: Schrei' ned zuviel", gab der 54-Jährige unlängst zu Protokoll.
Hansi Flick hat sich ob der fehlenden Geräuschkulisse, die in den Bundesliga-Arenen bislang so manchen verbalen Aussetzer auf den Trainerbänken gnädig überdeckt hat, vor allem Souveränität verordnet. "Da muss man jetzt cool bleiben und sich nicht in Wortgefechte verwickeln lassen", erklärte der Bayern-Coach auf Nachfrage von Eurosport.de. Es gehe darum, sich "auf seine Mannschaft zu konzentrieren".

Ein "Spion" im Auftrag der Bayern? Flick wiegelt ab

Beim ersten Spiel ohne Zuschauer, dem 2:0-Erfolg der Bayern bei Union Berlin, habe er "noch nicht so darauf geachtet", sich anders oder gar vorsichtiger auszudrücken. Aber Flick ist natürlich aufgefallen, dass "mehr auch von der anderen Bank" zu hören sei. Was die Frage aufwirft, ob es denn sinnvoll sein könnte, wenn ein Mitglied aus dem Trainerteam ganz bewusst hinhört, was da auf der Seite des Gegners diskutiert wird. Ein "Spion" also, der zum Beispiel am Samstag beim Heimspiel gegen Frankfurt (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) Eintracht-Trainer Adi Hütter belauscht? "Nein, das machen wir nicht", wiegelt Flick ab.
Nötig hat der 55-Jährige das nicht ganz ernst gemeinte Gedankenspiel ohnehin nicht, trainiert er doch die laut Tabellenstand beste Mannschaft der Liga. Ernsthafte Gedanken macht sich Flick aber über die Qualitäten des Gastes aus der Hessen-Metropole. "Frankfurt hat viel Dynamik und viel Herz", dozierte Flick. "Als ich meine Auszeit hatte, habe ich viele Spiele der Eintracht gesehen, die haben mir sehr gefallen."
Unabhängig von den Ergebnissen der vergangenen Wochen erwartet der Chefcoach des Rekordmeisters "eine Mannschaft, die zurück in die Erfolgsspur will".

"Unter Umständen kommen die Spieler durcheinander"

Da gelte es, alles in die Waagschale zu werfen. Die sportliche Überlegenheit der Bayern allein reiche nämlich nicht aus. "Entscheidend ist die Mentalität. Natürlich hat es Vorteile, wenn du mehr Qualität auf dem Platz hast. Wichtig ist, dass man sich als Team gegenseitig pusht, um die fehlende Motivation von den Rängen aufrecht zu erhalten", so Flick. Dass man ihn deshalb aber lauthals schreiend an der Seitenlinie erleben wird, darf bezweifelt werden. Es ist eigentlich nicht sein Stil.
Überdies berge zu viel Geschrei noch eine ganz andere Gefahr, wie wiederum Streich zu berichten wusste. "Unter Umständen kommen die Spieler dann noch durcheinander", so der Kult-Trainer - und das kann keinem Coach gefallen, weder in Freiburg noch in München.
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