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Die Lage vor dem Corona-Gipfel: König Fußball in der Krise

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Hans-Joachim Watzke (l.) und Karl-Heinz Rummenigge

Fotocredit: Getty Images

VonDaniel Rathjen
15/03/2020 Am 20:25 | Update 15/03/2020 Am 21:09
@DanielRathjen

Der Fußball steht im Zeichen des Coronavirus' still. Einige Vereine plagen nun Existenzängste. Am Montag tagt die DFL, am Dienstag die UEFA. Es werden Auswege gesucht. Es geht um Geisterspiele, einen Saisonabbruch und die Verschiebung der paneuropäischen EM – und nicht zuletzt um das, was den Fußball zuletzt so stark machte: das Geld. Die Diskussionen werden kontrovers.

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Geisterspiele, Saisonabbruch, geregelter Fußball erst wieder ab Oktober und, und, und ... Während die Gerüchteküche brodelt, halten sich die Verbände aktuell noch bedeckt. Doch intern kommt jetzt alles auf den Tisch.

Bundesliga

Watzke spricht sich für Geisterspiele in der Bundesliga aus

15/03/2020 AM 17:27

Am Montag (ab 11:30 Uhr) treffen sich die 36 Klubvertreter der Bundesligisten in Frankfurt/Main zum Krisengipfel bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), am Dienstag wird die Union Europäischer Fußballverbände (UEFA) nach einer Telefonkonferenz mit den Vertretern der 55 Mitgliedsverbände, den Vorständen der Klubvereinigung ECA und der Vereinigung der europäischen Ligen sowie der Spielergewerkschaft FIFPro das Geheimnis um ihren EM-Plan lüften.

Coronakrise existenzbedrohend für Bundesliga-Klubs?

Angesichts der gesundheitlichen Bedrohung durch das Coronavirus für jeden Menschen auf der Welt mögen die Probleme des Fußballs klein wirken, wie es auch Uli Hoeneß am Sonntag im "Sport1-Doppelpass" formulierte.

Doch das Fußballgeschäft ist auch ein Milliardenbusiness. Von ihm abhängig: viele Jobs.

"Wenn die Bundesliga abgebrochen werden muss, dann wird es für einige Klubs sehr, sehr schwierig", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Sonntag in der "ARD-Sportschau". Die Dortmunder stehen finanziell auf gesunden Beinen, ebenso wie der FC Bayern München, doch die kleineren Vereine bangen um ihre Existenz.

Hohe Kosten bleiben

Die Folgen der Pandemie bedrohen die Klubs ernsthaft: wird dauerhaft pausiert, fehlen Einnahmen aus TV-Verträgen, Sponsoring und Kartenverkauf. Zugleich bleiben die hohen Personalkosten für die Spieler, andere Angestellte oder etwa Stadionmieten nahezu unverändert.

Es ist ein komplexer Sachverhalt, ein absoluter Zwiespalt. Was ihn zusätzlich erschwert, hat FCB-Ehrenpräsident Hoeneß am Sonntag im "Sport1-Doppelpass" auf den Punkt gebracht:

Die Realität ist: Wir müssen jetzt einfach mal vier Wochen warten. Ich finde es Scharlatanerie zu sagen, was man in vier Wochen machen soll. Vielleicht wird auch erst im Oktober wieder gespielt, das weiß doch keiner.

Dennoch werden Lösungen eingefordert – das sind die wichtigsten Faktoren der einzelnen Wettbewerbe:

Die Bundesliga und 2. Bundesliga:

Bis zum 2. April ist der Spielbetrieb ausgesetzt, danach soll die Saison - so äußern sich einige Vereine - unbedingt zu Ende gebracht werden. "Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die 1. und 2. Liga im Feuer", betonte FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Insgesamt geht es für die 36 Vereine um Einnahmen von bis zu 770 Millionen Euro - angesichts dieser Summe sieht Watzke den deutschen Profifußball "in der größten Krise seiner Geschichte".

4,8 Milliarden Euro setzten die Bundesliga (4,02 Milliarden) und die 2. Liga (782 Millionen) in der Spielzeit 2018/2019 um, der Gewinn nach Steuern betrug insgesamt 141,5 Millionen Euro (Bundesliga: 128 Millionen), 28 Klubs wiesen einen Überschuss aus. Allerdings: Zum 30. Juni 2019 standen in den Büchern auch Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 1,766 Milliarden Euro (Bundesliga: 1,431).

Verständlich, dass auch die DFL darauf hofft, die verbleibenden neun Spieltage irgendwie noch absolvieren zu können. Dann müsste aber die UEFA die EM-Endrunde verschieben. Das Wichtigste, sagte Rudi Völler, Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen, sei eine Antwort auf die Frage: "Wie kann die nationale Liga weiter existieren?"

Aufs Tableau werden dann auch Themen wie ein möglicher Gehaltsverzicht der Profis kommen.

Die EM 2020:

Für die Verbände steht die nationale Liga über allem, für die UEFA sind die EM (12. Juni bis 12. Juli) und die Champions League die Premiumprodukte. Da prallen schon mal zwei grundverschiedene Interessen aufeinander.

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sagte am Sonntag bereits, er "rechne fest mit einer Verlegung der EM". An ihr hängen unzählige Verträge, dass sie ersatzlos gestrichen wird, steht außer Frage. Dass sie planmäßig durchgeführt wird aber auch.

Also wird wild spekuliert: Der "Daily Telegraph" schrieb von einer möglichen Verlegung in den Dezember. Diese könnte den Vorteil mit sich bringen, die EURO als Testlauf für die Winter-WM 2022 zu nutzen und gleichzeitig eine Konfrontation mit dem Weltverband FIFA zu umgehen. Eine Verschiebung der EM-Endrunde um ein Jahr würde nämlich zu einer Kollision mit der reformierten Klub-WM der FIFA führen, die für den Sommer 2021 geplant ist - in China, übrigens.

"Ich bin mir sicher, dass die UEFA mit Präsident Aleksander Ceferin an der Spitze eine seriöse und verantwortungsbewusste Entscheidung treffen wird", sagte Rummenigge.

Die Champions League und Europa League:

Vor allem mit der Champions League erwirtschaftet die UEFA Unsummen. Doch der Spielplan wird so eng, dass für die reguläre Austragung der restlichen K.o.-Runde kaum Zeit bleibt.

Auch in der "Königsklasse" muss es also Änderungen geben. Die "AS" spekulierte in Spanien mit einer Durchführung der verbliebenen Begegnungen im Schnelldurchgang.

Sobald alle Viertelfinalisten feststehen (wann auch immer das sein mag), sollen in einem K.o.-Duell die Halbfinalisten ermittelt werden. Die Sieger würden dann in einem Final Four in Istanbul (Champions League) und Danzig (Europa League) gesucht.

Unterm Strich bleibt aber immer die Frage: Ist ein Wettbewerb so überhaupt durchführbar? Nach den derzeitig gängigen Regelungen, müssen Kontaktpersonen infizierter Menschen für zwei Wochen in die Heimisolation - und das setzt ganze Fußballmannschaften außer Gefecht.

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