Michael Cuisance beim FC Bayern: Vom Transfer-Flop zum Thiago-Ersatz?

Der aus Gladbach verpflichtete Michaël Cuisance hat eine Zeit gebraucht, um beim FC Bayern München richtig anzukommen. Im letzten Saisonspiel begeisterte er beim 4:0 in Wolfsburg mit einem Traumtor und einer Vorlage. Wird der 20-jährige Franzose nun der Profiteur eines möglichen Thiago-Abgangs?

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Es war seine letzte Chance, um in der Bundesliga-Saison 2019 / 2020 noch einmal auf sich aufmerksam zu machen. Diese hat Michael Cuisance perfekt genutzt. Der Mittelfeldspieler stand bereits bei den letzten beiden Heimspielen gegen Gladbach und Freiburg in der Startaufstellung. In Wolfsburg allerdings durfte er erstmals überhaupt 90 Minuten im Trikot der Bayern durchspielen. Seine Bilanz: das erste Bundesliga-Tor geschossen, zudem einen Elfmeter herausgeholt.
"Wir haben uns alle gefreut, dass er so ein schönes Tor geschossen hat", lobte Trainer Hansi Flick. Der Treffer von Cuisance zum 2:0 ließ sich zweifelsohne als Traumtor bezeichnen. In der 22. Minute zog er aus rund 22 Metern ab und traf fast zentimetergenau in die linke obere Ecke.
In der 71. Minute gelangte er in den gegnerischen Strafraum und konnte von Gegenspieler Josuha Guilavogui lediglich per Foul gestoppt werden. Robert Lewandowski nutzte den Elfmeter zum zwischenzeitliche 3:0 (Endstand: 4:0).

Flick über Cuisance: Hat sehr, sehr gut gearbeitet

"Wir alle können glücklich und zufrieden sein, dass Michael heute so ein gutes Spiel gemacht hat“, sagte Flick und fügte hinzu: "Er hat sich das verdient. Er hat nach Corona sehr, sehr gut gearbeitet, hat an seiner Fitness gearbeitet. Und dass er ein klasse Fußballer ist, hat er schon immer bewiesen. Nun geht er die Sache auch mit der notwendigen Mentalität an, die man braucht."
Der französische U20-Nationalspieler erlebte eine sehr durchwachsene Spielzeit. Dass er im Sommer 2019 überhaupt vom Rekordmeister verpflichtet wurde, löste Verwunderung aus. Zwar waren seine technischen Qualitäten bekannt. Allerdings war er vergangene Saison nicht einmal bei Borussia Mönchengladbach Stammspieler, hatte dort lediglich elf Bundesligaeinsätze zu verbuchen. Und diese waren oftmals sehr kurz. Dennoch zahlte der FC Bayern eine Ablöse von rund zwölf Millionen Euro.
Viel Geld für einen Spieler, der in München zunächst überhaupt keine Rolle spielte. In der Hinrunde wurde er lediglich zweimal eingewechselt. Und zwar jeweils zu einem Zeitpunkt, als der Sieg der Bayern ohnehin längst sicher war. Werbung in eigener Sache konnte er in dieser kurzen Zeit nicht betreiben. Stattdessen lief er fünfmal für die 2. Mannschaft in der 3. Liga auf. Schlimmer noch: Vor dem Spiel gegen Magdeburg flog er sogar dort aus disziplinarischen Gründen aus der Startelf.
Cuisance erfüllte praktisch alle Voraussetzungen für einen Flop.

Cuisance: Wunschspieler von Salihamidzic

Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic, dessen Wunschspieler Cuisance gewesen ist, redete ihn im November trotzdem stark: "Er hat Potential. Wir, das Trainerteam, arbeiten daran, dass er den nächsten Schritt hier macht." Spätestens jetzt dürfte er sich in der damaligen Meinung bestärkt fühlen. Cuisance scheint bei den Bayern angekommen zu sein.
Luft nach oben besteht aber weiterhin: Seine beiden Scorer-Punkte und seine Passquote von 82 Prozent täuschen darüber hinweg, dass sein Spiel noch viele Ungenauigkeiten beinhaltet. Sein Passspiel war oftmals nicht präzise. Doch im Alter von 20 Jahren hat Cuisance noch genügend Entwicklungspotential. Möglicherweise wäre er bereits einen Schritt weiter, hätte er in der Hinrunde nicht Verletzungsprobleme gehabt.

Thiago-Nachfolger oder Marseille-Ausleihe?

Ob Cuisance in der Saison 2020/2021 nun richtig durchstartet? Ein möglicher Abgang von Thiago könnte die Chance erhöhen, dass Cuisance vermehrt im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommt. Auch wenn Flick davon nichts wissen möchte: "Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Gedanken, dass Thiago uns verlässt. Ich sehe Thiago als einen herausragenden Spieler, der einer Mannschaft sehr viel geben kann."
Oder wird Cuisance, der in München bis Sommer 2024 unter Vertrag steht, noch einmal verliehen, um bei einem anderen Verein Spielpraxis zu sammeln? Laut der französischen "L'Equipe" ist der französische Traditionsverein Olympique Marseille interessiert.
Flick lässt sich nicht in die Karten schauen: "Wie sein Weg weitergeht, entscheidet letztendlich auch der Spieler - was er anbietet. Im Moment sind wir sehr zufrieden."
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