BVB | Auftritt zum Kopfschütteln: Dortmund verabschiedet sich mit Beigeschmack
Viel zu gewinnen gab es für Vizemeister Borussia Dortmund am 34. Spieltag nicht mehr. Dass sich die Mannschaft von Lucien Favre beim 0:4 im Signal Iduna Park gegen die TSG Hoffenheim allerdings mit einer solch desaströsen Leistung in die Sommerpause verabschieden würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Der BVB präsentierte sich eklatant schwach - und entfacht damit die Mentalitätsdebatte neu.
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Die Profis der TSG Hoffenheim zelebrierten den unerwarteten Erfolg wie eine Meisterschaft. Die Spieler aus dem Kraichgau tanzten im Mittelkreis, schwenkten ihre Trikots und sangen vom Europapokal.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Stars von Borussia Dortmund nach dem peinlichen 0:4 (0:2) gegen die TSG schon längst in der Katakomben verschwunden - nach 90 Minuten Arbeitsverweigerung im Signal Iduna Park!
"Das sind die kleinen Spiele, die Punkte, die uns am Ende immer fehlen. Bayern hat diese absolute Winner-Mentalität. Wir nicht", resümierte BVB-Keeper Roman Bürki bei "Sky". Er traf den Nagel auf den Kopf, denn es war in dieser Saison deutlich mehr drin für die Schwarz-Gelben.
Sein Trainer Lucien Favre pflichtete ihm auf der anschließenden Pressekonferenz bei: "Über Bayern müssen wir nicht sprechen, sie sind besser - Punkt!"
Auf der Tribüne fingen die Fernsehkameras während der Partie einen ungläubig dreinblickenden Matthias Sammer ein, der immer wieder über den Auftrifft der BVB-Elf auf dem Rasen den Kopf schüttelte. Ähnlich wie zwei Wochen zuvor beim 0:2 zuhause gegen Mainz fehlte dem BVB die Leidenschaft, die bereits in der Hinrunde oft zitierte Mentalität. Über weite Strecken wirkten die Akteure fast lustlos.
Witsel sauer: "Wenn nur ein paar Spieler laufen und verteidigen..."
"Es war ohne Ball nicht genug. Wir müssen zusammen verteidigen. Wenn nur ein paar Spieler laufen und verteidigen, ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen", zeigte sich auch Mittelfeldregisseur Axel Witsel sauer über die Art und Weise der Niederlage: "Auf dem Papier bist du vielleicht das bessere Team, aber auf dem Feld ist es anders." Neue Unruhe im Verein, die sich die Westfalen vor der Sommerpause mit einem versöhnlich Saisonabschluss hätten sparen können.
Besonders im Defensivverhalten offenbarten die Dortmunder eklatante Schwächen und mussten sich bei Torhüter Bürki bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel. Ihlas Bebou vergab in der zweiten Hälfte gleich mehrere aussichtsreiche Chancen.
Zuvor war Andrej Kramaric mit einem Viererpack zum Mann des Tages aufseiten der Gäste avanciert. Er bescherte den Kraichgauern den direkten Sprung in die Europa-League-Gruppenphase. Dank der Treffer des kroatischen Vizeweltmeisters schob sich Hoffenheim noch am VfL Wolfsburg auf den sechsten Platz vorbei. "Ein wunderbares Gefühl. Das passiert einem nicht so häufig. Ich bin stolz auf meine Jungs", betonte Kramaric bei "Sky".
Kramaric nutzte die Unordnung in der umformierten Dortmunder Defensive mit einem frühen Rechtsschuss (8.), später legte er ohne nennenswerte Gegenwehr seine Saisontreffer Nummer zehn, elf und zwölf (30./48./50., Foulelfmeter) nach.
Dortmund steht nächster Umbruch bevor
Dem BVB steht nun einmal mehr ein Umbruch bevor. 2014er-Weltmeister Mario Götze (28), der ohnehin keine Rolle mehr spielte, wurde mit warmen Worten und einer gerahmten Collage verabschiedet. Sportdirektor Michael Zorc verkündete zudem bei "Sky", dass Rechtsaußen Achraf Hakimi den Verein mit Ablauf der Ausleihe von Real Madrid verlassen wird.
Um den herausragenden Jungstar Jadon Sancho reißen sich ohnehin die englischen Spitzenvereine. Zorc, der seinen Vertrag nochmals um ein Jahr verlängerte, und Coach Favre trotz aller Kritik hingegen bleiben 2020/21 in verantwortlicher Position.
Sie werden sich neu sammeln in Dortmund und in der kommenden Saison wieder angreifen, soviel ist sicher. Die 0:4-Klatsche, die schonungslos die Kräfteverhältnisse zwischen dem FC Bayern und den Schwarz-Gelben offenbarte, wird in Dortmund aber sicher einen faden Beigeschmack hinterlassen.
(mit SID)
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