SV Werder Bremen: Anführer Davy Klaassen im Exklusiv-Interview bei Eurosport
Davy Klaassen steht mit dem SV Werder Bremen nach der Hinrunde überraschend auf einem direkten Abstiegsplatz. Gleich zum Rückrunden-Auftakt trifft der 26-Jährige mit den Grün-Weißen in einem echten Sechs-Punkte-Spiel auf Fortuna Düsseldorf. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de spricht Klaassen über potentielle Neuzugänge, den Abstiegskampf mit Werder sowie seinen Wechsel in die Premier League.
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Das Interview führte Robert Bauer
Herr Klaassen, Sie sind mit Werder in der vergangenen Saison denkbar knapp an einem Europa-League-Platz gescheitert und galten auch am Anfang dieser Spielzeit als ernsthafter Kandidat für die europäischen Plätze. Wie ist es dazu gekommen, dass Bremen nach der Hinrunde mitten im Abstiegskampf steckt?
Davy Klaassen: Es gibt viele Faktoren, die dazu geführt haben. Wir hatten viele Verletzte und in gewissen Spielen auch ein wenig Pech. Am Ende der Hinrunde haben wir dann unser Leistung gar nicht mehr so auf den Platz gebracht, wie wir es eigentlich können. Jetzt stecken wir da unten drin und müssen versuchen, dass wir da so schnell wie möglich wieder rauskommen.
Sie haben kürzlich im Abstiegskampf "härtere Umgangsformen" gefordert, was haben Sie damit gemeint?
Klaassen: Das war mehr allgemein gemeint, dass wir alle untereinander noch härter und kritischer zueinander sein können. Letztes Jahr war die Situation entspannter, weil alles gut gelaufen ist. In dieser Saison läuft alles ein wenig gegen uns und deshalb müssen wir auch ein wenig härter zueinander sein.
Sind Sie gerade da auch persönlich als Führungsspieler gefordert?
Klaassen: Ich denke, wir fordern uns immer selbst, egal, ob man Führungsspieler ist, oder nicht. In der Rückrunde werden die Leute von außen jetzt noch mehr auf uns schauen. Deswegen sollten wir als Allererstes mal wieder gut spielen. Wichtig ist, dass wir alle unsere Qualitäten wieder auf den Platz bringen. Denn jeder von uns ist auf seine ganz eigene Art ein Führungsspieler.
Trotzdem wirken Sie auf dem Platz wie der emotionale Leader des Teams - sehen Sie sich selbst auch so?
Klaassen: Ich denke schon, dass ich einer der Leader auf dem Platz bin und das bin ich auch gerne. Mein Spielstil ist mit viel Emotionalität verbunden und damit versuche ich dann auch innerhalb der Mannschaft voranzugehen.
Das spiegelt sich auch in Ihrer Laufleistung wider. Sie sind in der bisherigen Saison die zweitmeisten Kilometer aller Bundesliga-Profis gelaufen (201,87 Kilometer). Was treibt Sie Woche für Woche zu solchen Leistungen an?
Klaassen: Für mich ist das normal. So habe ich schon immer gespielt. Ich konnte früher auch viel laufen. Das ist aber nichts, was ich vor dem Spiel speziell im Kopf habe.
Wie kann Werder in der Rückrunde den Turnaround schaffen?
Klaassen: Das Wichtigste ist, dass alle fit bleiben und wir wieder Schwung in unser Spiel bekommen. Wenn wir mehr Punkte holen, kommt dieser Schwung von ganz alleine.
Florian Kohfeldt ist seit mehr als zwei Jahren Trainer in Bremen und kennt die Mannschaft und das Umfeld. War es trotz der sportlichen Situation richtig, an ihm festzuhalten?
Klaassen: Ich persönlich finde, ja. Ich glaube, er ist der richtige Trainer für uns und den ganzen Verein. Deswegen steht er auch überhaupt nicht zur Diskussion. So sollte es in so einer schwierigen Situation auch sein. Sowohl die Mannschaft als auch der Verein muss zeigen, dass wir einen klaren Weg haben.
Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim ist vor wenigen Tagen zu ihrem Team gestoßen. Wie kann er ihrem Team im Abstiegskampf helfen?
Klaassen: Er ist ein guter Spieler und kann uns mit seinen Qualitäten sicherlich weiterhelfen. Das hat er über viele Jahre hinweg in der Bundesliga bewiesen. Er hat selbst immer den Anspruch, in einer Mannschaft voranzugehen. Dementsprechend kann er uns sehr gut helfen.
Sind Ihrer Meinung nach weitere Winter-Transfers nötig?
Klaassen: Das muss die sportliche Leitung entscheiden. Wir haben in der Hinrunde aber auch gesehen, dass es schwierig wird, wenn mehrere Spieler verletzt sind. Vielleicht würden ein oder zwei Spieler dann weiterhelfen. Und weitere Qualität können wir immer gebrauchen.
Sie haben vor kurzem gesagt, dass die EM im Juni für Sie keine Priorität hat. Ist die Nationalmannschaft langfristig gesehen trotzdem noch ein Thema für Sie?
Klaassen: Natürlich ist das noch ein Ziel, aber in der Situation, in der wir uns gerade befinden, ist das aktuell kein Thema, mit dem ich mich beschäftige.
Der große Johann Cruyff schwärmte von Ihnen in der Vergangenheit in den höchsten Tönen und stellte Sie sogar auf eine Stufe mit Xavi und Toni Kroos. Wie ist es für einen jungen Spieler ein solches Lob von einer Legende zu bekommen?
Klaassen: Klar ist das toll, wenn man so ein Lob erhält. Damals habe ich allerdings auch schon gesagt, dass ich mich jeden Tag neu beweisen muss, um zu zeigen, dass er mit seiner Meinung nicht ganz so falsch lag. Trotzdem waren die Worte natürlich sehr schön für mich.
Sie haben 2017 den Schritt von Ajax Amsterdam zum FC Everton in die Premier League gewagt, wo Sie allerdings kaum Spielzeit bekamen. War der Schritt im Nachhinein zu groß?
Klaassen: Nein, aber ich hätte vielleicht zu einem Klub wechseln sollen, der mehr Kombinationsfußball spielt. Wir haben viel mit langen Bällen agiert und damit hatte ich meine Probleme. Die Größe des Schrittes war eigentlich perfekt für mich, aber es hat leider nicht gepasst.
Fühlte sich der anschließende Wechsel zu Werder daher wie ein Rückschritt an?
Klaassen: Nein, weil ich bei Everton fast ein Jahr lang nicht gespielt habe und auf dem Platz auch nicht glücklich war. Deswegen war es ein Schritt nach vorne für mich, weil ich in Bremen regelmäßig spiele und auch unseren Spielstil sehr gerne mag.
Sie setzen sich außerhalb des Platzes sehr für Kinder und Flüchtlinge ein. Warum ist Ihnen gerade dies ein besonderes Anliegen?
Klaassen: Ich mag es mit Kindern zu arbeiten und weiß auch, wie schön es für ein Kind ist, mit einem Profispieler zu kicken. Meine Freundin war in der Arbeit mit Flüchtlingen schon immer sehr engagiert und deswegen habe ich mich auch dafür eingesetzt. Dementsprechend mache ich auch ab und zu etwas bei Werder in der CSR-Abteilung.
Am Wochenende treffen Sie auswärts auf Fortuna Düsseldorf. In der Hinrunde gab’s zum Auftakt gleich eine 1:3-Niederlage. Was macht Ihnen Hoffnung, dass es diese Mal besser läuft?
Klaassen: Wenn ich an das Spiel in der Hinrunde zurückdenke, dann gibt das schon genug Hoffnung. Das einzige Problem war damals, dass wir zu wenig Tore geschossen haben und Düsseldorf aus gefühlt vier Torschüssen drei Tore gemacht hat. Die letzte Woche macht mir auch Hoffnung, weil wir alle gut trainiert und alles Wichtige angesprochen haben. Ich glaube, dass wir bereit sind für die Rückrunde.
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