Die bisherige Woche ist für den BVB wahrlich bitter gelaufen: Neben dem unnötigen Ausscheiden im DFB Pokal gegen Werder Bremen muss man nun auch noch eine mehrwöchige Verletzung von Marco Reus auffangen.

Wie genau Dortmund ohne den Kapitän und Schlüsselspieler agieren wird, ließ Lucien Favre bisher offen. Man habe genug Alternativen, es sei alles eine Frage des Systems.

Bundesliga
Besser ohne Reus? Warum sich am BVB-Kapitän die Geister scheiden
28/10/2020 AM 18:25

Haaland als echte Neun

Reus agierte zuletzt als zentrale Spitze im 3-4-3. Diese Rolle interpretierte er nicht wie ein typischer Mittelstürmer, sondern tauschte oft die Positionen mit seinen Sturmpartnern.

Die meisten BVB-Fans wünschen sich sicherlich, dass Neuzugang Erling Haaland für Reus ins Team rückt und als klare Spitze aufläuft – bei der bisherigen Torquote natürlich wenig überraschend. Läuft Haaland auf, wird die Sturmmitte klarer besetzt sein, dann käme es mehr auf Hereingaben von außen an. Jadon Sancho dürfte beispielsweise daher in dieser Konstellation eine sehr positionstreue Rolle am rechten Flügel einnehmen, um nach Dribblings zu Flanken aus guter Position zu kommen.

Neben der Torquote spricht auch der körperliche Aspekt für Haaland. Gegen Leverkusens Innenverteidigung mit Jonathan Tah und Sven Bender kann eine gewisse Wucht, die Haaland definitiv mitbringt, durchaus gut tun. Auch bei Standardsituationen wäre Haaland als kopfballstarker Spieler wichtig: Leverkusen kassierte bislang lediglich zwei Tore nach ruhendem Ball – Ligarekord!

Überzeugten in der Rückrunde beim BVB: Erling Haaland (rechts) und Giovanni Reyna

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Reyna als Reus-Ersatz

Während mit Haaland auch ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 realistisch scheint, würde das 3-4-3 bei Favres anderen Optionen die erste Wahl sein. Da wäre einerseits Giovanni Reyna. Der 17-Jährige sorgte in den letzten Spielen für sehr viel Wirbel und ist im vorderen Bereich flexibel einsetzbar. Mit seiner Leichtfüßigkeit und seinem Spielwitz könnte der 17-Jährige im 3-4-3 als Teil des Dreiersturms nach Belieben rotieren und immer wieder zusammen mit Sancho und Co. in kleinen Räumen kombinieren.

Reyna würde die Position also ähnlich wie Reus interpretieren und sich gar nicht so oft im Sturmzentrum aufhalten. Flanken von außen wären also nicht die erste Wahl im Angriffsdrittel. Dortmunds Flügelspieler aus dem Mittelfeld müssten zwar hochschieben und die Breite halten, von dort aber schnell die Halbräume finden – dort tummeln sich dann die kleinen Dribbler, die durch das Verlassen ihrer nominellen Positionen kurzzeitig Überzahlsituationen schaffen und diese lösen.

Can für mehr Robustheit

Möglicherweise bringt Favre auch Emre Can für Reus. Der Neuzugang von Juventus Turin würde dann natürlich nicht im Sturm, sondern im zentralen Mittelfeld auflaufen. Zusammen mit Witsel würde er gegen die spielstarken Leverkusener eine robuste und defensivstarke Doppelsechs bilden.

Julian Brandt, der zuletzt aushilfsweise auf der Doppelsechs agierte, könnte dann wieder in seinem angestammten Territorium wirbeln: Der Ex-Leverkusener ist schließlich der Spieler, der Reus am ähnlichsten ist – mit großen Stärken zwischen den Linien des Gegners, immer schwer zu greifen und kaum auszurechnen.

Gut möglich, dass Favre sogar Can und Haaland bringt. In diesem Fall müsste dann wohl Akanji weichen, aus dem 3-4-3 würde ein 4-2-3-1 werden. So könnte Brandt als Zehner flankiert von Sancho und Hazard hinter Haaland wirbeln.

Überraschungskandidat Götze?

Eine ebenso unwahrscheinliche wie überraschende Option ist außerdem Mario Götze. Bei den drei letzten Bundesligaspielen, die der BVB allesamt gewann und dabei 15 (!) Tore schoss, saß Götze jeweils 90 Minuten auf der Bank.

Zuletzt nur Bankdrücker beim BVB: Mario Götze

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Sollte Haaland noch nicht bereit für einen Startelfeinsatz sein, könnte Favre eine Idee aus der Taktik-Kiste kramen, die lange nicht zu sehen war. Vor einer Viererkette und Doppelsechs würden dann vier Spieler ohne feste Position wirbeln – die DFB-Elf spielte dieses System schon häufiger, auch der BVB konnte so schon starke Leistungen abrufen. Mit Brandt, Götze, Sancho und Hazard (oder Reyna) könnte Favre die totale Flexibilität und Dribbelstärke im Angriffsdrittel aufbieten.

Gelingt in dieser Konstellation ein sauberes Passspiel, können Leverkusens körperlich starke Defensivspieler in große Schwierigkeiten gegen die quirligen Dortmunder ohne feste Positionen geraten. Greift das Leverkusener Pressing aber wie gewohnt, wird Dortmund des Öfteren mal auf lange Bälle zurückgreifen müssen – hier hätte der Mini-Sturm also das Nachsehen.

Eurosport-Check:

Favre lässt sich nicht in die Karten blicken und wirkt optimistisch. Blick man auf die Optionen, die er trotz des Ausfalls seines vielleicht wichtigsten Spielers hat, ist dies nur verständlich. Dass Favre sogar im Verlauf der Spiele noch gleich mehrere hochkarätige Optionen zum Umstellen hat, ist ein Luxusproblem, das viele Mannschaften gerne hätten.

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