Thiago-Beben erschüttert FC Bayern: Wer trotzdem davon profitiert
Publiziert 03/07/2020 um 23:31 GMT+2 Uhr
Thiago Alcántara wird den FC Bayern München noch in diesem Sommer verlassen, wie FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge in der "Bild" unmissverständlich andeutete. Der Verlust für den deutschen Rekordmeister wiegt schwer und erwischt ihn vollkommen auf dem falschen Fuß. Der Abschied des Spaniers, der 2013 vom FC Barcelona kam, eröffnet jedoch auch Chancen für andere, hungrige Spieler.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Sie haben ihm alle Wünsche erfüllt. Es schien alles fix. Und trotzdem zieht es Thiago Alcántara wohl weg vom FC Bayern München. Damit ist der Grund klar, warum der 29-jährige Spanier so lange mit seiner Unterschrift beim deutschen Rekordmeister zögerte: Am Ende seiner Karriere möchte er noch mal "etwas Neues machen", wie es FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge nannte.
Zornig klingt das nicht, aber es ist klar, dass die Bayern damit nicht unbedingt gerechnet haben. "Thiago oder nix", sagte einst Pep Guardiola, bevor er ihn 2013 vom FC Barcelona nach München holte. "Ich will Thiago in meinem Team", sagte jüngst der aktuelle Bayern-Trainer Hansi Flick, der am Freitag noch Hoffnung auf einen Einsatz von Thiago im DFB-Pokalfinale gegen Bayer 04 Leverkusen (Samstag, 20:00 Uhr im Liveticker) versprühte.
Thiago: Ausnahmekönner mit kleinem Makel
Seine fußballerischen Fähigkeiten hat Thiago oft genug unter Beweis gestellt, auf die muss einfach jeder Trainer stehen. Ballsicherheit, Dynamik, Dribbling, Übersicht, Zweikampfstärke und Kondition vereinen sich in diesem Spieler. War er fit, war er meist erste Wahl.
Andererseits gab es da auch seine Kritiker: Sie werfen ihm vor, in den ganz großen Partien, in den europäischen Schlachten, untergetaucht zu sein. Im "kicker" hieß es sogar: "Der Edeltechniker bestätigte sein Ausnahmekönnen nie konstant. Das Münchner Spiel prägte er nie so nachhaltig und konsequent, wie es bei seinen Qualitäten zu erwarten wäre." Er polarisierte.
Thiago hinterlässt eine Lücke
Die Bayern-Bosse standen eigentlich immer hinter ihm und dürften nicht begeistert sein, dass er sich nun offenbar für einen Vereinswechsel (zum FC Liverpool?) entschieden hat, denn Thiago reißt - sowohl spielerisch als auch kämpferisch - ein Loch ins zentrale Mittelfeld.
Doppelt ärgerlich: Die Corona-Krise hat auch dem FC Bayern finanziell geschadet. Es ist fraglich, ob die Ablöse, die der Verein für Thiago kassieren wird und sich im Rahmen zwischen 60 und 80 Millionen bewegen soll, direkt wieder in den Kader fließen kann und ob überhaupt ein Mittelfeldspieler dieser Klasse zu haben sein wird. Kai Havertz (Bayer Leverkusen) kann in diesem Sommer jedenfalls nicht finanziert werden.
Rummenigge schließt weitere Neuverpflichtungen nicht aus
"Unsere Mannschaft ist auch heute schon sportlich und charakterlich top. Wir müssen aber berücksichtigen, dass in der kommenden und in der darauffolgenden Saison alle Spieler durch den extrem gedrängten Spielkalender sehr stark belastet werden", betont Rummenigge bei "Sport1" und hält sich somit die Hintertür für Neuverpflichtungen offen.
Es ist aber wahrscheinlicher, dass es im zentralen Mittelfeld die Spieler richten müssen, die bereits aktuell unter Vertrag stehen. Rummenigge macht keinen Hehl daraus, dass er sich weiterhin Schwung aus dem Nachwuchsbereich wünscht: "Ich bin froh, dass wir mit Hansi Flick einen Trainer haben, der auch stark auf die Jugend setzt. Deswegen haben wir damals das große Investment in den Campus getätigt: Wir brauchen diese zweite Säule."
Nicht nur Goretzka und Kimmich könnten profitieren
Die Position von Joshua Kimmich als Mittelfeld-Leader wird durch den Weggang von Thiago jedenfalls nochmals gestärkt. Auf der Sechs ist er nun der unangefochtene Boss. Auch Leon Goretzka, der sich in diesem Jahr nicht nur physisch, sondern auch spieltaktisch stark verbessert gezeigt hat, wird aufgewertet. Eine Chance auf mehr Einsatzzeiten eröffnet sich gleichzeitig für Michael Cuisance, der zuletzt ebenfalls forsch aufspielte und damit durchaus gefiel. Selbst für Adrian Fein (zuletzt ausgeliehen an den Hamburger SV), auf den Sportvorstand Hasan Salihamidzic große Stücke hält, gestaltet sich die Perspektive ohne Thiago vor der Nase gleich etwas besser.
Eine weitere Möglichkeit wäre es, David Alaba weiter nach vorne zu ziehen. Dessen großer Traum war es schon immer, zentral zu spielen. Und in der Innenverteidigung sind die Bayern mit Lucas Hernandez, Jérôme Boateng, Niklas Süle, Benjamin Pavard und Javí Martinez schließlich ausreichend gut besetzt.
Das Thiago-Beben mag den FC Bayern also erschüttern. Zerstören wird es ihn sicher nicht.
Das könnte DIch auch interessieren: Sané ist endlich da - so verändert der neue Superstar den FC Bayern
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung