"Man gewinnt oder verliert, aber wenn man es nicht probiert, verliert man."
Dieser Satz stammt von Vahid Hashemian und zeigt: der ehemalige Bundesligastürmer ist mit sich im Reinen. Entscheidungen, die er in seiner aktiven Karriere als Fußballer traf, bereut er nicht - schon gar nicht seinen Wechsel zum FC Bayern im Jahr 2004, der alles andere als nach Plan verlief.
Die Liste gescheiterter Spieler beim deutschen Rekordmeister ist lang. Muss sie ja, schließlich handelt es sich um einen der ambitioniertesten Vereine der Welt, dessen Anspruch es ist, zu jeder Zeit eine Auswahl der besten Fußballer in seinen Reihen zu vereinen. Dass das nicht immer klappen kann, versteht sich von selbst.
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"Kein Aprilscherz, Uli Honeß hat angerufen"

Die Älteren werden sich an Namen wie Jean-Pierre Papin, Alain Sutter oder Adolfo Valencia erinnern, die etwas jüngeren Semester an Nils Petersen, Jan Schlaudraff oder Tobias Rau.
Keiner der o.g. Spieler schaffte es, länger als zwei Jahre Teil des FC Bayern zu sein, die meisten waren gar nur zwölf Monate im Klub. Genau wie Hashemian, der im Jahr 2004 vom VfL Bochum an die Isar wechselte.
"Ich hatte damals mehrere Angebote, unter anderem von Schalke und aus dem Ausland. Als aber das Angebot des FC Bayern kam, wusste ich, was zu tun ist”, erinnerte sich der mittlerweile 43-Jährige im Interview mit "Goal" Anfang diesen Jahres.
Seine Entscheidung, Ruhrpottromantik gegen süddeutsches Großstadtflair zu tauschen, war für die Verantwortlichen in Bochum unumstößlich. "Es ist kein Aprilscherz. Uli Hoeneß hat angerufen und uns mitgeteilt, dass sie Vahid verpflichten wollen", bestätigte das damalige Vorstandsmitglied Dieter Meinhold die Transfergerüchte gegenüber der "DPA" und fügte an: "Wir würden gern mit Vahid verlängern. Aber wenn Bayern München am Verhandlungstisch sitzt, wird das wohl utopisch sein."
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Vahid Hashemian: Große Ehre und schwer zu tragende Last

In München war die Vorfreude auf den "Hubschrauber", wie Hashemian einst von HSV-Trainer Frank Pagelsdorf aufgrund seiner beeindrucken Sprungkraft aus dem Stand getauft wurde, ebenso groß wie die Erwartungen, die man an ihn stellte. "Er ist ein interessanter Mann, weil er auch in einer kleineren Mannschaft viele Tore geschossen hat", beschrieb ihn etwa Ottmar Hitzfeld, der den FC Bayern bis zur Ankunft des Stürmers trainierte, ehe er von Felix Magath als Cheftrainer abgelöst wurde.
Hashemian sollte die offene Planstelle von Alexander Zickler einnehmen, der sich im Juli 2003 in einem Trainingsspiel das Schienbein gebrochen hatte und infolgedessen kein einziges Saisonspiel mehr absolvieren konnte. Hinter den gesetzten Topstürmern Roy Makaay und Claudio Pizarro sollte Hashemian wachsen und den Konkurrenzkampf im mit Nachwuchshoffnung Paolo Guerrero und Toptalent Roque Santa Cruz hochkarätig besetzten Bayern-Angriff befeuern.
Als Zeichen dafür, wie ernst es die Bayern mit dem Iraner meinten, vererbte man ihm Elbers Trikot mit der Nummer 9. Eine große Ehre, aber eben auch eine schwer zu tragende Last, die Hashemian letztlich nicht stemmen konnte.

Vahid Hashemian (l.) im Duell mit Ex-Klub VfL Bochum

Fotocredit: Imago

Hashemian: Bruchlandung beim FC Bayern

Ein Jahr nachdem er die Bochumer unter Trainer Peter Neururer mit seinen 16 Treffern auf Platz fünf in der Liga und damit in den UEFA-Cup geschossen hatte, legte der "Hubschrauber" in München eine regelrechte Bruchlandung hin, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Trotz der forschen Ansage seines Bochumer Teamkollegen und Ex-Nationalspielers Paul Freier, der auf den Wechsel Hashemians angesprochen prognostizierte: "Bei einer Spitzen-Mannschaft würde er locker 20 Tore pro Saison machen."
Nun ja, der FC Bayern ist eine Spitzenmannschaft, Hashemian traf aber lediglich einmal - und zwar beim 7:0-Auswärtssieg im DFB-Pokal-Viertelfinale in Freiburg, als er nach Einwechslung den Endstand markierte. Ansonsten sieht die Bilanz so aus: Kein Tor in 269 Bundesligaminuten, keines in 20 Minuten Champions League.
Nach nur einem Jahr reichten die Münchner den Torjäger weiter nach Hannover. Doch auch in Niedersachsen fand der Iraner seine Form aus Bochumer Zeiten nie wieder. Nach einer weiteren zweijährigen Stippvisite in Bochum (2008-2010) zog es Hashemian schließlich zurück in die iranische Heimat, wo er 2012 seine Karriere beendete.
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Hashemian sieht das Positive

Auch wenn der Wechsel zu den Bayern die Karriere des heutigen Co-Trainers der iranischen Nationalmannschaft nicht beflügelte, sondern eher das Gegenteil bewirkte, sieht der "Hubschrauber" in der Nachbetrachtung ausschließlich die positiven Dinge.
Denn wie er im Interview mit "Goal" berichtet, habe ihn die Zeit in München unter Magath zumindest fitnessmäßig auf ein neues Level gehoben: "Ich habe im Verein zwar wenig gespielt, zu dieser Zeit aber die wichtigsten Tore meiner Karriere für die iranische Nationalmannschaft geschossen. Das war kein Zufall."
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