Warum und wo der FC Bayern im Winter handeln muss

Der FC Bayern München spielt unter Hans-Dieter Flick nicht mehr so wie unter Niko Kovac - verliert aber den Anschluss zur Bundesliga-Spitze. Nach den beiden 1:2-Niederlagen gegen Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach sollten die Verantwortlichen nicht gleich in Panik verfallen - und dennoch herrscht im Winter dringender Handlungsbedarf. Sonst droht ein böses Erwachen.

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Angeschlagen sahen sie aus, die Gestalten, ihr Lächeln wirkte gequält.
Es hätte sicher bessere Termine für eine Weihnachtsfeier des FC Bayern München gegeben als Sonntagabend - nach zwei 1:2-Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach.
Neben Mannschaft und Verantwortlichen samt Familienangehörigen fanden sich in der Allianz Arena auch ein paar Bayern-Legenden und wenige geladene Gäste (u.a. Uli Hoeneß) ein, lauschten der mit Kontrabass, Ziehharmonika und Gitarre vorgebrachten musikalischen Beiträge, tauschten sich aber auch aus über die derzeit missliche Lage in der Bundesliga.

Realität und Anspruch klaffen auseinander

Die Realität heißt Platz sieben - so gar nicht der Anspruch der Münchner, wenngleich der Rückstand auf Spitzenreiter Gladbach "nur" sieben Zähler beträgt und damit geringer ist als die Hypothek zu einem ähnlichen Zeitpunkt des Vorjahres (neun Punkte auf Borussia Dortmund damals).
"Wir müssen schauen, dass wir in der Bundesliga noch neun Punkte holen – sonst schaut es schattig aus", sagte Thomas Müller entsprechend alarmiert. "Wir spielen besseren Fußball als letzten Winter, trotzdem holen wir weniger Punkte als zum Ende der letzten Vorrunde", meinte Joshua Kimmich.
Sie sind also zum Handeln gezwungen - sofort, aber auch mittelfristig in der Winterpause.

Personell herrscht Handlungsbedarf

Denn die Bayern befinden sich zwar im mittleren Jahr ihres auf drei Spielzeiten angelegen Umbruchs - so hatte es Hoeneß mal fallen lassen - und könnten auch mal eine Saison ohne Meisterschaft überleben. Die verkorkste Hinserie sollte den Verantwortlichen jedoch klar vor Augen gehalten haben, wo es personell am meisten hapert. Und wo entsprechend Handlungsbedarf herrscht.
Zum Beispiel im Trainerteam. Nicht unbedingt den Cheftrainer betreffend; hier dürfte Hans-Dieter Flick, sollten bis Weihnachten keine größeren Malheure mehr passieren, das Mandat bis Saisonende bekommen. Auch mangels kurzfristig verfügbarer Alternativen.
Neben dem eigentlich als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums angestellten Hermann Gerland - von der "Süddeutschen" jüngst zum "Weltkulturerbe" erklärt - verfügen die Münchner aktuell jedoch über keinen Flick zuarbeitenden klassischen Co-Trainer.

Bayern fehlt ein zweiter Co-Trainer

Danny Röhl kümmert sich um die Analyse, Toni Tapalovic um die Torhüter und Prof. Dr. Holger Broich um die Fitness der Spieler - alles zu Flicks Zufriedenheit, wie dieser schon vor dem Leverkusen-Spiel herausstellte. Rein personell agieren die Bayern damit aber am Limit zur Unterbesetzung.
Ein weiterer Co-Trainer kann da Abhilfe schaffen; ein taktisch gewiefter mit Bundesliga-Erfahrung sollte es aber schon sein.
Rein taktisch wurden Flick nämlich zuletzt Grenzen aufgezeigt; gegen Leverkusen fanden die Bayern lange kein Mittel gegen die schnellen Außenangreifer der Gäste, gegen Gladbach hatte man derweil auf eine taktische Umstellung von Gladbach-Trainer Marco Rose nach rund einer Stunde (4-3-3) keine Antwort.

Lewy-Backup fehlt weiterhin

Neben dem Co-Trainer fehlen den Bayern aber auch noch andere Impulse von der Bank. Wenn die Hinrunde eines verdeutlicht hat, dann die Tatsache, dass mit der aktuellen Kaderdecke vielleicht eine einigermaßen geräuschlose Rotation möglich ist - spielerische Akzente von der Bank gab es aber zu wenige.
So fehlt nach wie vor eine Mittelstürmer-Alternative zu Robert Lewandowski, die man zur Not auch reinwerfen könnte, wenn die Bayern zur Brechstange greifen müssen.
Wie zum Beispiel in der Schlussphase gegen Leverkusen. Fiete Arp hat seine Bundesligatauglichkeit jedenfalls noch nicht ansatzweise unter Beweis stellen können (auch verletzungsbedingt).

Wichtigste Personalie: Bayern braucht einen Weltklasse-Sechser

Noch dringender drückt der Schuh jedoch auf zwei Schlüsselpositionen.
So machte das Gladbach-Spiel mal wieder sehr deutlich, dass Bayern am dringendsten einen spiel- und vor allem kampfstarken Sechser benötigt, weil Kimmich eben nicht auf zwei Positionen gleichzeitig spielen kann.
Javi Martínez fehlt dazu die Finesse im Aufbauspiel, Thiago wiederum die Zweikampfhärte (und beiden auch das Tempo) - sonst kommt kein Spieler im Kader wirklich für die so wichtige zentrale Rolle vor der Abwehr in Frage.

Wie wär's mit einem Innenverteidiger?

Und bevor er Gespräche mit Flügelstürmern wie Leroy Sané oder Callum Hudson-Odoi intensiviert, sollte sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic vielleicht eher nach einem Innenverteidiger umsehen.
Da Niklas Süle (Kreuzbandriss) aller Voraussicht nach bis Saisonende ausfällt und auch Lucas Hernández aufgrund dessen jüngster Verletzungshistorie eher mit Vorsicht gesehen werden sollte, herrscht hier ebenso Bedarf - zumal Jérôme Boateng lieber heute als morgen die Bayern verlassen würde (und entsprechend auftritt).
Es gibt also einiges zu tun für die Bayern.
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