Werder Bremen: Gelingt der Anschluss im Kellerduell gegen Paderborn?

Werder Bremen schöpft trotz der jüngsten Rückschläge neue Hoffnung im Abstiegskampf. Kommt es zur erwartungsgemäßen Niederlage der Düsseldorfer gegen Borussia Dortmund, könnte der SVW mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten aus Paderborn (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker) mit der Fortuna gleichziehen. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check die Chancen der Bremer im Kellerduell.

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Nach einem zwischenzeitlichen Hoch mit zwei Siegen und einem Unentschieden setzte es für Werder zuletzt zwei Niederlagen in Folge. Gegen Paderborn müssen die Bremer nun dringend gewinnen, um realistische Chancen auf den Klassenerhalt zu behalten (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de). Aus den Spielen gegen Paderborn, Bayern, Mainz und Köln müssen wohl neun Punkte her, um die drei Punkte Rückstand auf Düsseldorf aufzuholen - die Fortuna spielt noch gegen Dortmund, Leipzig, Augsburg und Union Berlin.
Auf dem Papier ist die Ausgangslage durchaus als "machbar" einzustufen. Doch neben den üblichen Überraschungen im Saisonendspurt gibt es für Werder eine weitere Variable in der Klassenerhaltsrechnung: Werder!

Bremen auf der Suche nach der richtigen Mischung

Die Bremer können durchaus zurecht als Wundertüte der Liga bezeichnet werden. Nach der schwachen Hinrunde spielten sie im Kalenderjahr 2020 schon zehnmal zu null - allerdings nur bis zum Halbzeitpfiff. Trainer Florian Kohfeldt hat seiner Mannschaft eine defensivere Spielweise vorgegeben, die unabhängig von den verschiedenen Systemen der Bremer ist. Egal ob aus einem 4-1-4-1 oder einem 5-4-1 - Werder verzichtet weitestgehend auf hohes Pressing.
Dadurch haben sie zwar merklich an defensiver Stabilität gewonnen, auf der anderen Seite aber an offensiver Durchschlagskraft verloren. Das passivere, deutlich tiefer angelegte Defensivspiel geht ganz klar auf Kosten von Druck auf den Ball. Der Gegner wird also nur selten zu Ballverlusten gezwungen - und wenn, dann weit weg vom eigenen Tor. Für Werder werden die Wege im Umschaltspiel also weit, bis auf Milot Rashica hat man auch keinen klassischen Konterstürmer.
Viele Spiele liefen zuletzt so, dass man in der ersten Halbzeit wenig zuließ - ohne dabei selbst gefährlich zu werden. Im Verlauf der zweiten Hälfte fing sich Werder dann allerdings Gegentore durch Standards, individuelle Fehler oder schlichtweg gute Spielzüge des Gegners. Je tiefer man steht, desto häufiger kommt man nun einmal in Situationen, aus denen Standards resultieren oder der Gegner mit einem Geistesblitz in guter Schussposition ist.

Werder: Offener Schlagabtausch als Plan B

Werders Plan B mündet derzeit oft im offenen Schlagabtausch. Die Grün-Weißen haben aktuell kein gut abgesichertes, harmonisches Ballbesitzspiel, aus dem sie Torgefahr erzeugen können. Stattdessen wird die Offensive dadurch forciert, dass einfach sehr viele Spieler weit aufrücken.
Kevin Vogt, in der Regel als zentraler Innenverteidiger einer Dreierkette eingesetzt, geht in Ballbesitz mit ins Mittelfeld. Weil Werder in der Offensive keine echten Flügelspieler hat, müssen zudem beide Außenverteidiger weit vorschieben, um die Breite des Platzes zu bespielen und den Gegner auch über die Außenbahnen zu attackieren.
Die nominell auf dem Flügel aufgebotenen Spieler wie Yuya Osako, Leonardo Bittencourt, Josh Sargent, Fin Bartels oder zuletzt auch Davy Klaassen fühlen sich in zentraleren Räumen ohnehin wohler und machen die Räume auf den Flügeln frei. Werder bringt durch diese Raumaufteilung viele Spieler in den gefährlichen Bereich, ist dafür aber nicht gut gegen Konter abgesichert. Die Folge sind wilde Phasen, in denen die ganze Zeit Tore in der Luft liegen – und zwar auf beiden Seiten, da Werder im Offensivspiel zu viele Bälle verliert.
Einerseits kann die Herangehensweise mit offenem Visier gegen die gerade defensiv ersatzgeschwächten Paderborner, denen mit Sebastian Schonlau, Luca Kilian und Uwe Hünemeier drei Innenverteidiger fehlen, für viel Druck sorgen. Andererseits können die großen Räume hinter den Außenverteidiger vor allem gegen die pfeilschnellen Paderborner Flügelspieler Christopher Antwi-Adjej und Kai Pröger oder Dennis Jastrzembski zum Verhängnis werden.
Eurosport-Check: Werder taumelt durch den Bundesliga-Ring. Das Restprogramm ist schwierig - aber nicht aussichtslos. Die großen Probleme in der Balance werden so kurzfristig wohl nicht behoben werden können, das Fehlen von richtigen offensiven Flügelspielern sowieso nicht. Das Verteidigen funktioniert grundsätzlich gut - aber nur, wenn man dafür jegliche offensive Gefahr aufgibt.
Grün-weiße Durchschlagskraft gibt es aktuell nur zum Preis des offenen Schlagabtauschs. Da sie nun siegen müssen, bleibt nur der Kampf mit offenem Visier. Entweder gelingen ihnen dabei gegen Paderborn entscheidende Treffer, die sie zu weiteren Endspielen qualifizieren, oder es droht der K.o.
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