Nach der 2:4-Niederlage am vergangenen Spieltag gegen den FC Bayern München, nahmen es sich die Dortmunder zum Ziel, wieder in den zuletzt gestoppten Aufwärtstrend zurückzukehren. Beim BVB fehlten Jadon Sancho und Raphaël Guerreiro weiterhin, Thorgan Hazard und Marco Reus agierten auf den Flügeln, Erling Haaland startete im Sturmzentrum.
Die Alte Dame war nach dem Sieg des 1. FSV Mainz 05 (1:0 gegen SC Freiburg) in der Pflicht, tabellarisch trennte die Hertha vor dem Duell gegen den BVB nur ein besseres Torverhältnis von dem Relegationsplatz. Bei Borussia Dortmund kehrte Marvin Plattenhardt in die erste Elf zurück, unter anderem fehlten jedoch Matheus Cunha und Sami Khedira.
Der BVB diktierte das Spielgeschehen von Beginn an, kombinierte sehr sicher im Kurzpassspiel und drängte die Herthaner in die Defensive. Die Berliner machten allerdings auch keine Anstalten, sich dagegen zu wehren und verteidigten bewusst tief und kompakt in einer Fünferkette. Umschaltmomente waren die absolute Ausnahme.
Bundesliga
Mit Geduld und Wind: BVB nutzt den Brandt-Beschleuniger
13/03/2021 AM 22:42
Mit phasenweise über 75 Prozent Ballbesitz fanden die Dortmunder allerdings kein Mittel, um Tiefe ins eigene Spiel zu bekommen. Torjäger Haaland stand zur Halbzeit bei lediglich fünf Ballkontakten (Morey: 92) und war kein Faktor gegen mannorientiert verteidigende Herthaner. So war es ein ruhender Ball, aus dem der erste Gefahrenakzent resultierte. Reus setzte einen Freistoß aus 18 Metern halbrechter Position auf die Latte (18.).
Bis auf eine weitere sehr gute Chance von Jude Bellingham, der nach Zuspiel von Hazard von der rechten Seite aus zehn Metern zum Abschluss kam und an Rune Jarstein scheiterte (34.), hielten die Berliner die Dortmunder erfolgreich vom eigenen Tor fern.
Eigene Umschalt- und Offensivmomente blieben jedoch die Ausnahme. Auch, wenn es zumeist gefährlich wurde, wenn die Gäste nach vorne kamen. Maximilian Mittelstädt vergab in der 24. Minute die Großchance zur Führung, nachdem er nach einer Flanke von Deyovaisio Zeefuik von der rechten Seite zu überrascht war und die Kugel aus sieben Metern rechts am Tor vorbeistolperte (24.).
Nachdem es torlos in die Halbzeitpause ging, versuchten es die Dortmunder im zweiten Durchgang teilweise mit weiten Pässen hinter die Kette – jedoch mit überschaubarem Erfolg. Besser lief es in der 54. Minute nach einem Schuss aus der Distanz. Julian Brandt eröffnete einen Angriff mit einem Pass auf Reus, der den Ball im Zentrum führte und auf Brandt zurückspielte. Aus 27 Metern zentraler Position zog der Offensivmann ab – ein ungefährlicher Schuss – doch Jarstein packte daneben und besorgte so die Dortmunder Führung.

Julian Brandt jubelt - Borussia Dortmund vs. Hertha BSC

Fotocredit: Getty Images

Ein Riesenfehler, der das Spiel letztlich entschied. Denn die Berliner schafften es nicht, ihre Taktik von defensiv auf offensiv umzustellen. Dortmund blieb weiterhin die dominante Mannschaft und ließ sich auch von der verletzungsbedingten Auswechslung von Mats Hummels (58.) und Mateu Morey (71.) nicht beirren, hielt Hertha vom eigenen Tor fern und setzte selbst immer wieder gefährliche Nadelstiche. In der Schlussphase erlaubten sich die Berliner den zweiten Blackout.
Reus führte den Ball im offensiven Zentrum, passte auf die linke Seite und wurde dann von Vladimír Darida per Grätsche von hinten an der rechten Ferse getroffen. Keine Chance auf den Ball, gefährliche Attacke und folgerichtig die Rote Karte für den Berliner (80.). Reus musste den Platz in der 84. angeschlagen verlassen. Die Dortmunder bestraften die Berliner in der Nachspielzeit mit dem zweiten Gegentreffer.
Der eingewechselte Youssoufa Moukoko kam 18 Meter vor dem Berliner Gehäuse an den Ball, ließ Niklas Stark stehen, zog in den Strafraum ein und suchte aus acht Metern halblinker Position flach den Abschluss. Jarstein wurde getunnelt – der Ball war drin (90.+1).

Die Stimmen:

Edin Terzic (Trainer Borussia Dortmund): "Wir wollten immer wieder offensiv und defensiv für Wechsel sorgen. Wir konnten unsere Durchbrüche über die Außen aber nicht so gut in Tore ummünzen. Am Ende haben wir das in Klarheit durchgezogen. Es war ein verdientes 2:0."
Pál Dárdai (Trainer Hertha BSC): "Positiv ist, dass die Mannschaft nicht nervös war. In der Anfangsphase haben wir gut kombiniert, sind aus vielen Situationen gut herausgekommen - es war auch eine gute Körpersprache. In der zweiten Halbzeit war es nicht okay und da muss ich mit den Jungs reden. Vielleicht war das Training zu viel diese Woche - da müssen sie ehrlich sein."
Julian Brandt (Borussia Dortmund): "Vielleicht hat der Wind eine entscheidende Rolle gespielt. Ich bin ehrlich, ich habe mich selbst ein bisschen erschrocken, dass der Ball reingegangen ist. Die Saison ist auch für mich nicht so einfach - das Große und Ganze mit den leeren Stadien, das lässt es nicht spurlos an einem vorbeigehen. Man versucht sich da, Stück für Stück wieder herauszuholen, jedes Tor tut natürlich extrem gut."
Niklas Stark (Hertha BSC): "Natürlich müssen wir uns alle an die Nase fassen - hinten und vorne. Wir haben es ein bisschen verpasst, nach vorne die Akzente zu setzen. In der ersten Halbzeit hatten wir ein paar gute Aktionen, in der zweiten Halbzeit ist uns das schwerer gefallen. Wenn man viel verteidigt, ist es dann schwer dagegenzuhalten."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Big-City-Blues

Große Ziele, europäische Ambitionen – niederschmetternde Realität. Hertha BSC streicht in diesem Jahr die internationalen Plätze und tauscht sie ein gegen beinharten Abstiegskampf. Es schien vor einigen Spielen nur ein illusionärer Albtraum, doch spätestens nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund schrillen alle Alarmglocken. Der Big-City-Klub steckt fest im tiefen Big-City-Blues. Schaffen es die Berliner nicht, sich aus dem Abstiegskampf zu retten, droht nicht nur der Abgang aus dem deutschen Fußball-Oberhaus, sondern gleichsam das Scheitern eines gesamten, großgeredeten, millionenschweren Projektes. Denn einen Big-City-Klub in der 2. Bundesliga wird es nicht geben.

Die Statistik: 3

Die Dortmunder finden zurück in die Erfolgsspur und klopfen wieder an den Champions-League-Plätzen an. In den vergangenen fünf Bundesliga-Partien holte der BVB drei Siege, ein Unentschieden und kassierte eine Niederlage – bei einem Torverhältnis von 13:4 Toren.
Das könnte Dich auch interessieren: Löw-Nachfolge: Matthäus signalisiert Bereitschaft

Tuchel verrät: Das ist die beste Position für Havertz

Bundesliga
BVB gibt Entwarnung bei Reus und Hummels
13/03/2021 AM 20:23
Bundesliga
Hamann zerlegt Schalke: "Was sich diese Spieler erlauben ..."
13/03/2021 AM 20:23