Sechs Siege, ein Unentschieden und vier Niederlagen. Diese Bilanz in Bundesligaspielen war es, die Lucien Favre Mitte Dezember 2020 seinen Job bei Borussia Dortmund kostete.
Wenige Wochen später steht der Nachfolger des Schweizers - dessen ehemaliger Assistent - mit einer durchaus vergleichbaren Ausbeute da. Um Favre zu erreichen, fehlen dem 38-Jährigen mit seinem Team sogar noch zwei Erfolge. Derzeit steht er bei vier Siegen, einem Unentschieden und vier Niederlagen.
Drei der vergangenen vier Spiele gingen gar verloren - gegen Leverkusen, Mönchengladbach und Freiburg. Der BVB hat sich "komfortabel" auf dem sechsten Platz eingerichtet.
Bundesliga
BVB-Stars hinterfragen Trainer Terzic: Favre-Entlassung ein Fehler?
10/02/2021 AM 11:00
Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, um festzustellen, dass dies nicht der Effekt sein kann, den die Vereinsgranden beim Traineraustausch im Sinn hatten.
Kein Wunder, dass der Verein nicht zur Ruhe kommt - auf allen Ebenen.

Terzic stellt Spieler ins Achtung

Lizenzspielerchef Sebastian Kehl und Sportdirektor Michael Zorc forderten kürzlich - unabhängig voneinander - eine deutliche Steigerung des Teams. Auch Terzic selbst verschärfte den Ton merklich, nachdem man auch in Freiburg den Kürzeren gezogen hatte. Dort wo man eigentlich nie verliert.
"Wir fordern von den etablierten Spielern, sich diesen Schuh anzuziehen, die Verantwortung zu übernehmen und die Dinge wieder in die richtige Bahn zu leiten", sagte Terzic.
Er habe am Tag nach der Rückreise aus dem Breisgau Klartext gesprochen verriet er: "Ich habe alle, denen ich etwas zu sagen hatte, persönlich angesprochen. Es geht darum, gemeinsam wieder in die gleiche Richtung zu arbeiten."

Spieler diskutieren über Favre und Terzic

Und auch in der Kabine soll es immer deutlicher rumoren.
So berichtet die "Sport Bild" über Diskussionen der Spieler darüber, ob man aktuell mit Favre nicht doch besser dastehen würde als man es mit Terzic tut. Es gäbe "den ein oder anderen Zweifel an der Entscheidung", behauptet das Magazin.
In dieselbe Richtung zielt ein Bericht von "Sport1" ab, wonach sich angeblich Stimmen im Kader mehren, dass der Sauerländer Niederlagen nicht entsprechend aufarbeite und zu selten auch die Leistungsträger in die Pflicht nehme.
Demzufolge wird kritisiert, dass der Favre-Nachfolger zu sehr auf die positiven Aspekte eingehe und schlechte Leistungen nicht ausreichend beklage.

BVB-Coach Terzic im Kreis seiner Spieler

Fotocredit: Getty Images

Delaney fordert "Scheissegal-Mentalität"

Doch nicht nur der junge Trainer steht im Auge des Orkans. Aus dem Mannschaftskreis dringen in regelmäßigen Abständen auch selbstkritische Stimmen nach außen.
Zuletzt äußerte sich Thomas Delaney. Der Däne sprach konkrete Probleme der Dortmunder an und erklärte, was dem Team aktuell fehlt.
Aktuell habe man ein "Problem" mit der eigenen Ungeduld, meinte der 29-Jährige. "Es geht zu schnell, dass wir in einem Rückschlag direkt eine Katastrophe sehen. Darüber haben wir auch gesprochen, dass unsere Reaktionen im Spiel oft negativ sind", meinte er. Dann wurde er deutlicher.
"Es fehlt ein wenig die Gelassenheit und die Scheißegal-Mentalität bei einem Rückschlag, weil wir stark genug sind", sagte Delaney deshalb. Terzic nimmt er explizit aus, bei seiner Kritik. Er möge dessen Art zu kommunizieren.
Wie aber soll der Weg heraus aus der Krise gelingen? Immerhin steht viel auf dem Spiel. "Die Champions-League-Qualifikation ist das mindeste, was wir erreichen müssen", mahnte Mats Hummels zuletzt nicht ohne Grund.
Derzeit aber beträgt der Rückstand des Tabellensechsten auf den vierten Platz vier Punkte. Eintracht Frankfurt hat sich durch starke Leistungen in den vergangenen Wochen dorthin vorgeschoben.

Rückkehrer Hazard macht Hoffnung

Frische Impulse auf dem Platz könnten der Borussia neues Leben einhauchen. Thorgan Hazard kommt hier eine Schlüsselrolle zu.
Seit Dienstag ist der Außenstürmer zurück im Mannschaftstraining. Gegen Hoffenheim (Samstag ab 15:30 Uhr im Liveticker) könnte er erstmals in diesem Jahr im Kader stehen.
Die Wichtigkeit Hazards für das Offensivspiel des BVB wird oft unterschätzt. Der ehemalige Gladbacher steht oft im Schatten seiner Nebenleute Erling Haaland, Marco Reus, Jadon Sancho und Co. - sie liefern das Spektakel, Hazard die Zahlen. Und das zuverlässig.
Zehn Tore und 17 Vorlagen in 55 Pflichtspielen legte er seit seinem Wechsel nach Dortmund im Sommer 2019 auf. In der aktuellen Saison konnte er erst 623 Minuten mitwirken.
Zwei Muskelfaserrisse und eine Oberschenkelzerrung setzten den Belgier lange außer Gefecht. Der Offensive der Borussia war es anzumerken. Besonders in Spielen gegen tiefstehende Gegner fehlte das Tempo und die Stärke im Eins-gegen-eins, die der 27-Jährige verkörpert.
Vielleicht reicht es schon gegen Hoffenheim wieder für einige Minuten. Trainer Terzic würde es sicher freuen.
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