Zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren verspielt der FC Bayern in einem Bundesligaspiel einen 2:0-Führung. Damals - am 5. Februar des Jahres 2011 - hatten Christian Clemens und Milivoje Novakovic per Doppelpack noch für den Sieg des 1. FC Köln gesorgt.
Dementsprechend historisch war das, was sich an diesem Freitagabend in Mönchengladbach zutrug. Nach schneller Führung des Rekordmeisters durch Tore von Robert Lewandowski und Leon Goretzka, drehte die heimische Borussia die Partie noch und gewann mit 3:2.
"Wir müssen uns die Niederlage selbst zuschreiben", sagte Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick hinterher. Eine Analyse, mit der er durchaus richtig lag.
Bundesliga
Niederlage in Gladbach: Bayern verspielt Zwei-Tore-Führung
08/01/2021 AM 21:25
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Die Konkurrenz reibt sich die Augen

Kurze Quizfrage zu Beginn: Welche Mannschaften haben in dieser Bundesligasaison bislang mehr Tore kassiert als der FC Bayern? Kleiner Tipp: Es sind nur drei.
Die schon 24 Gegentore des Tabellenführers werden nur von Hoffenheim (26) und den Kellerkindern Mainz (31) und Schalke (38) übertroffen.
Nun gehört zur Wahrheit natürlich auch, dass auch Mönchengladbach, Freiburg, Hertha BSC und Bielefeld schon 24 Mal den Ball aus dem eigenen Netz holen mussten. Erstaunlich bleibt der Fakt aber dennoch.
"Man kann festhalten, dass wir zu viele Gegentore bekommen", brachte Leon Goretzka die auffällige Schwäche im Bayern-Spiel nach der Niederlage im Borussia-Park ohne große Worte auf den Punkt.
Wieder hatte man drei Treffer hinnehmen müssen. Bereits zum vierten Mal in dieser Spielzeit. Häufiger drei oder mehr Gegentore in einer kompletten Saison kassierte man zuletzt vor zehn Jahren, wie der Kollege Steffen Meyer von "Miasanrot" recherchierte.

Jonas Hofmann trifft gegen den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Den Bayern drückt also in der Defensive ganz gewaltig der Schuh. Acht Mal geriet man in den vergangenen Spielen in Folge in Rückstand. So oft wie nie zuvor. Bei Borussia ging man nun in Führung - und verlor trotzdem.
Weil man sich in Person von Niklas Süle (zwei Mal) und Joshua Kimmich (vor dem Ausgleich) jeweils Ballverluste in der eigenen Vorwärtsbewegung leistete, die unmittelbar zu Toren führten.
"Gladbach hat drei Fehler von uns brutal ausgenutzt. Nach den Ballverlusten haben wir in der Verteidigung einige nicht so gute Entscheidungen getroffen", analysierte Flick und nannte David Alaba als Beispiel, der vor dem ersten Gegentor "den Bruchteil einer Sekunde zu früh rausgerückt" war.
All das könne passieren, so Flick. Die schiere Menge an Fehlleistungen dürfte ihm dennoch mehr und mehr Sorgen bereiten.
"Trotz der individuellen Fehler kann man sich ja auch vorher so positionieren, dass man danach noch verteidigen kann", meinte Goretzka trocken. Sein Ansatz ist ebenso simpel wie richtig.
Der Trainer wird bereits an der Umsetzung arbeiten.

"Gladbach war brutal effizient": So analysiert Flick die Bayern-Pleite

2. Bayerns Loch auf den Außen

Serge Gnabry fehlte verletzt, Kingsley Coman war nach ausgestandener Verletzung zwar zurück im Kader, nahm aber noch auf der Bank Platz.
Und so hieß die Flügelzange des FC Bayern in Mönchengladbach fast zwangsläufig Leroy Sané und Douglas Costa. Die zwei Neuzugänge waren mit der Aufgabe betreut, über Außen für Dampf und Zug zu sorgen. Gleichzeitig sollten sie die wichtigsten Zuarbeiter für Tormaschine Robert Lewandowski in der Sturmmitte sein.
So richtig erfüllen konnten die beiden Neuzugänge diese Aufgaben aber nicht.

Leroy Sané vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Der eine, Sané, wirkte zwar über die gesamte Spielzeit hinweg sehr bemüht, aber - trotz seines Assists zu Goretzkas Treffer - eben auch glücklos und teilweise ohne Bindung zum Spiel der Kollegen. Auch mehr als ein halbes Jahr nach seiner Verpflichtung ist der Nationalspieler längst nicht angekommen im roten Starensemble.
Ebensowenig wie der andere, Costa. Dessen zweite Amtszeit in München spielt sich seit seinem Wechsel von Juventus Turin an die Isar bedenklich nahe an der Flop-Grenze ab. Der Linksfuß konnte auch in Mönchengladbach kaum eine gelungene Aktion verbuchen und steht auch nach nun 18 Pflichtspieleinsätzen bei einem Tor und drei Vorlagen.
Viel zu wenig für die hohen Ansprüche. Auch Sanés Bilanz sieht mit sechs Toren und vier Vorlagen nur unwesentlich besser aus. Bedenklicher als die blanken Zahlen ist ohnehin, dass beide bislang weit entfernt von ihrer eigenen Bestform performen.
Ein deutlicher Leistungssprung ist nötig.

3. Roses Matchplan ist beeindruckend präzise

Jonas Hofmann und Florian Neuhaus kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Wie man denn den Rückstand gegen den amtierenden Triple-Sieger noch in einen Sieg habe drehen können, wollte man am "DAZN"-Mikro wissen.
Und beide Spieler gaben zu Protokoll, dass der Matchplan des eigenen Trainers im Laufe des Spiels immer besser gegriffen habe. "Ich sollte immer wieder die Tiefe suchen, vorne reingehen", verriet Nationalspieler Hofmann, dem exakt so zwei Tore gelungen waren.
Zwei blitzgescheite Steilpässe von Kapitän Lars Stindl hatte er eiskalt im Duell mit Manuel Neuer in Tore umgemünzt. Schnelle Gegenstöße. Da hatte Marco Rose Münchens Schwäche ausgemacht.

Marco Rose freut sich über ein Tor gegen den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

"Wir wollten im 4-2-2-2 verteidigen und mit Ball Hoffi (Jonas Hofmann, Anm. der Redaktion) in die letzte Linie bringen, unterstützt von Stindl und Zakaria", lüftete der Trainer seinen Plan. Stolz sei er, wollte seinen eigenen Anteil aber nicht zu hoch bewerten. Auch weil er ihn wohl als ziemlich offensichtlich betrachtete.
Das unterstrich wenig später sogar Bayern-Coach Flick. "Wenn man unser Spiel sieht, ist es schon auffällig, wo wir Probleme haben. Das müssen wir verbessern, dass wir gegen den Ball bei Ballverlust auch die Tiefe absichern", sagte der 55-Jährige.
Das dritte Gladbacher Tor fiel aus einer Gegenpressing-Aktion heraus.
"Heute haben wir uns das Spielglück erarbeitet", schloss Rose sein Resümée sichtlich zufrieden aber mit mahnend erhobenem Zeigefinger. "Wir können das einordnen und müssen dranbleiben."
Denn auch drei Punkte gegen den FC Bayern sind eben nur drei Punkte. Und der Weg an die Tabellenspitze für den Siebten noch lang.
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