Es geht Schlag auf Schlag. Alle drei Tage veröffentlicht die Social-Media-Abteilung des BVB derzeit einen Tweet mit einem von den Fans herbeigesehnten Inhalt: Der eigenen Mannschaftsaufstellung.

Zu lesen sind dann meistens - im Vergleich zur Ausgabe davor - vier, fünf, manchmal auch sechs andere Namen. Dass die Borussia dennoch meist ansehnlich spielt und vorwiegend gewinnt, zeigt die neue Qualität des Teams.

Bundesliga
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Der Dortmunder Kader kommt im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich tiefer, ausgeglichener, fitter, ja insgesamt hochwertiger daher. "Wir können einiges erreichen mit dieser Mannschaft", sagte Sebastian Kehl erst vor wenigen Tagen nach dem dritten Champions-League-Vorrundensieg in Serie gegen Brügge.

Der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung lehnte sich damit ganz und gar nicht weit aus dem Fenster. Vielmehr sprach der designierte Nachfolger von Manager Michael Zorc das aus, was sowieso alle mindestens denken, wenn nicht sogar erwarten.

Favre warnt vor Köln, fordert aber einen Sieg

In der Bundesliga liegt Dortmund nur einen Punkt hinter Tabellenführer Bayern München, also absolut in Schlagdistanz. Der Jahresendspurt mit acht Spielen bis Weihnachten soll am Samstag (ab 15:30 Uhr im Liveticker) zuhause gegen den 1. FC Köln gestartet werden.

Ein Sieg gegen das Kellerkind ist intern fest eingeplant, auch wenn Lucien Favre fast schon traditionell vor dem Gegner warnt. Die letzten Spiele der Domstädter habe er gesehen, so der Trainer, und festgestellt: "Alle Kölner Spiele in dieser Saison waren sehr eng. Sie sind sehr schwer zu spielen."

Trotzdem ließ er sich dazu "hinreißen", einen Sieg einzufordern. Alles andere wäre ja auch etwas weltfremd gewesen. Er weiß, dass er sich derzeit auf alle Spieler in seinem Kader verlassen kann.

Und so wird der Schweizer am Samstag höchstwahrscheinlich wieder die Rotationsmaschine anwerfen und die eigene Startelf ordentlich durcheinander wirbeln.

Guerreiro fraglich, Einsatzgarantie für Haaland

"Es ist wichtig, dass wir so wenige Verletzungen haben. Rotation ist sehr wichtig", hatte Favre auf der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Spieltag erklärt. Unmittelbar nach dem Brügge-Sieg klang das noch euphorischer. "Wir haben keinen einzigen Verletzten", hatte er da gestrahlt. "Überlegen Sie mal, keinen einzigen!"

Einige Tage später muss Favre zumindest um einen Spieler bangen. "Raphael Guerreiro hat etwas gespürt hinten und wir werden sehen, ob es möglich ist, dass er dabei ist", sagte der 62-Jährige.

Beim Portugiesen, zuletzt in herausragender Form, wird man aber eher kein Risiko eingehen. Immerhin steht am kommenden Mittwoch das wichtige Königsklassen-Spiel gegen Lazio Rom auf dem Programm.

Vielleicht gönnt Favre dann sogar seinem anderen vielspielenden Außenverteidiger Thomas Meunier eine Pause. In Felix Passlack und Mateu Morey stehen die potentiellen Ersatzmänner Gewehr bei Fuß.

Jadon Sancho und Erling Haaland - BVB vs. Brügge

Fotocredit: Getty Images

Zorc lobt "bessere Balance im Team"

Ganz hinten wird wohl Emre Can zurückkehren und damit - wie gewohnt - die Formation mit Mats Hummels und Manuel Akanji in eine Dreierkette ändern. In der Spitze erhielt Dauerknipser Erling Haaland eine Einsatzgarantie.

"Er strahlt eine positive Dynamik aus. Das tut uns allen gut. Und ich halte nichts davon, eine positive Entwicklung zu bremsen“, so Zorc.

Und dahinter? Mo Dahoud, Axel Witsel und Gio Reyna dürften in die Startelf rücken.

Es ist diese neue Flexibilität und das Vertrauen in den eigenen Kader, das den BVB zu einem echten Titelanwärter in dieser außergewöhnlichen Saison macht. Im wegen der Corona-Pandemie eng zusammengeschobenen Spielkalender sind greifende Automatismen und Konstanz die wichtigsten Tugenden.

Woher kommt die neue Breite des BVB?

"Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt eine bessere Balance im Team haben als in der vorigen Saison. Zwischen Offensive und Defensive, zwischen Künstlern, Kreativen und Spielern, die ihre Hausaufgaben machen“, findet Zorc.

Der Manager begründet dies etwas verklausuliert mit "dem, was wir gemacht haben" - und meint die eigenen Transfers. Widersprechen mag man ihm nicht.

Jude Bellingham und Thomas Meunier sind absolute Stammspieler, Jungstars wie Reyna hab einen Sprung gemacht. Nun kommt auch noch Youssoufa Moukoko hinzu.

Nicht zu unterschätzen sind aber die Folgen der Corona-Pandemie. Durch die lange Pause von März bis in den Sommer, konnte die Borussia Kraft sammeln. Man war zuvor schon aus den Pokalwettbewerben ausgeschieden, musste also nach Wiederaufnahme "nur" noch die Liga zu Ende spielen.

Dann folgte eine echte Sommerpause, was Dortmund den deutschen Champions-League-Finalturnier-Teilnehmern Leipzig und Bayern nun voraus hat.

Die ausbleibenden Spielerverkäufe - im Sommer musste von den Stammspielern nur Achraf Hakimi abgegeben werden, Jadon Sancho blieb - verhalfen zu einem ausgeglicheneren, tieferen Kader.

Nun hat Favre immer öfter die Qual der Wahl.

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