Wenn die Corona-Pandemie auch nur entfernt etwas Positives mit sich bringt, dann vielleicht, dass man auf Grund der fehlenden Zuschauer genau hört, was auf dem Platz so abgeht.
Auch als TV-Zuschauer ist man plötzlich ganz nah dran. Man hört Kommandos, Ärger und Anweisungen - und natürlich den Jubel. Ganz aktuell hört man bei Spielen von Borussia Dortmund jede Menge von Mo Dahoud.
Nicht nur weil er wieder regelmäßig spielt, sondern weil sich der 25-Jährige lautstark bemerkbar macht. Als zentraler Mann im Mittelfeld des BVB löst er Pressingsituationen aus und schickt seine Kollegen auf dem Platz hin und her. Und er ist meist einer der ersten beim Feiern der eigenen Torerfolge.
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Das war in Sevilla so und auch auf Schalke. Und wer die fast kindlichen Jubelschreihe des Nationalspielers in der Dortmunder Jubeltraube ganz nah an den Außenmikrofonen hörte, der kann in etwa abschätzen, wie viel es ihm bedeutet, endlich wichtig zu sein für seine Mannschaft.

Dahoud nutzt Delaneys Fehlen aus

Das ist er im Training schon immer gewesen, betonte Edin Terzic zuletzt immer wieder gebetsmühlenartig, wann immer der Trainer nach Dahoud gefragt wurde. Und das war oft der Fall.
Immerhin stand der hochtalentierte Mittelfeldspieler zuletzt beim Heimspiel der Borussia gegen Eintracht Frankfurt am 6. Dezember vergangenen Jahres in der Startelf Dortmunds. Damals war Terzic noch Co von Lucien Favre.
Nach der Amtsübernahme des 38-Jährigen war Dahoud nach einer verbalen Auseinandersetzung sogar kurzfristig suspendiert. Er schien auf dem Abstellgleis, Abwanderungsgerüchte machten die Runde.
Vor gut einer Woche dann - beim Auswärtsspiel in Sevilla - musste Thomas Delaney wegen der Geburt seiner Tochter passen. Dahoud sprang ein und nutzte die Chance, auf die er so lange gewartet hatte.
Sein Schlenzer ins Tor der Andalusier war nur das offensichtlichste Ausrufezeichen an diesem Abend.

Mahmoud Dahoud

Fotocredit: Getty Images

Terzic lobt Dahoud in höchsten Tönen

"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht und ist ein total wichtiger Bestandteil unseres Kaders, auch wenn er zuletzt ein bisschen außen vor war. Durch das Tor sticht er heraus", schwärmte Terzic und stellte Dahoud vier Tage später im Deby gleich nochmal von Anfang an auf den Platz.
Ein echter Vertrauensbeweis und ein steiler Aufstieg innerhalb weniger Wochen.
"Ich habe eine sehr enge Beziehung zu Mo", erklärte Terzic auf der Pressekonferenz des Spiels seiner Borussia gegen Arminia Bielefeld (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker). "Ich habe oft zu ihm gesagt, er soll dafür verantwortlich sein, dass ich Kopfschmerzen habe, wenn ich über die Aufstellung nachdenke. Er musste sich oft gedulden und hat eine sehr gute Reaktion gezeigt. Das freut mich."
Dahoud habe zuletzt endlich auch im Spiel das gezeigt, was er eigentlich immer im Training so mache. Auch das stellte der Coach heraus. Es war immer die Schwäche des Nationalspielers gewesen, sein Talent dauerhaft auf der großen Bühne zu zeigen.
Oft war er nah dran an der ersten Mannschaft. Auch unter Lucien Favre. Aber immer dann, wenn der Durchbruch kurz bevor stand, fiel Dahoud in ein Leistungsloch oder verletzte sich.

BVB profitiert von Dahouds Schritt nach vorn

In Sevilla und auf Schalke zeigte, was er der Mannschaft bieten kann. Dynamisches Umschaltspiel, makellose Technik in Ballan- und mitnahme, Torgefahr und präzises taktisches Verhalten gegen den Ball, dürften dafür gesorgt haben, dass sich der 25-Jährige erstmal festgespielt hat.
Die Chancen stehen auch auf Grund der langwierigen Verletzung von Axel Witsel günstig. Auch die Vereinsbosse schieben den Spieler sanft Richtung nächstem Schritt.
"Mein Kompliment geht an Mo, der in den beiden vergangenen Spielen einen Schritt nach vorne gemacht hat", lobt Lizenzspielleiter Sebastian Kehl: "Um seine fußballerischen Fähigkeiten wissen wir schon lange, aber zuletzt hat er auch klar und erwachsen gespielt. Man spürt, wie er durch die jüngsten Einsätze aufblüht."
Er habe sich in seinem Leben viel ausgemalt, sagte Coach Terzic auf der Pressekonferenz noch. Nicht aber, dass er " der einzige Trainer in der Geschichte des BVB bin, der niemals einen Zuschauer im Stadion sieht".
Und auch Mo Dahoud würde wohl lieber heute als morgen wieder Zuschauer in den Stadien begrüßen. Auch wenn man ihn dann nicht mehr ganz so deutlich hört ...
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