Damit war jetzt nicht unbedingt zu rechnen.

Wie "Sky" mit Bezug auf eigene Quellen berichtet, soll der FC Bayern einen weiteren Anlauf bzgl. eines Transfers von Chelsea-Youngster Callum Hudson-Odoi nehmen.

Bundesliga
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16/09/2020 AM 08:24

Eigentlich galten die Verhandlungen um den mittlerweile 19-Jährigen als längst gescheitert, mit Leroy Sané verpflichteten die Münchner zudem mehr als nur eine Alternative für den offensiven Flügel.

Doch die Abschiede von Ivan Perisic, der trotz des Kaufinteresses des deutschen Rekordmeister zu Inter Mailand zurückkehrt, und Philippe Coutinho, der in München nicht wie erhofft einschlug und nun einen weiteren Versuch bei seinem angestammten Verein FC Barcelona unternimmt, befeuern nun erneut die Spekulationen um einen Transfer des englischen Nationalspielers.

Aber braucht der FC Bayern überhaupt einen weiteren Flügelstürmer und wenn ja, wäre Hudson-Odoi überhaupt daran interessiert, den Klub zu wechseln? Immerhin besitzt der Youngster bei den Blues einen langfristigen Vertrag bis 2024 - unterschrieben im September 2019.

Callum Hudson-Odoi und der FC Bayern: Die Vorgeschichte

Das öffentliche Schwärmen des FC Bayern für Hudson-Odoi befand sich im Januar 2019 auf seinem bisherigen Höhepunkt. "Hudson-Odoi hat Qualitäten, die zu unserem Spiel passen. Er ist dribbelstark, trickreich und hat einen guten Zug zum Tor", schwärmte Sportvorstand Hasan Salihamidzic gegenüber den anwesenden Journalisten im Wintertrainingslager in Doha, Katar. Überrascht hatte er Sekunden vorher mit der glasklaren Ansage: "Er ist ein sehr interessanter Spieler, den wir unbedingt verpflichten wollen."

Doch trotz aller Trommelei kam ein Wechsel des damals 18-Jährigen Wunschspielers nicht zustande. Dem Vernehmen nach lag das vor allem an der forschen Herangehensweise Salihamidzics. Nicht nur der damalige Chelsea-Trainer Maurizio Sarri, vor allem Sportdirektorin Marina Granovskaia schoben nach nach Brazzos Vorpreschen weiteren Verhandlungen pikiert einen Riegel vor.

Lampard spricht Klartext: So soll es mit Hudson-Odoi weitergehen

"Es gab Gründe, warum wir den Transfer auf diese Art und Weise realisieren wollten. Aber ich bin selbstkritisch genug, um zu gestehen, dass wir da besser hätten handeln können", gab Salihamidzic später gegenüber "The Athletic" zu.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bosnier die Personalie Hudson-Odoi längst ad acta gelegt, der deutsche Nationalspieler Sané war in den Fokus geraten - und wurde (im zweiten Anlauf) im Juni 2020 erfolgreich nach München transferiert.

FC Chelsea: Veränderte Situation für Hudson-Odoi

Als Callum Hudson-Odoi im September 2019 seine Tinte unter einen frischen Fünfjahresvertrag setzte, wird man ihm wohl kaum gesagt haben, dass man vorhabe, nicht mal ein volles Jahr später weit mehr als 100 Millionen Euro in neue Offensivspieler zu investieren. Gut möglich, dass die Verantwortlichen dies zu diesem Zeitpunkt selber noch nicht wussten. Sei’s drum - die Situation des jungen Flügelstürmers verändert der Sommer 2020 dennoch allemal.

Denn die Blues trotzten etwas überspitzt gesagt der Corona-Krise und investierten massiv in neue Spieler. Mit Timo Werner (ca. 60 Millionen Euro von RB Leipzig) und Kai Havertz (ca. 100 Millionen Euro von Bayer Leverkusen) und Hakim Ziyech (ca. 40 Millionen Euro von Ajax Amsterdam) verpflichteten die Londoner unter anderem drei Offensivspieler, welche die Konkurrenzsituation im Angriff deutlich zuspitzen.

Kennen sich aus der deutschen Nationalmannschaft und sollen nun gemeinsam den FC Chelsea zu Erfolgen führen: Kai Havertz (links) und Timo Werner

Fotocredit: Getty Images

Im ersten Ligaspiel gegen Brighton & Hove Albion (3:1) setzte Trainer Frank Lampard jedenfalls nicht auf den 19-Jährigen von Beginn an, wechselte ihn in der 80. Minute für Havertz ein.

Bedenkt man, dass mit Christian Pulisic, der im Sommer 2019 für rund 60 Millionen Euro von Borussia Dortmund an die Stamford Bridge wechselte, der Shootingstar in der Offensive der vergangenen Rückrunde aktuell verletzt fehlt, könnte es zukünftig häufiger eng werden für Hudson-Odoi. Laut "Sky" wolle sich Hudson-Odoi daher gerne ausleihen lassen, um auf genügend Einsatzzeiten zu kommen. Da käme das neu aufflammende Interesse der Bayern gerade recht. Oder?

FC Bayern: Flick pocht auf neue Spieler

Beim Triple-Sieger ist sich Trainer Hansi Flick zumindest sicher, noch weitere personelle Verstärkungen zu benötigen. Ganze zwei Wochen hatte der Rekordmeister Sommerpause nach dem Champions-League-Finale, am Freitag beginnt bereits die neue Bundesliga-Saison mit einem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) - und die dürfte von beispielloser Intensität sein.

Die Corona-Pandemie hat den Spielplan eng zusammengepfercht. Eine Winterpause ist nicht drin, denn im Sommer 2021 steht die verschobene Europameisterschaft aus dem Jahr 2020 an. Das Zauberwort der 58. Bundesligasaison heißt also Belastungssteuerung - und dafür braucht man Personal.

Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea (l.) im Duell mit Bukayo Saka vom FC Arsenal

Fotocredit: Getty Images

Laut "Sport Bild" wünscht sich Flick einen Backup für die Rechtsverteidigerposition sowie einen weiteren Flügelstürmer. Eigentlich hatte der 55-Jährige gehofft, dass Ivan Perisic seinem Team auch über die Saison hinaus erhalten bleibt, doch der Kroate muss zurück zu seinem Stammverein Inter Mailand. Da auch Philippe Coutinho nicht mehr Teil des Teams ist, hat der FC Bayern durchaus Bedarf auf den offensiven Flügeln, wo mit Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman aktuell nur drei nominelle Spieler zur Verfügung stehen.

Mittelfeld-Star Leon Goretzka stützte seinen Trainer auf einer Pressekonferenz am Dienstag: "Wir haben einen Top-Kader - aber man muss mindestens jede Position doppelt besetzt haben."

Sprich: es fehlt exakt jemand wie Hudson-Odoi.

Callum Hudson-Odoi: Bayern will Leihe mit Kaufoption

Doch ganz so einfach ist es auf dem Transfermarkt meist nicht - vor allem nicht in diesem Jahr. Der FC Bayern sei dem "Sky"-Bericht zufolge an einer Leihe mit anschließender Kaufoption interessiert, habe diesen Wunsch dem FC Chelsea aber noch nicht mitgeteilt. Kontakt soll jedoch erneut zur Spielerseite aufgenommen worden sein, heißt es weiter.

Hudson-Odoi verdient beim FC Chelsea rund 8,5 Millionen Euro im Jahr - ein stattliches Salär für einen 19-Jährigen, für die Münchner jedoch machbar.

Noch bis zum 5. Oktober hat Salihamidzic nun Zeit, dem Wunsch seines Trainers zu entsprechen und ihm weitere Spieler zu liefern.

Und in Sachen Hudson-Odoi hat der Bosnier ja durchaus noch etwas gutzumachen.

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