Eine Szene, die Bände sprach.
Daniel Sieberts Schlusspfiff war noch nicht gänzlich im leeren Rhein-Energie-Stadion verhallt, da war BVB-Stürmer Erling Haaland schon wütenden Schrittes unterwegs in Richtung Kabinentrakt.
Dass er Jorge Meré auf dem Weg dorthin noch den Trikotwunsch erfüllte, muss man dem Norweger angesichts seines miserablen Gemütszustandes fast hoch anrechnen. Wären wir in der Basketballhalle, man hätte die Textilübergabe als "No-Look-Pass" bezeichnen können, denn der 20-Jährige würdigte den Kölner keines Blickes.
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Wenige Minuten zuvor hatte Haaland dem unerklärlich willenlos auftretenden BVB zumindest noch einen Punkt bei abstiegsbedrohten Kölnern gerettet. Mit seinem 21. Saisontreffer schnürte er in der 90. Minute seinen siebten Doppelpack der laufenden Spielzeit und stellte auf 2:2.
Für die Ansprüche der Westfalen letztlich aber deutlich zu wenig.

BVB in Köln: Vielleicht ein bisschen überheblich?

"Das ist unerklärlich", konstatierte Torhüter Marwin Hitz am Spielfeldrand bei "Sky": "Man kommt rein und schießt mit der ersten Chance das 1:0. Dann kannst du aus einer guten Ausgangsposition eigentlich weiterspielen. Das haben wir sich dann aber komplett in die falsche Richtung entwickeln lassen. Es war kein guter Tag von uns."
In der Tat war es offensiv einzig Haaland sowie mit Abstrichen der eingewechselte Youssoufa Moukoko, die ihre Normalform erreichten. Der Rest fiel deutlich ab - vor allem die seit Monaten kriselnden Thomas Meunier und Julian Brandt erwischten einmal mehr einen rabenschwarzen Nachmittag und reihten Fehler an Fehler.

Thomas Meunier von Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Teilweise wirkte das Spiel der gesamten Mannschaft aufreizend lässig, fast überheblich. BVB-Coach Edin Terzic wollte dies auf Nachfrage des "Sky"-Reporters so aber nicht bestätigen: "Nein, es war einfach nicht gut. Wir können es deutlich besser und das wissen wir. Deswegen sind wir heute auch so enttäuscht."
Ein Blick auf die Tabelle dürfte diesen Gemütszustand noch verstärken.

Für Dortmund wird es immer brenzliger

Acht Spieltage vor Saisonende wird es für den BVB immer brenzliger. Der Rückstand auf das Minimalziel Platz vier, der zur Teilnahme an der kommenden Champions-League-Saison berechtigt, ist auf fünf Punkte angewachsen.
Besorgniserregend, denn das Verpassen der Königsklasse in finanziell schwierigen Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie ist ein absolutes No-Go und wäre wohl nur mit Verkäufen von Leistungsträgern zu verkraften.
Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte Jadon Sancho in der kommenden Spielzeit ein anderes Trikot tragen - und das unabhängig vom Ausgang dieser Saison. Bei Haaland, dessen Vertrag noch bis 2024 läuft, dürfte die Entscheidung über einen Verkauf jedoch deutlich enger an den Erfolg der aktuellen Runde geknüpft sein.

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Keine Champions League, kein Haaland?

Soll heißen: Spielt der BVB auch in der nächsten Saison Champions League, bleibt der Norweger über den Sommer hinaus in Dortmund. Reicht es aber nur zur Europa League oder verpasst Schwarzgelb die europäischen Wettbewerbe gänzlich, ist der Topstürmer - vor allem aus wirtschaftlicher Sicht - ab Juli nicht mehr zu halten.
Zwar greift die in Haalands Vertrag verankerte Ausstiegsklausel erst ab Sommer 2022, der BVB könnte also auf einen Verbleib des Stürmers pochen. Doch dass Haaland, der als überehrgeizig und erfolgsbesessen gilt, Lust auf ein Jahr ohne Königsklasse hätte, ist nur schwer vorstellbar. Für den BVB dürfte es ein Ding der Unmöglichkeit sein, einen abwanderungswilligen Haaland zu halten - vor allem, weil sein Verkauf eine hohe Summe in die pandemiegebeutelten Vereinskassen spülen würde.

Erling Haaland trifft gegen den 1. FC Köln

Fotocredit: Getty Images

Sei's drum. Aus Dortmunder Sicht gilt es, dieses Szenario unbedingt zu vermeiden. Haalands sportlicher Wert, abzulesen an seinen Statistiken, ist in Geld ohnehin kaum aufzuwiegen.
33 Tore in 31 Pflichtspielen erzielte der Norweger in der laufenden Spielzeit, acht weitere Treffer legte er auf. Insgesamt kommt er seit seinem Wechsel nach Dortmund auf 49 Tore und elf Assists in 49 Spielen. Natürlich ist es hypothetisch, sich auszumalen, wo die Borussia ohne ihre Lebensversicherung stünde.
Es darf aber durchaus gemutmaßt werden, dass Platz vier bereits komplett außer Reichweite wäre.
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