BVB - Felix Passlack in Dortmund: Plötzlich Perspektive

Felix Passlack galt beim BVB als Verkaufskandidat Nummer eins, spielte zum Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) aber völlig unverhofft eine Hauptrolle. Als Ersatz für den verletzten Thorgan Hazard überzeugte er auf der Linksverteidigerposition und darf sich plötzlich Hoffnungen auf eine ernsthafte Rolle im System von Lucien Favre machen. Wie konnte das passieren?

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Gerade einmal 15 Minuten war die neue Bundesligasaison alt, da saß Thorgan Hazard am Boden und hielt sich die Hinterseite seines rechten Oberschenkels. Die Blicke, die er mit Landsmann Axel Witsel austauschte, verhießen nichts Gutes. Der Belgier musste ausgewechselt werden - für ihn kam einer, auf den die meisten Experten vor der Saison nicht einen Cent gesetzt hätten: Felix Passlack.
"Es hat mich gefreut, dass er diese Minuten bekommen hat und zeigen konnte, was er drauf hat", lobte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB, am Montag gegenüber den "Ruhr Nachrichten". Insgesamt waren es 71 Minuten, in denen Passlack 9,35 Kilometer abspulte und um ein Haar sogar noch einen Treffer beigesteuert hätte.
Allein sein ehemaliger Teamkollege Matthias Ginter verhinderte dies, als er für den bereits geschlagenen Keeper Yann Sommer mit der Brust auf der Torlinie gegen einen Passlack-Schuss rettete.
Eine Entwicklung, die kaum jemand vorhersehen konnte, zählte Passlack neben Immanuel Pherai und Marius Wolf doch noch unmittelbar nach dem Sommer-Trainingslager in Bad Ragaz zu jenen drei Profis, die Borussia Dortmund noch bis Schließung des Transferfensters am 5. Oktober verlassen dürfen. Nun könnte er plötzlich und unverhofft zum Nutznießer der Personalsorgen auf der linken Verteidigerseite werden - und vielleicht sogar zu mehr.

Passlack überzeugt die Verantwortlichen

"Ich habe Felix (Passlack, Anm. d. Red.) direkt nach Spielschluss ein großes Kompliment gemacht für seine gezeigte Leistung", verriet Kehl weiter und führte aus: "Nach 20 Minuten reinzukommen in so ein Spiel, das war nicht einfach, gerade in seiner Situation. Das zeigt auch, was der Junge für einen Charakter hat."
In der Tat hatten viele das einstige Nachwuchs-Talent längst abgeschrieben. Im Jahr 2016 wurde er zusammen mit Christian Pulisic aus der U19 des BVB zu den Profis befördert. Im Gegensatz zum US-Amerikaner, der seinen steilen Aufstieg auch in der Bundesliga fortsetzte und schließlich für rund 60 Millionen Euro zum FC Chelsea transferiert wurde, stagnierte die Karriere Passlacks.
Seit August 2017 wurde er zunächst nach Hoffenheim, zu Norwich City und schließlich zu Fortuna Sittard in die Niederlande ausgeliehen. Sesshaft wurde er nicht, kehrte stattdessen ohne viel Perspektive zum BVB zurück.
Doch Passlack bewies Kämpferherz und ließ sich trotz scheinbar aussichtsloser Situation nicht hängen. Das imponierte den Verantwortlichen um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc, Berater Matthias Sammer und Kehl selbst. "Er hat sich in der Vorbereitung nie hängen lassen und Vollgas gegeben. Er hat ein großes BVB-Herz, hat ja auch in der Jugend schon einiges gewonnen. Er tut dieser Mannschaft gut", so Kehl, der den 22-Jährigen nun sogar längerfristig beim BVB sieht.
"Die Wahrscheinlichkeit, dass Felix in dieser Saison beim BVB bleibt, ist sehr, sehr hoch", so der ehemalige Kapitän der Borussia.

BVB hinten links: Guerreiro ist gesetzt, aber dann…

Bei aller Euphorie nach dem ersten Spieltag wird jedoch allen Beteiligten auch klar sein, dass Passlack jetzt nicht Spieltag für Spieltag eingewechselt wird oder gar in der Startelf steht.
Raphael Guerreiro hat den Stammplatz hinten links grundsätzlich sicher. Der Portugiese wird laut Kehl schon am kommenden Spieltag wieder ein Kandidat für die Startformation sein. "Es sieht sehr gut aus, dass Guerreiro in dieser Woche zurückkommt", so Kehl, der Passlack dennoch Hoffnungen macht: "Mit Raphael und Felix hat der Trainer auf jeden Fall zwei Optionen."
Die Herausforderung für Passlack wird sein, sich in der Spieltags-Rotation zu halten - auch dann, wenn mit Nico Schulz und Marcel Schmelzer zwei weitere Alternativen für die Linksverteidigerposition zurückkommen. Wenn er jedoch regelmäßig Leistungen wie gegen Gladbach abruft, muss er sich zumindest vor letzteren nicht verstecken.
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