"Yeeees" brüllte Erling Braut Haaland beim Schlusspfiff ebenso erleichtert wie glücklich über den Platz.
Der Superstürmer pumpte einmal kurz seine Muskeln auf und nahm dann die Glückwünsche seiner Kollegen entgegen - schließlich hatte er gerade Borussia Dortmund mit seinem Doppelpack zum Erfolg im "Endspiel" um die Champions League gegen den VfL Wolfsburg geschossen.
Am Ende hieß es 2:0 (1:0) für den BVB, der nach dem vierten Sieg in Serie plötzlich nur noch einen Punkt hinter dem Tabellenvierten Eintracht Frankfurt liegt. Auf der Tribüne reckte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke den Daumen in die Höhe.
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24/04/2021 AM 19:00
Was uns im Topspiel auffiel.

1. Dortmund hat verstanden

Vor exakt drei Wochen befand sich der BVB in einer ähnlichen Situation. Eintracht Frankfurt war zu Gast im Signal Iduna Park. Ein Must-Win-Spiel im Kampf um die Champions League, mit einem Sieg wäre der Rückstand auf Platz vier, den die Hessen damals innehatten, auf einen Punkt geschmolzen. Dortmund aber unterlag mit 1:2 - für viele der K.o. in Sachen Königsklasse.
Doch der BVB kämpfte sich in den vergangenen Wochen mit drei Siegen in Serie wieder ran und hatte so in Wolfsburg noch einmal die Chance, in den Kampf um Platz vier einzugreifen. Voraussetzung: drei Punkte - ohne Wenn und Aber.
"Es war schon eine spezielle Konstellation, weil wir zum Siegen verdammt waren”, sagte Kapitän Marco Reus nach Spielende. "Wir wussten, dass es nur noch zwei Punkte Rückstand auf Wolfsburg sind, wenn wir gewinnen."

Mo Dahoud und Erling Haaland

Fotocredit: Getty Images

Im Gegensatz zum Spiel gegen die Eintracht, als die Mannschaft gelähmt schien, spürte man in Wolfsburg keinerlei Druck, sondern ausschließlich Wille und Entschlossenheit.
"Wir waren von Beginn an bereit, über unser Limit hinauszugehen", beschrieb Reus weiter. Sein Teamkollege Jude Bellingham nahm das etwas zu wörtlich und holte sich in der 59. Minute nach einem Foul an Kevin Mbabu die Gelb-Rote Karte ab. Es war der erste Platzverweis für einen BVB-Spieler seit November 2019 - damals flog Mats Hummels beim 2:1-Sieg gegen Hertha BSC im Berliner Olympiastadion vom Platz.

Jude Bellingham flog in Wolfsburg mit Gelb-Rot vom Platz

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Dass die numerische Unterlegenheit das Dortmunder Konstrukt an diesem Nachmittag nicht ins Wanken brach, zeigt, dass der BVB mittlerweile verstanden hat.
"Es ist noch nicht vorbei", weiß Reus: "Wir haben eine gute Phase und brauchen eine Serie. Wir mussten alle sieben Spiele gewinnen und haben jetzt die letzten vier gewonnen. Es bleiben noch drei und die wollen wir natürlich auch gewinnen, weil wir uns unbedingt für die Champions League qualifizieren wollen."
Diesen Willen sieht man mittlerweile auch auf dem Platz.

Glasners Prophezeiung bewahrheitet sich

"Spiele werden immer im Strafraum entschieden", sagte VfL-Trainer Oliver Glasner vor dem so wichtigen Duell gegen den BVB bei "Sky". Es gehe darum, die Chancen, die man bekomme, "möglichst effizient zu nutzen". 90 Minuten später muss man bei den Wölfen konstatieren: Das hat mal gar nicht geklappt.
21:8 Torschüsse notierten die Statistiker zugunsten des VfL, wobei es diese Bezeichnung irreführend ist. Aufs Tor brachten die Niedersachsen schließlich nur magere zwei Bälle. Der BVB hingegen setzte vier seiner acht Versuche auf den gegnerischen Kasten - wiederum die Hälfte davon landete im Tor.
"Wir sind natürlich alle sehr enttäuscht, wir müssen uns die Niederlage ein Stück weit selbst ankreiden. In den Sphären, in denen wir spielen, wird die Luft dünn - da entscheiden Details", sagte Glasner nach der Partie und meinte damit die Chancenverwertung.
Komplett schwarzmalen wollte der Österreicher aber auch nicht: "Wir stehen mit leeren Händen da, aber es ist nicht so, dass die Welt untergeht. Es fehlen Kleinigkeiten."

Dortmund feiert den 1:0-Treffer von Erling Haaland gegen den VfL Wolfsburg

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Und auch Sportdirektor Jörg Schmadtke ist sich sicher, dass die Chancen auf die erste Champions-League-Qualifikation seit 2014/15 noch immer bestens stehen: "Wir sind zwei Punkte vorne. Und wenn ich mir das Restprogramm von uns und das vom BVB anschaue, dann wage ich zu bezweifeln, dass sie diese noch aufholen."
Terzic sieht das natürlich ganz anders: "Vor einigen Wochen sah es in der Tabelle noch ganz anders aus, jetzt haben wir uns in eine viel bessere Ausgangsposition gebracht. Aber wir dürfen nicht nachlassen. Wir müssen viel Energie aus diesen vier Siegen ziehen."
Wolfsburg bekommt es an den letzten drei Spieltagen mit Union Berlin (H), RB Leipzig (A) und Mainz 05 (H) zu tun, Dortmund spielt noch gegen RB Leipzig (H), Mainz 05 (A) und Bayer Leverkusen (H).

3. Haaland zwei, Weghorst null

Wolfsburg gegen Dortmund - das war auch das Duell Wout Weghorst gegen Erling Haaland. Der Niederländer kommt in der laufenden Spielzeit bislang 20 Saisontore und damit auf 14 Treffer mehr als der zweitbeste Wolf (Ridle Baku, sechs Treffer).
Haaland stand vor dem Anpfiff rein statistisch sogar noch ein bisschen besser dar. 23 netzte der Norweger an den ersten 30 Spieltagen. Weghorst, vierter der Torjägerliste, gegen Haaland, Platz drei, war am Samstagnachmittag in der VW-Arena aber ein ungleiches Duell.
Wolfsburg schaffte es trotz größerer Spielanteile und einer bis zum gegnerischen Strafraum ansehnlichen Spielanlage nicht, seinen Topstürmer einzubinden. Nur 25 Mal war Weghorst am Ball, gab einen einzigen Torschuss ab und gewann lediglich 16,7 Prozent seiner Zweikämpfe.
Auf der Gegenseite hatten die Dortmunder einen Haaland in Topform. Immer wieder wurde als Zielspieler mit langen Bällen gesucht, machte diese fest und verschaffte seinen Hintermännern so Zeit, nachzurücken. Zudem gewann er über 56 Prozent seiner Zweikämpfe.

Erling Haaland trifft gegen den VfL Wolfsburg

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Sein Kerngeschäft ist jedoch das Toreschießen. Nach zuletzt sieben Torabschlüssen gegen Union Berlin legte Haaland in Wolfsburg weitere fünf nach und netzte zwei Mal. In der 12. Minute ersprintete er sich einen zu kurz geratenen Rückpass von Ridle Baku und schob die Kugel anschließend aus sechs Metern halbrechter Position ins kurze Eck.
In der 68. Spielminute sorgte er mit seinem zehnten Mehrfachpack innerhalb einer Bundesligasaison (Vereinsrekord) mitten in die Drangphase der Wolfsburger hinein für die Entscheidung. Dahoud luchste Yannick Gerhardt am eigenen Strafraum den Ball ab und schickte Haaland mit einem perfekt getimten Steilpass auf die Reise. Der Norweger schüttelte während seines anschließenden 60-Meter-Sprints Maximilian Arnold und Maxence Lacroix fast mühelos ab und setzte die Kugel aus zehn Metern ins linke untere Toreck.

Erling Haaland und Marco Reus

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"Ich hab versucht, hinterher zu sprinten. Aber da hast du keine Chance, das muss man ehrlich sagen", zeigte sich Reus nach Spielende verblüfft von der hohen Endgeschwindigkeit seines Kollegen.
Trainer Edin Terzic machte ihn gar zum Matchwinner: "Wir wissen, dass Erling ein Top-Torjäger ist. Und wenn er eine Vielzahl von Chancen hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er trifft. Er hatte nicht so viele Chancen und war sehr effektiv für uns. Das war der Grund, wieso wir dieses Spiel gewinnen konnten."
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
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