BVB leiht Reinier von Real Madrid aus - das kann der Brasilianer
Der BVB leiht das brasilianische Talent Reinier Jesus Carvalho (kurz: Reinier) von Real Madrid für zwei Jahre aus und reagiert so auf die andauernden Verletzungssorgen rund um Marco Reus. Der 18-Jährige kommt als variable Option fürs Mittelfeld und kann dank seiner Größe auch als Backup in der Sturmspitze fungieren. Was Renier drauf hat und was ihn mit einem ehemaligen BVB-Torjäger verbindet.
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Borussia Dortmund und Brasilianer - das hatte durchaus mal Tradition.
Insgesamt trugen bislang zehn von ihnen das Jersey der Borussia. Mit Reinier kommt zur neuen Saison nun Brasilianer Nummer elf hinzu.
Der 18-Jährige kommt von Real Madrid und unterschrieb am Mittwoch in Dortmund einen Leihvertrag über zwei Jahre bis 2022. Ein Konstrukt, dass sich beim BVB in der jüngeren Vergangenheit bewährt hat. Achraf Hakimi spielte ebenfalls zwei Jahre auf Leihbasis beim BVB, kam 2018 ebenfalls als junger, noch nicht fertiger Spieler aus Madrid und entwickelte sich in Dortmund zu einem der besten Außenspieler der Bundesliga.
Ein Weg, den man sich nun auch von Reinier erhofft.
Amoroso und Reinier: Parallelen
In den frühen 2000er-Jahren standen teilweise vier Zuckerhutzauberer zeitgleich bei Schwarzgelb unter Vertrag. Unvergessen ist die Brasilien-Connection, die unter Trainer Matthias Sammer im Jahr 2002 die deutsche Meisterschaft gewann. Mit dabei Linksverteidiger Dede, Rechtsverteidiger Evanilson sowie die beiden Stürmer Ewerthon und Márcio Amoroso.
Mit 18 Treffern wurde Letztgenannter damals Torschützenkönig. Mit Reinier verbinden ihn gleich mehrere Parallelen. Zum einen kommen aus der Hauptstadt Brasilia, des Weiteren begannen beide ihre Karrieren bei Flamengo Rio de Janeiro, ehe sie in Fußball-Europa ihr Glück suchten. "Ein guter Junge", schwärmt der heute 46-Jährige gegenüber der "Ruhrnachrichten" nach Bekanntwerden des Wechsels von seinem Landsmann.
Für Reiner, der mit Flamengo im Jahr 2019 das Double aus brasilianischer Meisterschaft und Copa Libertadores holte, ging es im Januar 2020 für rund 30 Millionen Euro zu Real Madrid. Auf Einsatzminuten kommt er bei den Königlichen noch nicht - sicher auch ein Symptom der Corona-Krise.
Sein sportlicher Wert ist dennoch unbestritten.
BVB will Reinier Eingewöhnungszeit geben
"Er ist eine Neuneinhalb, kann auch vorne spielen, als falscher Stürmer oder auf der Seite", sagte Trainer Lucien Favre schon vor wenigen Tagen im "Kicker" über Reinier, der dank seiner Körpergröße (1,85 Meter) sicher auch für die Rolle als Backup des einzigen echten Stürmers Erling Haaland infrage kommt.
Dazu passt auch die Einschätzung von Ex-BVB-Torjäger Amoroso - er attestiert dem Talent besondere Stärke im Abschluss: "Er ist eine Nummer zehn, die gerne in den Strafraum zieht, um zum Abschluss zu kommen. Er weiß genau, wo das Tor steht."
Sportdirektor Michael Zorc sieht in Reinier einen Spieler, "der riesiges Talent mitbringt und im Offensivbereich auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist."
Seit mehr als zwei Jahren haben die Scouts der Westfalen die Entwicklung des Youngsters verfolgt und neben "großen technischen Fähigkeiten" auch "eine gute körperliche Robustheit" erkannt.
"Wir werden ihm nach langer Wettkampfpause die nötige Zeit geben, um sich an den deutschen Profifußball zu gewöhnen, dann wird er eine zusätzliche Option in der Offensive sein", wird Zorc auf der vereinseigenen Homepage zitiert.
Reinier: Reaktion Sorgenkind Reus?
Stellt sich die Frage, warum der BVB noch eine weitere Offensivoption braucht. Mit Jadon Sancho, Giovanni Reyna, Julian Brandt, Thorgan Hazard, Marco Reus sowie den jungen Talenten Immanuel Pherai und Ansgar Knauff hat der BVB doch mehr als genug Optionen für die begrenzten Plätze in der Offensive.
In der Planung der Bosse dürfte aber vor allem die Verletzungsanfälligkeit von Kapitän Reus die Entscheidung pro Reinier beeinflusst haben. Mit dem Nationalspieler kann nicht mehr für eine komplette Saison mit im Idealfall rund 50 Spielen geplant werden. Zwar kehrte Reus am Mittwoch ins Mannschaftstraining zurück, doch wie fit der 31-Jährige wirklich ist oder wieder wird, steht aktuell in den Sternen.
Reinier selber sei "glücklich, jetzt beim BVB zu sein. Der Klub ist bekannt dafür, dass er auf junge Spieler setzt und sie besser macht. Ich möchte hier viel lernen, viel spielen und dem Team helfen, erfolgreich zu sein. Ich hoffe, dass wir gemeinsam viele glückliche Momente erleben werden".
Amoroso warnt: "Brasilianer haben schnell Heimweh"
Für Amoroso hängt ein Erfolg der Leihe maßgeblich vom Zwischenmenschlichen ab: "Ich glaube, dass er erfolgreich sein kann, wenn er schnell die Sprache lernt. Außerdem muss er lernen, die deutsche Denkweise zu verstehen."
Reinier ist der aktuell einzige Brasilianer im Team der Borussia. Der portugiesischen Sprache dürften jedoch der gebürtige Franzose Raphael Guerreiro (spielt für die portugiesische Nationalmannschaft) und Axel Witsel (spielte bei Benfica Lissabon) mächtig sein. Auch auf Spanisch sollte er sich mit dem einen oder anderen Spieler verständigen können.
Beim BVB werden sie die Integrationsmaschine anwerfen und versuchen, Reinier möglichst schnell an das neue Umfeld und die neuen Kollegen zu gewöhnen. Das hat in den vergangenen Jahren meist auch exzellent funktioniert.
Amorosos Ratschläge wird man sich beim BVB dennoch sicherlich zu Herzen nehmen. Der heute 46-Jährige warnt nicht ohne Grund: "Brasilianer haben schnell Heimweh, wenn es ihnen nicht gut geht."
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