Am Dienstagabend um kurz nach neun wurde es laut in der Leverkusener Fußballarena. Vor dem Stadion knatterte in dem Moment ein offenkundig extrem getuntes Moped vorbei – und es klang, als wollte der Fahrer des dröhnenden Vehikels die vor sich hin schlummernden Dortmunder Profis wecken. Denen hatte im Duell mit dem direkten Konkurrenten Bayer 04 spätestens das Gegentor durch den jungen Franzosen Moussa Diaby nach einer Viertelstunde den Anfangsschwung geraubt.
Und nun waren sie drauf und dran, die Lust am Spiel komplett zu verlieren.
Eine gute Stunde später war der BVB nach einer intensiven, aber kurzen Drangphase Mitte der zweiten Halbzeit, Ausgleichstreffer durch den Ex-Leverkusener Julian Brandt inklusive, tatsächlich 1:2 unterlegen. Der einstige Titelaspirant kassierte zum Abschluss der Hinrunde damit bereits die sechste Niederlage. Kein Team im oberen Tabellendrittel hat bislang auch nur annähernd so oft verloren wie Dortmund. Entsprechend einsichtig erklärte Kapitän Marco Reus, das Thema Meisterschaft habe weder vor noch nach dem Spiel eine relevante Rolle gespielt.
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Mittelfeldakteur Thomas Delaney erwähnte geknickt, die erste Halbzeit sei "unter unserem Niveau" gewesen, zudem stellte der 29-jährige Däne fest: "Eine gute Halbzeit reicht in der Bundesliga nicht." Der große Realitätssinn, kein Spitzenteam mehr zu sein, war zum Abschluss der unbefriedigenden ersten Halbserie die positivste Nachricht bei den Westfalen – auf die zum Start in die Rückrunde am Freitag gleich das nächste Knackpunktspiel wartet.

BVB droht in Gladbach der nächste Rückschlag

Eine weitere Niederlage bei der Namenscousine aus Mönchengladbach, durch das 1:0 über Bremen bis auf einen Punkt an den BVB herangerückt, würde die Dortmunder aus den Champions-League-Rängen werfen – und ihr wackliges Konstrukt noch mehr ins Wanken bringen. "Wir müssen uns erst einmal stabilisieren", nannte Übungsleiter Edin Terzic, der nun den schwächsten Start eines BVB-Trainers seit Thomas Doll (2007) hingelegt hat, in Leverkusen deshalb das Gebot der Stunde.
Missfallen hatte Terzic vor allem die Phase nach dem ersten Rückstand, als das aufgemotzte Moped um die BayArena brauste. "Durch das Gegentor war ein kleiner Bruch im Spiel. Mit der Körpersprache waren wir gar nicht einverstanden. Wir hatten sofort das Gefühl, dass die Köpfe nach unten gegangen sind. Wir haben akzeptiert, was da passiert ist – und haben uns nicht dagegen gewehrt, wenn da mal etwas nicht funktioniert", kritisierte der 38-jährige Coach, der auch nach Bayers 2:1 durch Supertalent Florian Wirtz in der 80. Minute erkennen musste: "Danach ging leider nicht mehr viel."

BVB-Patzer dürften Rose zu denken geben

Mit Teilzeitarbeit wie in Leverkusen dürfte der Vizemeister der letzten zwei Jahre in der Rückrunde selbst das Minimalziel Platz vier aus den Augen verlieren. Die Königsklasse verpasst haben die Dortmunder zuletzt vor sechs Jahren. Im Wiederholungsfall könnten nun hochbegabte Spitzenkräfte wie Erling Haaland oder Jadon Sancho kaum gehalten werden. Und sollten die Gladbacher, die in der laufenden Champions-League-Runde bereits mehrfach aufhorchen ließen, am Ende tatsächlich vor den Schwarz-Gelben liegen, dürfte sich ihr vom BVB ins Visier genommener Chefcoach Marco Rose genau überlegen, ob er nicht doch besser am Niederrhein bleibt.
Aus Leverkusen verabschiedeten sich die Dortmunder erst mal mit müden Durchhalteparolen. "Die Saison dauert noch lange, vielleicht starten wir in Gladbach ja mal eine Serie", sinnierte Torschütze Brandt, der in der ersten Saisonhälfte aber zugleich eine fatale Tendenz im eigenen Team ausgemacht hat: "Es gibt bei uns zu viele Dellen, wo wir uns aus dem Spiel bringen lassen. Leverkusen zum Beispiel konnte sich jeden Pass aussuchen und genau überlegen, wohin sie ihn spielen."

Wirtz' entscheidender Griff in Borussias Selbstbedienungsladen

Den entscheidenden Griff in Borussias Selbstbedienungsladen tätigte zehn Minuten vor dem Ende der 17-jährige Wirtz. "Das war gefühlt die 15. Kontersituation in dem Spiel", erklärte Offensivkraft Reus pikiert. Trotz dieser Schwäche stand die Tür zu einem möglichen Auswärtssieg nach Brandts Ausgleich plötzlich für einige Minuten offen. "Doch das Problem ist: Wir sind nicht durchgegangen", seufzte Reus.
Denn auch das unterscheidet den BVB in diesem Jahr von den keineswegs unantastbaren, aber dennoch enteilten Bayern: Die Münchner erlebten kurz vor Weihnachten in Leverkusen einen ganz ähnlichen Spielverlauf wie nun das Ensemble von Edin Terzic – doch sie verloren am Ende nicht 1:2, sondern siegten mit 2:1.
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