Marco Reus und die Nationalmannschaft? Das war vom Start weg kompliziert. Bundestrainer Joachim Löw hatte den damals 20-Jährigen für ein Benefizspiel gegen Malta 2010 erstmals nominiert, doch Reus musste absagen. Verhärtung im rechten Oberschenkel. Sein Debüt im DFB-Trikot feierte der Offensivspieler erst anderthalb Jahre später.

Doch auch danach wurde der Hochbegabte immer wieder von Verletzungen gestoppt, Reus verpasste die WM 2014 in Brasilien (Syndesmoseriss) und die EM 2016 in Frankreich (Schambeinentzündung). Seine aktuelle Pause in der Nationalmannschaft beläuft sich auf fast elf Monate - nicht nur wegen Corona. Beim Start in die Nations League an diesem Donnerstag in Stuttgart gegen Spanien und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz fehlt der Dortmunder, weil er sich nach einer Verletzungszeit von sechseinhalb Monaten gerade erst zurückkämpft.

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Es erstaunt schon sehr, dass Reus trotz der vielen Rückschläge so gut wie nie den Kopf hängen lässt. Auch die vielen vergebenen Titelchancen oder wenig schmeichelhafte Spitznamen ("der Gläserne") lassen ihn nicht aufgeben.

Immer wieder schuftet er wie besessen für sein Comeback. Der Lohn: Reus nimmt nach überstandener Sehnenentzündung im Adduktorenbereich wieder am Mannschaftstraining des BVB teil, selbst ein Einsatz beim Pflichtspielstart am 14. September im DFB-Pokal beim MSV Duisburg ist nicht ausgeschlossen.

Medien über Reus: "Das Drama des hochbegabten Fußballkindes"

"Wenn es so weitergeht, ist alles eine Option", sagt Reus. Er will sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen lassen, wichtig sei für ihn vor allem das Gefühl, wieder dabei zu sein. "Wenn man als Fußballer so lange raus war, fiebert man diesem Training schon entgegen", sagt der 31-Jährige: "Ich freue mich, dass es langsam bergauf geht und ich auf dem Platz wieder Gas geben kann." BVB-Manager Michael Zorc ist beeindruckt, Reus sehe im Training "richtig kernig" aus und versprühe "eine sehr positive Ausstrahlung".

Das freut auch Löw. Trotz der zahlreichen Verletzungen hat der Bundestrainer immer an Reus festgehalten und ihn nicht wie zum Beispiel Thomas Müller, der sogar vier Monate jünger ist, dem Umbruch "geopfert". Doch klar ist auch: Sollte in Reus' Abwesenheit das Ausnahmetalent Kai Havertz (21) wie erhofft auch in der Nationalmannschaft durchstarten, wird es für den BVB-Kapitän schwer.

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Man habe mittlerweile einen "sehr breiten Kader", sagte Ersatzkapitän Toni Kroos. Die Qualität von Reus sei zwar unbestritten, "aber die Frage ist immer: Wie ist er körperlich beisammen?"

Der "WDR" listete kürzlich auf: Bereits 20-mal fiel Reus seit 2010 für zehn oder mehr Tage aus, 126 Pflichtspiele hat er dadurch verpasst. Seit seinem Wechsel 2012 von Borussia Mönchengladbach zum BVB hat er nur etwas mehr als 50 Prozent der möglichen Einsatzzeit auf dem Rasen verbracht. Oder, wie die "FAZ" einmal schrieb: "Das Drama des hochbegabten Fußballkindes."

(SID)

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