Es war eine Nachricht, die nicht unbedingt einschlug, wie die sprichwörtliche "Bombe". Dafür hatte sie sich in den vergangenen Wochen und Tagen zu sehr angedeutet.
Als dann (ausgerechnet) am Nachmittag des Rosenmontags feststand, dass Marco Rose sich dazu entschieden hatte, seinen Klub Borussia Mönchengladbach im Sommer zu verlassen und zur anderen Borussia nach Dortmund wechseln zu wollen, war dies nur das Ende einer öffentlichen DIskussion.
Der umworbene "Fohlen"-Trainer - einer der begehrtesten der Szene - macht also von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch. Fünf Millionen Euro wechseln den Besitzer und der BVB hat seinen Wunschtrainer.
Bundesliga
Rose verlässt Gladbach im Sommer - BVB-Wechsel perfekt
15/02/2021 AM 13:56
So könnte man die Vorgänge nüchtern betrachten.

Die Zukunft von Gladbach-Trainer Marco Rose ist noch offen

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BVB und Mönchengladbach reagieren mit knappen Statements

"Sollten die in seinem Vertrag festgelegten Bedingungen fristgerecht erfüllt werden, wird er uns also nach dem Saisonende nicht mehr zur Verfügung stehen", so Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.
Bis dahin werde man aber "mit Marco gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, um unsere Ziele in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League zu erreichen". auch das klang relativ abgeklärt.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ließ sich lediglich dazu hinreissen zuzugeben, dass man sich sehr auf Rose freue.
Mit allem anderen will man sich aber Zeit lassen. "Mehr gibt es momentan nicht zu sagen, das tun wir, wenn Marco Rose hier seinen Job antritt", betonte Watzke: "Das gebietet der Respekt vor allen Beteiligten."

BVB: Intern laufen die Planungen rund um Rose

Extern ist die Ansage Watzkes durchaus glaubwürdig. Intern aber, wird man sich ganz sicher ab sofort mit den Planungen und allen Auswirkungen der neuen Trainer-Verpflichtung auseinandersetzen. Es wäre ja auch schlimm, wenn man dies nicht tun würde.
Denn Rose kann für die Borussia nur ein erster Baustein hin zu einer besseren Zukunft sein. Es wäre töricht davon auszugehen, dass ein frischer Coach alle Probleme des aktuellen Tabellensechsten der Bundesliga auf einen Schlag löst.
Da gehört dann schon mehr dazu, auch wenn Rekordnationalspieler Lothar Matthäus die Verpflichtung energisch lobt.
"Für Dortmund ist das in meinen Augen eine sehr gute Lösung, denn Rose ist ein Top-Trainer. Watzke und Zorc bekommen ihren Wunsch-Trainer und ich glaube auch, dass Marco Rose der anderen Borussia seine Handschrift und damit einen attraktiven und erfolgreichen Fußball verpassen wird", schrieb der 59-Jährige in seiner Sky-Kolumne.

Im Sommer könnten es beim BVB zu einigen Spielerverkäufen kommen.

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BVB: Schwere Personalentscheidungen stehen an

Die von Matthäus angesprochene Handschrift wird Rose ganz sicher mitbringen. Ob sie auch sofort zu sehen sein wird, hängt auch damit zusammen, wie der BVB seinen Kader im Sommer umstrukturiert.
Der kraftraubende, schnelle Fußball aus der RB-Schule kommt nicht allen Spielern des aktuellen Teams zwingend zu Gute. Der ohnehin angedachte Umbruch wird nun höchstwahrscheinlich noch ausschweifender ausfallen.
Ein neuer Torhüter, ein Innenverteidiger und Roses Vorzeigespieler Florian Neuhaus aus Mönchengladbach stehen mindestens mal auf der Einkaufsliste. Auch wenn Eberl das zuletzt dementierte.
Zudem dürften sich neue Baustellen ergeben, wenn die Zukunft von Spieler wie Jadon Sancho (England-Rückkehr?), Julian Brandt (Neubeginn bei anderem Verein?) oder Erling Haaland (Mond-Angebot von Weltklub?) geklärt ist.
Und was passiert mit dem zuletzt in die Kritik geratenen Kapitän Marco Reus, Nico Schulz, Mo Dahoud oder dem ausgeliehenen Reinier? Der Kader ist in den vergangenen Monaten derart in Schieflage geraten, dass er einer Generalüberholung unterzogen werden müsste.
Rose braucht also Zeit. Da passt der vom "Kicker" kolportierte Dreijahresvertrag, den er in Dortmund unterschreibt. Der Verein braucht aber auch die Geduld, ihm diese zuzugestehen. EIn unmittelbarerer Angriff auf den Titel mit dem Rose-Effekt scheint derzeit unrealistisch.

Was passiert mit Terzic?

Und auch neben dem Platz - in der Außendarstellung - muss in Dortmund wieder Ruhe in die Abläufe kommen.
Spätestens seit dem Beginn der Negativspirale, die Mitte Dezember des vergangenen Jahres schließlich Lucien Favre seinen Job kostete, gibt der BVB öffentlich kein besonders harmonisches Bild ab.
Nun ist mit Edin Terzic ein unerfahrener Trainer am Ruder, der obendrein keine Zukunft auf der Position des Cheftrainers hat. Die Bosse hätten den 38-Jährigen gern über den Sommer im Verein. Es wäre fair, dies möglichst bald zu klären.
Auch damit Terzic mit der Mannschaft die so dringende Aufholjagd auf Rang vier zu einem glücklichen Ende bringen kann. Ein Verpassen der Champions League würde Roses Start deutlich verkomplizieren.
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