Bei der Torwartfrage hält es Edin Terzic wie sein Vorgänger Lucien Favre: Ein klares Bekenntnis zu einem seiner beiden Schweizer Schlussmänner ist dem 38-Jährigen nicht zu entlocken.
Genau wie auf jeder anderen Position, gönnt sich Terzic auch zwischen den Pfosten den Luxus, von Spiel zu Spiel zu entscheiden, wem er das Vertrauen schenkt.
Seit nunmehr acht Pflichtspielen in Folge ist Marwin Hitz der Glückliche.
Bundesliga
BVB sucht neuen Keeper: Auch Bayern hängt mit drin
30/04/2021 AM 15:23
Und aktuell gibt es auch keine Anhaltspunkte, dass sich daran vor dem Spitzenspiel am kommenden Samstag beim FC Bayern (ab 18:30 Uhr im Liveticker) etwas ändern wird.

Hitz stabilisiert den BVB

Nicht erst durch seine starke Vorstellung im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Borussia Mönchengladbach (1:0) festigte Hitz, der Ende Januar von einer Schulterverletzung der eigentlichen Nummer Eins Roman Bürki profitierte, seinen Platz im BVB-Tor. In den vergangenen Wochen zeigte er einige gute Auftritte, auch wenn er hier und da auch Patzer einstreute.
Beim 1:2 in Freiburg etwa, als er einen Schuss aus 16 Metern von Jonathan Schmid im kurzen Eck durch die Finger gleiten ließ - oder beim 2:2 gegen die TSG 1899 Hoffenheim, als er eine Flanke von Sebastian Rudy anstatt aus dem Strafraum an den Kopf von Ihlas Bebou faustete, und so ein Gegentor verschuldete.

Marwin Hitz gegen Ilhas Bebou - Borussia Dortmund gegen TSG Hoffenheim

Fotocredit: Getty Images

Der Gesamteindruck zählt jedoch - und der ist bei Hitz positiv. Der gebürtige St. Gallener stabilisiert die Borussia, die in den vergangenen drei Pflichtspielen jeweils zu Null spielen konnte. Das unterstreichen auch Terzics Worte nach dem Halbfinaleinzug im DFB-Pokal am Dienstag.
Angesprochen auf die klare Leistungssteigerung nach dem vierten Pflichtspielsieg in Serie, hob er Hitz gegenüber "Sky" explizit heraus: "Die Energie war schon lange da, nur die Ergebnisse nicht. Es lag an Kleinigkeiten, die gegen uns liefen: Da sind Distanzschüsse ins Tor gegangen, die heute nicht reingingen - heute hält Marwin diesen einen Distanzschuss."

Hitz vs. Bürki: Wer ist der bessere Fußballer?

Durch die Siege würde die Borussia "jetzt auch selbstbewusster" auftreten und "Rückschläge besser verarbeiten", so Terzic weiter.
In der Torwartfrage, da bleibt sich der Trainer treu, will er sich dennoch - zumindest nicht öffentlichkeitswirksam - festlegen: "Dazu werde ich mich nicht äußern. Ich bin einfach glücklich, dass Marwin uns so im Spiel halten konnte."

Marwin Hitz

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Vor allem in der 59. Minute zeigte der ehemalige Augsburger seine ganze Klasse, als er einen Strahl aus 17 Metern von Ramy Bensebaini mit einer Hand im kurzen Eck parierte.
"Diese Szene war herausragend", bemerkte auch Terzic in der "ARD", "genauso wichtig wie der Save war aber die Szene, in der er mit einem Kontakt sofort auf die Sechs spielt, weil wir den Mut haben wollten, das Spiel zu beschleunigen."
Hitz, das zeigte er bei allen seinen bisherigen Profistationen, war schon immer ein "guter Fußballer" - vielleicht sogar ein besserer als Bürki!?

Der BVB und die leidige Torwartdebatte

Die Torwartdebatte beim BVB schwelt jedenfalls nicht erst seit der Schulterverletzung der langjährigen Nummer Eins. Schon in der Hinrunde ließ Favre den 30-Jährigen beim Auswärtsspiel in Sinsheim (1:0) überraschend auf der Bank, obwohl dieser nach einem eingefangenen Infekt wieder fit war.
Öffentlich vermied der Trainer in der Folge mehrfach ein klares Bekenntnis zu Bürki - "alle haben Konkurrenz" oder "wir werden sehen" waren immer wiederkehrende Satzfragmente, wenn dem verschlossenen Coach die T-Frage gestellt wurde.

Roman Bürki

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Sportdirektor Michael Zorc sah sich schließlich gezwungen, das medial hochgekochte Thema mit einem Machtwort zu beenden. "Für mich ist die Sache klar. Roman war die letzten Jahre die Nummer eins. Es gibt aus meiner Sicht nicht viel Grund dazu, das zu ändern", sagte der Manager, nachdem Bürki gerade sein Comeback nach vier verpassten Pflichtspielen in Folge im Revierderby gegen Schalke 04 (3:0) gegeben hatte.
Doch am Ende blieb vor allem hängen, dass Favre nie vollends überzeugt von Bürki war.

Bürki droht Abschied durch die Hintertür

Ähnlich scheint es sich auch aktuell zu verhalten. Bürki ist nach seiner Schulterverletzung wieder fit, seinen Stammplatz im Tor hat er trotzdem verloren.
Hitz' Leistungen erfordern eben keinen Handlungsbedarf von Seiten Terzic' - und eine klare Torwart-Hierarchie, die Hitz automatisch wieder ins zweite Glied verfrachten würde, gibt es beim BVB schlicht nicht.

Roman Bürki wird dem BVB längere Zeit fehlen

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Vielmehr ist es ein offener Zweikampf zweier ebenbürtiger Keeper, den Hitz für den Moment für sich entschieden hat.
Das Problem: Auf der Position des Torhüters wird nicht so regelmäßig gewechselt wie beispielsweise im Mittelfeldzentrum - ein Comeback Bürkis zwischen die Pfosten noch in der laufenden Saison wird daher mit jedem weiteren verpassten Spiel unwahrscheinlicher.
Um es klar auszudrücken: Bürki droht am Saisonende der Abschied durch die Hintertür. Denn die Ansprüche des Schweizers sind zu hoch, um sich dauerhaft als Nummer Zwei auf die Bank zu setzen.
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