2021 sollte beim FC Schalke 04 alles anders werden - doch es ging genauso weiter, wie 2020 aufgehört hatte.
Mit dem 0:3 (0:1) bei Hertha BSC feierte Christian Gross in Berlin jedenfalls keinen guten Einstieg als Schalke-Trainer. Gerade mal eine halbe Halbzeit hielt Königsblau mit, ehe das System wieder auseinanderflog. Die Konsequenz: Zum 30. Mal in Folge blieb Schalke sieglos in der Liga.
"Uns fehlt die Qualität, die Energie, die Spielfreude. Sobald wir in Rückstand geraten, kommen wir da gefühlt nicht mehr raus und ergeben uns ein bisschen", monierte Alessandro Schöpf.
Bundesliga
"Nicht wettbewerbsfähig": Schalke setzt Horror-Serie bei Gross-Debüt fort
02/01/2021 AM 19:22
Was uns auffiel.

1. Nur sehr kleine Schritte unter Gross

Christian Gross bevorzugte in Spiel eins als Schalke-Trainer sein fast schon obligatorisches flaches 4-4-2 gegen den Ball. Mit zwei Viererketten sollte es den Schalkern prinzipiell einfacher fallen, die Abstände kleinzuhalten.
In Berlin war die Gegnerorientierung der Königsblauen in der Tat besser, das Anlaufen funktionierte flüssiger – jedoch nicht das Stellen und auch nicht die Erfolgsquote in Eins-gegen-Eins-Situationen, die zu oft an die Hausherren gingen. Sobald die Hertha außerdem mal schnell spielte, traten bei Schalke die gewohnten Bruchstellen auf – zu sehen unter anderem bei Lukébakios Großchance (22.).
Es dauerte so auch nur knapp 21 Minuten, bis die Hertha Schalke decodiert hatte; immer wieder verschleppte der BSC geschickt auf der rechten Seite das Tempo, um dann mit einem schnellen Seitenwechsel die rechte Flanke der oft extrem einrückenden Schalker aufzureißen.

Schalke verliert auch bei Hertha BSC

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Zwischen der 22. und 36. Minute erhöhten die Berliner so peu à peu den Druck und kamen zu sieben Torabschlüssen – der letzte saß (Guendouzi, 36.). Zum Vergleich: Davor und danach feuerten die Herthaner in der ersten Hälfte jeweils nur einmal aufs Schalker Tor. Mit dem 2:0 durch Jhon Córdoba (52.) war die Messe dann auch schon gelesen. Das 3:0 (Piatek, 80.) fiel fast schon folgerichtig.
"Die ersten 20, 30 Minuten waren okay, das zweite Gegentor hat uns das Genick gebrochen. Wir müssen effizienter vor dem Tor werden. Ich hoffe sehr, dass wir den ein oder anderen Spieler verpflichten, der schon eine Persönlichkeit hat", so Gross vielsagend nach der Partie.

2. Schalker Offenbarungseid

Gross führt als Feuerwehrmann im Prinzip einen Zwei-Fronten-Krieg, in dem er den Schalkern hinten das Verteidigen und vorne das Toreschießen beibringen soll – und das am besten gestern. "Wir müssen in erster Linie als Einheit auftreten und nicht die Schuld beim anderen suchen. Ich appelliere an den Ehrgeiz jedes einzelnen", sagte der Schweizer vor der Partie bei "Sky".
Selbstbewusst fügte er hinzu: "Ich weiß, was es braucht." In erster Linie, so sah man den Schalker an, will es der 66-Jährige offenbar nicht überkompliziert. Es sollen die einfachen Dinge sein, die den S04-Profis Sicherheit geben sollen. Struktur, Muster, Wiederholungen. Dementsprechend leicht ist Schalke so aber auch auszurechnen.

Auch unter Christian Gross kann Schalke nicht gewinnen

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Von der Gross'schen Aufbruchstimmung war in Berlin jedenfalls nur 20 Minuten etwas zu spüren. In der Anfangsphase hielt Schalke mit, war optisch sogar überlegen – spielte sich aber keine gefährliche Torchance heraus. Sinnbildlich dafür: Der erst 19 Jahre alte Matthew Hoppe gewann als Stürmer kaum mal einen Offensivzweikampf und schoss nur einmal aufs Tor. Mark Uth fehlte derweil sichtlich die Spielpraxis.
Durch den achten 0:1-Rückstand in Serie war das Schalker Prinzip vom "keep it simple" jedenfalls schnell konterkariert, weil es keine Lösungen nach vorne anbot. "Ich glaube an die Qualität der Spieler", hatte Gross vor dem Spiel übrigens auch noch gesagt. Objektiv betrachtet ist das jedoch nach dem 30. Bundesliga-Spiel ohne Sieg ziemlich fragwürdig. "Die zweite Halbzeit ist dann auch einfach nicht wettbewerbsfähig", sagte Uth bei "Sky".

3. Cunha rehabilitiert sich

Nach dem 1:4 gegen Freiburg zum Jahresende 2020 hatte Hertha-Trainer Bruno Labbadia seinen brasilianischen Angreifer Matheus Cunha hart kritisiert. "Unterirdisch", habe der Ex-Leipziger gespielt "Er zieht sich selbst runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter", schimpfte Labbadia.
Eine Botschaft, die Cunha überraschte - der 21-Jährige zog aber (wohl) die richtigen Schlüsse draus und rehabilitierte sich gegen Schalke. Auf der linken Angriffsseite hinter Mittelstürmer Córdoba aufgeboten, war Cunha in der ersten Halbzeit das Schwungrad, das Hertha Leben einhauchte.
So lief fast jeder vielversprechende Hertha-Angriff im ersten Durchgang über ihn. Zunächst bereitete der Brasilianer die Großchance von Dodi Lukébakio (22.) mustergültig vor. Später beschwor er mit einer Einzelaktion das 1:0 herauf: Sein abgeblockter Schuss nach entschlossenem Dribbling ins Zentrum fiel dem Torschützen Guendouzi vor die Füße.

Matheus Cunha von Hertha BSC im Spiel gegen den FC Schalke 04

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In der zweiten Halbzeit baute Cunha dann zwar ab und blieb letztlich auch ohne Scorerpunkt. Als Berliner "Man of the Match" ist daher unbedingt der zweifache Assistgeber Vladimir Darida zu nennen. Was Labbadia aber bei Cunha besonders gefallen haben dürfte: Der Brasilianer spielte zu jeder Zeit seriös, vermied alberne Ballverluste und arbeitete alles in allem auch solide gegen den Ball.
Ergo: Wären Zuschauer zugelassen gewesen, hätte es zu seiner Auswechslung (82.) bestimmt warmen Applaus von den Rängen gegeben.
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