Zum wiederholten Male rennt der FC Bayern München in dieser Spielzeit einem Rückstand hinterher. Gegen äußerst effektive Bielefelder tat sich der Tabellenführer lange Zeit sehr schwer.
Neben einer schwachen Defensive mit Bouna Sarr fehlte den Münchnern in der Offensive ein Thomas Müller. David Alaba und Corentin Tolisso harmonierten lange Zeit nicht. Drei Dinge, die uns auffielen.

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Reisestrapazen, schlechte Wetterbedingungen und Rotation - der Ligaalltag begann äußerst ungemütlich für den FC Bayern. Im ersten Durchgang agierte der Tabellenführer viel zu behäbig, vor allem in der Defensive stimmte vieles nicht. Mangelnde Raumaufteilung führte dazu, dass die Gäste aus Bielefeld mit relativ einfachen Mitteln zu drei Treffern kamen. Der Schnee und die daraus resultierenden schlechten Platzverhältnisse waren das eine, doch den Bayern fehlte es zu Beginn an mentaler Frische.
In der Offensive fehlte Einpeitscher Thomas Müller, das Pressing mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich im Mittelfeld wirkt viel aggressiver. David Alaba und Corentin Tolisso teilten sich das Zentrum auf, doch beide agierten im ersten Durchgang zu ähnlich. "Wenn man so viele Ausfälle beklagen muss, dann kommt jeder Kader an seine Grenzen. Natürlich hakt es in der Offensive, aber solche Situationen sind im Saisonverlauf normal", beschwichtigte Flick.
Erst nach dem 0:2 legten die Bayern einen Zahn zu und zeigten dann in der zweiten Halbzeit, warum sie die erfolgreichste Mannschaft auf diesem Planeten sind. Tolisso agierte offensiver, das Team bewies Mentalität und drückte Bielefeld tief in die eigene Hälfte. Auch nach dem 1:3 glaubten die Bayern an ihre Stärken. Über links war Alphonso Davies kaum noch zu halten. Der Kanadier gehörte zu den auffälligsten Akteuren beim Meister. Mit 35,64 km/h war Davies mal wieder der schnellste Mann auf dem Platz, zudem waren seine 23 gewonnenen Zweikämpfe Spitzenwert in diesem Montagabendspiel. Hinzu kam sein Treffer zum 3:3, bei dem er absoluten Willen zeigte.

Corentin Tolisso

Fotocredit: Getty Images

Auf der Gegenseite zeigte Leroy Sané, weshalb die Bayern für ihn tief in die Tasche gegriffen haben. Der Rechtsaußen drehte im zweiten Durchgang mächtig auf und war an allen drei Treffern direkt beteiligt. Pech hatte Sané mit seinem Pfostentreffer (48.). Sanés Leistungssteigerung in den zweiten 45 Minuten hing unweigerlich auch mit der Hereinnahme von Kimmich zusammen. Der Allrounder kam nach 58 Minuten für Sarr und kurbelte die rechte Seite mächtig an. Kimmich brauchte keine Anlaufzeit. "Wir mussten einige Spieler ersetzen, aber die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit wieder viel Mentalität gezeigt und noch das 3:3 geschossen. Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein", bilanzierte Flick.

2. Hut ab, Arminia!

Einem 1:5 zu Hause gegen Frankfurt folgte ein schwaches 1:3 in Köln, danach gab es zwei Wochen Pause, der Trainingsbetrieb war aufgrund des starken Schneefalls stark beeinträchtigt - keine Frage, es hätte bessere Zeitpunkte für Arminia Bielefeld gegeben, um nach München zu reisen.
Doch mit einer couragierten Leistung, einer perfekten Chancenverwertung und neuentdeckten Stärken nach Standards standen die Ostwestfalen hauchdünn vor einer Überraschung sowie einer Neuauflage des "Weltpokalsiegerbesiegers".

Bielefeld holt gegen Bayern München einen Punkt

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Die Bielefelder erreichten mit 125,3 gelaufenen Kilometern ihren absoluten Spitzenwert in dieser Saison. Vor der Partie bei Bayern hatte die Arminia lediglich drei Treffer nach Standardsituationen erzielt - allein in München war der Aufsteiger zwei Mal nach solchen erfolgreich. Mit dieser starken Leistung gab Bielefeld ein Lebenszeichen im Kampf gegen den Abstieg. Natürlich spielten die Platzverhältnisse im ersten Durchgang den Gästen in die Karten, was auch Kapitän Fabian Klos bestätigte: "Als der Schnee weg war, wurde es schwieriger für uns." Im zweiten Durchgang merkte man den Kräfteverschleiß, dennoch kämpften die Arminen bis zum Schlusspfiff um diesen Punkt, den alle Beteiligten im Nachhinein als Erfolg verbuchten. Diese Leistung muss der Aufsteiger nun in den kommenden Wochen bestätigen, das ist Spieler und Funktionären bewusst. "An dieser Leistung müssen wir uns messen lassen", so Klos.

3. Bouna Sarr nicht bayerntauglich

Nach der Klub-WM war Bouna Sarr einer derjenigen, die in die Mannschaft rotierten. Der Neuzugang von Olympique Marseille ersetzte Benjamin Pavard auf der rechten Seite. Sarr blieb einmal mehr den Beweis schuldig, warum der Rekordmeister acht Millionen Euro nach Südfrankreich überwies.
In der Offensive war der Franzose viel zu unauffällig, war zu selten am Ball und konnte Vordermann Leroy Sané selten unterstützen. Auch aus diesem Grund waren Angriffe des frischgebackenen Klubweltmeisters lange Zeit sehr linkslastig. Dies änderte sich erst mit der Hereinnahme von Joshua Kimmich nach 57 Minuten.
Doch ein Rechtsverteidiger wird auch an den Aktionen in der Defensive gemessen - auch hier fällt die Bewertung nicht sonderlich gut aus. Beim überraschenden 0:1 fiel Sarr durch Misskommunikation mit Niklas Süle und einem falschen Stellungsspiel auf. Der Franzose deckte die Außenseite zu, wodurch Torschütze Michel Vlap innen den freien Platz hatte, um Manuel Neuer zu überwinden.

Bouna Sarr - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Auch beim dritten Gegentreffer war Sarr nicht ganz unbeteiligt. Der 29-Jährige konnte Andreas Voglsammer an dessen Hereingabe nicht hindern, Bielefeld stellte postwendend den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her. Nach dem 2:3 durch Corentin Tolisso musste Sarr Platz machen für Kimmich, der das Offensivspiel über die rechte Seite belebte. Trotz einer Zweikampfquote von 67 Prozent konnte Sarr auch in diesem Spiel nicht zeigen, dass Flick auf ihn gegen Gegner der oberen Klasse setzen kann.
In dieser Form ist der Rechtsverteidiger nicht bayerntauglich. Sein letzter Ligaeinsatz datierte vom 7. November 2020. Nach dem heutigen Auftritt dürften in nächster Zeit wenige weitere dazukommen. Dazu passt das Gerücht, dass Bayern bereits einen Ersatz für Sarr im Auge hat: Max Aarons (21) soll von Zweitligist Norwich City kommen.
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