Es ist völlig klar, dass man sich eine solche Entscheidung in der Führungsetage bei Borussia Dortmund nicht leicht gemacht hat. "Es fällt uns schwer, diesen Schritt zu gehen", wird Michael Zorc auf der vereinseigenen Homepage bezüglich der Entlassung von Cheftrainer Lucien Favre zitiert.
"Gleichwohl sind wir der Meinung, dass das Erreichen unserer Saisonziele aufgrund der zuletzt negativen Entwicklung in der gegenwärtigen Konstellation stark gefährdet ist und wir deshalb handeln müssen", so der BVB-Sportdirektor weiter.
Auch Favre selbst äußerte sich am Abend gegenüber der "dpa": "Ich finde es sehr schade, dass sich unsere Wege hier trennen", sagte der 63-Jährige spürbar enttäuscht.
Bundesliga
BVB entlässt Favre: So reagiert der Schweizer
13/12/2020 AM 22:13
"Wir hatten zwei sehr erfolgreiche Jahre und haben eine Mannschaft, die auch in diesem Jahr am Ende eine erfolgreiche Saison gespielt hätte. Davon bin ich nach wie vor überzeugt", so Favre weiter.

Terzic beerbt Favre: Eine Entscheidung nicht ohne Risiko

Kompliziert macht die Entscheidung in erster Linie der Zeitpunkt ihrer Verkündung - mitten in der Saison, im coronabedingten Terminstress dreier Wettbewerbe. Hinzu kommt: Einen gleichwertigen Ersatzmann gibt es auf die Schnelle nicht.
Kurzerhand übernimmt deswegen der bisherige Co-Trainer Edin Terzic bis zum Saisonende. Erfahrung als Chefcoach hat er keine, unter Slaven Bilic war er zwischen 2013 und 2017 Co-Trainer bei Besiktas Istanbul und West Ham United.

BVB, Terzic, Favre

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Dem auf Profiniveau unerfahrenen 38-Jährigen traut man in der aktuellen Phase dennoch zu, den Klub wieder auf Kurs zu bringen - zumindest eher, als man es dem erfahrenen Fachmann Favre zutraut.
Eine Entscheidung, die natürlich nicht frei von Risiko ist. Das Umfeld erwartet nun eine Reaktion in den verbleibenden Spielen vor der kurzen Weihnachtspause. Der Druck ist für Terzic, der vom bisherigen U17-Trainer Sebastian Geppert und Top-Talente-Coach Otto Addo unterstützt wird, schon jetzt spürbar.

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BVB setzt das richtige Zeichen

Doch genau dieses Risiko sind die Verantwortlichen in Dortmund bereit einzugehen - und damit setzen sie das richtige Zeichen. Dass die Reißleine schon jetzt, nach gerade einmal elf Bundesliga-Spieltagen, gezogen wird, ist das richtige Zeichen. Trotz der zuletzt enttäuschenden Resultate inklusive dreier Bundesliga-Heimniederlagen in Serie glaubt man noch an die Wende und möchte die Saison noch lange nicht abschenken.
Warum auch? Schließlich ist Bayer Leverkusen an der Tabellenspitze gerade einmal sechs Punkte enteilt - der FC Bayern und RB Leipzig gar nur deren fünf. In der Champions League steht die Borussia als Gruppenerster im Achtelfinale, im DFB-Pokal kann zwei Tage vor Heiligabend gegen Eintracht Braunschweig die dritte Runde klargemacht werden.

Lucien Favre

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Sportlich ist die Borussia noch im Soll. Der Abwärtstrend der vergangenen Wochen ist jedoch nicht zu verkennen und erforderte konsequentes Handeln. Die schnelle Einigkeit bei der Trainer-Frage zeigt: Dortmund bleibt entschlossen, lässt nichts unversucht und hatte sich womöglich sowieso schon darauf geeinigt, den auslaufenden Vertrag des Schweizers (30. Juni 2021) nach der Saison nicht zu verlängern.
Die Verantwortlichen haben jetzt - sicher etwas überraschend - frühzeitig Konsequenzen gezogen und damit einen wichtigen Impuls an die Spieler gesendet. Damit dürfte jetzt klar sein: Ausreden gibt es in den drei Spielen bis zur Winterpause gegen Werder Bremen, Union Berlin und Eintracht Braunschweig (DFB Pokal) keine mehr.
Und danach auch nicht.
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