Seit dem angekündigten Abschied von Bundestrainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft, die - Stand jetzt - im kommenden Sommer stattfindet, brodelt die Gerüchteküche auf Hochtouren.
Wer wird Nachfolger des Weltmeister-Coaches von 2014? Wer beerbt den weltweit am längsten im Amt befindlichen Nationaltrainer?
Und obwohl die Nachricht vom Löw'schen Rückzug noch ganz frisch ist und die Erben-Diskussion am Anfang steht, kristallisieren sich drei Favoriten heraus.
Bundesliga
Bayern-Star Hernández: Wie kompliziert ist die Lage wirklich?
10/03/2021 AM 12:36
Es sind die Namen Jürgen Klopp, Ralf Rangnick und Hans-Dieter Flick, die immer und immer wieder genannt werden.

Klopp winkt glaubhaft ab, Rangnick hat Lust

Klopp allerdings versicherte bereits höflich, bestimmt und glaubhaft, dass er im Sommer nicht zur Verfügung stehe. Er könne ja nicht, weil er eben einen Job habe, sagte der Coach des FC Liverpool zu "Sky" und führte weiter aus:
"Ich habe noch drei Jahre Vertrag in Liverpool. Das ist ganz einfach. Man unterschreibt Verträge und versucht, sich daran zu halten." Außerdem würde er gern "erstmal eine Pause machen", wann immer seine Zeit in Nord-England endet - was angesichts der aktuellen Krise seines Teams in der Premier League auch früher als zu Vertragsende 2024 geschehen könnte.
Wie auch immer: Das Timing rund um die Personalie Klopp scheint nicht ganz günstig zu sein.
Ralf Rangnick hingegen scheint angetan zu sein von der Idee, der neue "Bundes-Jogi" zu werden.

Jürgen Klopp

Fotocredit: Getty Images

"Das ist eine Stelle, die niemanden als Trainer in Deutschland kalt lässt. Ich würde abheben und mir das anhören", sagt der 62-Jährige bei "Sky". Grundsätzlich könne er sich "alles vorstellen" und sei momentan "frei", schob er vielsagend nach.
Allerdings gilt das Verhältnis des ehemaligen Trainers von Hoffenheim und Leipzig zu Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff als vorbelastet. Eine Zusammenarbeit der beiden Alphatiere ist nicht unmöglich, könnte aber kompliziert werden.
Auch wenn Rangnick Süßholz raspelt: "Es wäre hilfreich jemanden zu haben, der die Gepflogenheiten schon kennt", sagte er. Beim DFB werde sowieso "in sehr vielen Bereichen in die richtige Richtung gearbeitet und gedacht".
Ob das reicht, um den Job an Land zu ziehen? Mal sehen.

2011 gewann Ralf Rangnick mit Schalke den DFB-Pokal

Fotocredit: SID

Bundestrainer: Flick in der Pole-Position

In der besten Ausgangsposition für den Job scheint ohnehin nicht Rangnick sondern vielmehr Flick zu stehen. Und das, obwohl der als Trainer des FC Bayern derzeit beim amtierenden Klub-Weltmeister unter Vertrag steht.
Wie passt das zusammen?
Flick werde "innerhalb des DFB unglaublich geschätzt und hat hier schon seine Kompetenzen bewiesen", sagte Bierhoff schon vor einigen Wochen in einem Interview mit der "SportBild".
Für die Entscheidungsträger beim Verband wäre eine Rückkehr Flicks reizvoll, weil dieser quasi schon zum Inner Circle gehört. Der 56-Jährige war acht Jahre lang Löws Co-Trainer, später Sportdirektor beim DFB.
Und trotzdem hält man sich von Verbandsseite mit öffentlichen Interessensbekundungen vornehm zurück. Man will die Beziehungen zum FC Bayern nicht gefährden. Der Rekordmeister ist der wichtigste Klub in Deutschland. Traditionell kommen auch die meisten Nationalspieler von dort.
Die gute Zusammenarbeit soll nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Matthäus und Hoeneß äußern sich zu den Gerüchten

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus fasst die Situation wie folgt zusammen: "Als DFB würde ich es mir nicht mit dem FC Bayern verderben wollen. Deswegen glaube ich da persönlich nicht dran." Er sei "überzeugt, dass Flick Trainer beim FC Bayern bleibt, weil man da keine Rivalität reinbringen möchte".
Eine Sichtweise, die durchaus nachvollziehbar ist. Weniger klar in seinen Ausführungen zum Thema blieb Uli Hoeneß.
"Ich glaube nicht, dass es jetzt der Zeitpunkt ist, solche Dinge zu kommentieren", kommentierte Bayerns Ehren-Präsident die aktuellen Vorgänge bei "RTL" eher ausweichend. Intern habe man "darüber überhaupt nicht gesprochen. Es gibt nichts Neues".

Hans-Dieter Flick (l.) und Joachim Löw nach dem WM-Titel 2014

Fotocredit: Getty Images

Macht Flick den ersten Schritt?

Es scheint sich also herauszukristallisieren, dass der erste Schritt weder vom DFB, noch vom FC Bayern sondern vielmehr von Flick selbst kommen müsste.
Und dafür gibt es auf den zweiten Blick durchaus einige Gründe.
Zwar hat Flick seit seinem Amtsantritt bei den Münchnern im November 2019 eine fast beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt - der einzige Wettbewerb, aus dem er seither ausschied, ist die aktuell laufende Ausgabe des DFB-Pokals.
Doch damit hat der Coach seine eigene Bayern-Story in kurzer Zeit auch mehr oder weniger auserzählt. Was soll noch kommen?
Flick ist an der Säbener Straße in kürzester Zeit von Kovacs Co-Trainer zur Sextuple-Legende geworden. Ein selbstgewählter Rückzug mit Einverständnis des Vereins im Sommer würde ihm erlauben, diesen Status zu halten.

Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick (l.) und Hasan Salihamidzic (r.)

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Es gäbe keine Krise, keinen Rauswurf, kein Theater. Flicks Ruf bliebe auf Vereinsebene unbeschädigt - auch für die Zeit nach einem eventuellen DFB-Engagement stünden ihm international die großen Türen offen.
Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt wäre auch die Auflösung eines Bayern-Machtkampfs. Flick wünscht sich seit Monaten mehr Mitspracherecht in Sachen Kaderzusammenstellung. Diese fällt beim Rekordmeister aber in den Tätigkeitsbereich von Sportvorstand Hasan Salihamidzic.
Nicht selten liegen die zwei bei wichtigen, perspektivischen Entscheidungen über Kreuz. Ein Abgang Flicks würde hier den Druck lösen.

Die Aussichten beim DFB sind durchaus rosig

Hinzu kommt, dass der Bundestrainer-Job gerade in der aktuellen Phase äußerst reizvoll daherkommt. Nach dem EM-Turnier stehen in kurzer Abfolge die Winter-WM in Katar gut eineinhalb Jahre später und mit gleichem zeitlichen Abstand die Heim-EM 2024 auf dem Programm.
Flick könnte mit einer qualitativ hochwertigen und auch auf lange Sicht hochtalentierten Mannschaft arbeiten. Den Großteil der Leistungs- und Hoffnungsträger für den DFB hat er beim FCB selbst entwickelt.
Joshua Kimmich, Leon Goratzka, Leroy Sané, Serge Gnabry aber auch Thomas Müller, Manuel Neuer und Jamal Musiala - sie alle vertrauen und schätzen Flick.
Es liegt also am Trainer selbst, welchen Weg er einschlagen möchte. Intern - so ist zu hören - schaut sich Salihamidzic schon nach Nachfolgekandidaten um. Ganz oben auf der Liste steht Julian Nagelsmann.
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