Während Hasan Salihamidzic fast über die gesamte zweite Halbzeit hinweg wie ein Rohrspatz schimpfte, saß Hansi Flick fast starr vor Schreck auf der Trainerbank.
Eigentlich war am Samstagnachmittag für den FC Bayern alles angerichtet für den 31. Meistertitel. Dem Triple-Sieger genügte am 31. Bundesliga-Spieltag ein Dreier beim Lieblingsgegner FSV Mainz 05 (acht Sieg in der Fremde in Serie), um zum sage und schreibe neunten Mal in Folge die Schale in den Himmel zu strecken.
Allerdings erfuhr die Flick-Elf schmerzlich am eigenen Leib erfahren, dass eine Leistung mit angezogener Handbremse gegen das Team der Stunde in der Bundesliga (sieben Partien in Folge ohne Niederlage) eben nicht reicht, um den Meistertitel mehr oder weniger im Vorbeigehen einzufahren.
Bundesliga
Meisterfeier vertagt: Mainz verdirbt desolaten Bayern die Party
24/04/2021 AM 15:25
"So kannst du dieses Spiel natürlich nicht angehen und gewinnen. Wir haben uns zu wenige Möglichkeiten rausgespielt und wurden bei unseren Fehlern bestraft", konstatierte ein sichtlich frustrierter Manuel Neuer nach der 1:2-Pleite am "Sky"-Mikrofon.

Neuer: "Unsere Körpersprache war einfach schlecht"

Ausgerechnet der ansonsten so zuverlässige Rückhalt des FC Bayern leitete die Niederlage mit seinem Patzer in der dritten Minute ein, als er den zentralen Abschluss von Jonathan Burkardt unglücklich ins eigene Tor lenkte.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld nickte Robin Quaison nach etwas mehr als einer halben Stunde entschlossen zum 2:0 ein (37.), womit der FC Bayern angesichts zweier Pfostentreffer der Hausherren noch gut bedient war.
"Unsere Ballan- und -mitnahme waren immer eine halbe Sekunde langsamer als auf anderem Geläuf. Das macht dir dann die Räume zu. Und Mainz hat es leidenschaftlich wegverteidigt. Wir haben es probiert, aber am Ende nicht verdient, einen Punkt mitzunehmen", gestand Thomas Müller. Etwas deutlicher wurde dagegen Kapitän Neuer: "Unsere Körpersprache war zu wenig."

Leon Goretzka, Thomas Müller und Jérôme Boateng (von links) - FC Bayern

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Mainz kauft Bayern den Schneid ab

In der Tat war speziell in Durchgang eins nichts zu sehen von der viel zitierten "Mia-san-mia-Mentalität", jene bayerische Selbstverständlichkeit, die der FCB in den vergangenen Jahren fast perfektionierte.
"In der ersten Halbzeit waren wir nicht so auf dem Platz, wie wir uns das vorgestellt haben, das war kein gutes Spiel. In Halbzeit zwei sind wir besser reingekommen. Wir müssen das Spiel einfach abhaken, die Mannschaft hat viele Minuten in den Beinen", analysierte Flick den blutleeren Auftritt seiner Schützlinge.
Ein Blick auf den Statistikbogen bekräftigt Flicks Aussagen. Die aufopferungsvoll kämpfenden Mainzer gewannen im ersten Durchgang bärenstarke 67 Prozent der Zweikämpfe und kauften den Münchnern damit den Schneid ab. Und auch in den zweiten 45 Minuten ließen die Rheinhessen dank konzentrierter Defensivarbeit nur wenig zu. Bayern brachte es insgesamt gerade einmal auf sechs Schüsse aufs Tor.

Mainz kämpft - Bayern mit "Champagner-Glas" im Anschlag

"Wir hatten den unbedingten Willen, uns hier in die Geschichtsbücher zu schreiben", sagte 05-Sportdirektor Martin Schmidt bei "Sky". In die gleiche Kerbe schlug auch Coach Bo Svensson, unter dessen Leitung sich die Mainzer zunehmend vom Abstiegskandidaten (Platz 17 in der Hinrunde) zu einem Spitzenteam (Platz vier in der Rückrundentabelle) entwickeln:
"Unsere erste Halbzeit war sehr, sehr gut, nicht nur wegen der Torchancen. Wir wissen alle, was Bayern vorne an Qualität hat. Bis auf eine Großchance, die wir zugelassen haben, war das sehr gut. In der zweiten Halbzeit wussten wir, dass wir kämpfen müssen und haben auch da nicht viel zugelassen. Die Art und Weise über die 90 Minuten war sehr beeindruckend."
Kurzum strahlten die Mainzer jenen Kampfgeist aus, den man im Vorfeld aufgrund der Tabellenkonstellation auch von der Flick-Elf erwarten konnte - doch falsch gedacht. "Die Bayern spielen, als hätten sie bereits das Champagner-Glas in der Hand", brachte es "Sky"-Kommentator Wolff-Christoph Fuß auf den Punkt.

Jamal Musiala (FC Bayern) wird von Phillipp Mwene und Robin Quaison gestoppt

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Neuer: "Niederlage trifft uns schwer"

Einziger Lichtblick aus Sicht der Gäste blieb somit der späte Anschlusstreffer von Rückkehrer Robert Lewandowski (90.+4). Dem amtierenden Weltfußballer fehlen zum "ewigen" Torrekord (40 Treffer) von Bayern-Ikone Gerd Müller bei drei ausbleibenden Spielen nur noch vier Treffer.
Trotzdem darf bei aller Kritik selbstverständlich nicht vergessen werden, dass der amtierende Titelträger bei einem erneuten Ausrutscher von RB Leipzig am Sonntag gegen den VfB Stuttgart (15:30 Uhr im Liveticker) mit einem Tag Verspätung auf dem Sofa deutscher Meister werden könnte.
Ein schwacher Trost, wie Neuer nach einem insgesamt gebrauchten Nachmittag gestand: "Ich hätte es lieber selbst klargemacht. Die Niederlage trifft uns schwer nach den letzten Wochen."
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