Die Stimmung rund um Lucas Hernández scheint sich mehr und mehr aufzuhellen.
Während seines ziemlich holprigen Starts beim FC Bayern wurde der französische Weltmeister in der Saison 2019/20 an der Isar schnell sogar als Fehleinkauf bezeichnet.
Nach nun eineinhalb Jahren beim deutschen Rekordmeister ist der Verteidiger zwar immernoch nicht unumstritten, kommt aber besser in Schwung. Langsam aber sicher sieht auch er persönlich die eigene Situation klarer.
Bundesliga
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Nun will er den nächsten Schritt machen - eine Schritt in eine vielversprechende Zukunft.

Flick und Hernández schätzen sich gegenseitig

In einem Interview mit "L'Équipe" hat der 25-Jährige nun über seine Erfahrungen und Hoffnungen bei Bayern gesprochen.
"Es stimmt, dass ich Phasen hatte, in denen ich weniger gespielt habe und Phasen, in denen ich mehr gespielt habe. Aber er hat mir immer vertraut", sprach Hernández sehr respektvoll über Hans-Dieter Flick, "in seinen Ansprachen hat er immer gesagt, dass er sich auf mich verlässt."
Flick war ohnehin immer ehrlich mit dem Franzosen umgegangen. Nach schlechten Spielen nahm er ihn im Training zur Seite und erklärte ihm, woran er arbeiten müsse und warum in den kommenden Spielen etwas weniger Einsatzzeit abfallen würde. Nach guten Partien - wie zuletzt in Bremen - war aber auch hier und dort ein Sonderlob drin.
"Der Lucas ist ein absoluter Profi, er hat eine wahnsinnige Mentalität. Natürlich sind wir der FC Bayern München. Und wir haben auf den Positionen auch viele Top-Spieler. Aber trotzdem ist er einer, der in jedem Training absolut fokussiert ist und mit seiner Art auch die Mannschaft immer mitnimmt. Es ist einfach klasse, so einen Spieler zu haben", hatte Flick gesagt.
Hernández gab die Blumen nun gern zurück.

Bayern-Coach Flick mit Hernández und Kimmich

Fotocredit: Imago

Unverständnis über Bankrolle

"Es ist immer schmeichelhaft, wenn ein Trainer so von einem spricht. Er weiß: egal ob ich 10, 30 oder 90 Minuten spiele - ich werde immer alles geben. Und das gefällt ihm", sagte der französische Nationalspieler.
Gleichzeitig gab er aber auch zu, manchmal "nicht verstanden" zu haben, wenn er auf der Bank Platz nehmen musste, obwohl Flick doch so viel von ihm hielt.
All das gehörte zum schweren Anpassungsprozess, den der teuerste Spieler der Bundesligageschichte in München durchlief.

Hernández hatte einen schweren Start bei Bayern

Als er 2019 nach München kam, hatte er noch mit den Folgen einer schweren Innenbandverletzung zu kämpfen.
Bereits im Oktober 2019 folgte die nächste schwere Verletzung: Wegen eines Innenbandrisses am Sprunggelenk konnte er dreieinhalb Monate nicht am Spielbetrieb teilnehmen.
Wenn er dann mal spielte, wurde der 25-Jährige auf der Taktiktafel wild hin- und hergeschoben. Mal Linksvertediger, mal Innenverteidiger - das trug nicht zur Stabilisierung bei. Automatismen und blindes Verständnis mit den Nebenleuten konnten so nicht entstehen.
Trotzdem ließ sich Hernández nie hängen, zog im Training mit und geniest auch wegen seines positiven Gemüts in der Mannschaft einen tadellosen Ruf.

Lucas Hernández vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Hernández will mehr: "Ich habe nie gezweifelt"

"Nein, ich habe nie gezweifelt. Ich wusste, dass ich bereit bin", sagte er "L'Équipe". Und weiter:
"Ich habe nie bereut, hier unterschrieben zu haben. Als ich kam, wollte ich mich ein wenig herausfordern: bei einem Klub dieser Dimension, mit diesen Zielen, anzuheuern – das ist nicht einfach. Jetzt liegt es an mir zu zeigen, dass ich mich durchsetzen kann."
Überhaupt, setze ihm die Sache mit der großen Konkurrenzsituation nicht zu. In David Alaba, Niklas Süle, Benjamin Pavard in der Mitte und Alphonso Davies auf der linken Seite tummeln sich im Bayern-Kader jede Menge natürliche Konkurrenten des Franzosen.
"Es ist schwierig, denn die Konkurrenz ist sehr groß. Aber gleichzeitig ist es positiv, dass ein Klub dieser Größenordnung einen solchen Kader hat. Ich bin da, um zu kämpfen und dem Trainer zu zeigen, dass ich meinen Platz verdiene", sagt der Weltmeister kämpferisch.
Die Sache mit der Innenverteidigung sei eine Idee gewesen, "die der Verein im Kopf hatte. Im Augenblick ist das kompliziert, weil die Stammspieler dort ein sehr hohes Niveau haben. Auch aus meiner Sicht ist das meine natürliche Position, dort wo ich bei Atlético Madrid großgeworden bin. Aber aktuell fühle ich mich links genauso wohl wie im Zentrum".
Und schon bald könnte sich seine Lage deutlich verbessern - spätestens in der kommenden Spielzeit.

Hernández als Duo mit Upamecano?

Der Abgang von Alaba ist sicher, der Verbleib von Boateng aufgrund des auslaufenden Vertrages mehr als fraglich.
Selbst Süle, dessen Vertrag bis Sommer 2022 läuft, ist in München nicht mehr unantastbar. Auch der Nationalspieler könnte unter Umständen gehen.
In Dayot Upamecano von RB Leipzig hat der FC Bayern für die kommende Saison zwar einen Top-Spieler für die Innenverteidigung verpflichtet. Hernández, der noch bis Sommer 2024 in München unter Vertrag steht, könnte sich aber als Nebenmann empfehlen.
"Ich bin nach meinen Verletzungen wieder bei 100% und der Coach weiß das", meint Hernández kurz und bündig, der noch gar nicht allzu viele Gedanken an entfernte Spielzeiten verschwenden will.
Zuvor hat er noch ganz andere, große Aufgaben vor der Brust.

Lucas Hernández mit dem Champions-League-Pokal

Fotocredit: Getty Images

Hernández hat große Ziele

"Ich will eine starke Saison spielen und sie bei der EM krönen, das ist mein Ziel", sagt der 25-Jährige und schiebt noch den Wunsch nach dem erneuten Triumph in der Champions League nach.
"Ja, das ist das, was wir wollen. Und wir werden kämpfen, um diesen Titel am 29. Mai zu verteidigen. Alle sind dazu entschlossen."
Im vergangenen Jahr gehörte er zur Bayern-Mannschaft, die durch das einzigartige Finalturnier in Lissabon pflügte und das Triple gewann. Ein Höhepunkt seiner Karriere. Allerdings mit Schönheitsfehler.

"Sagen wir so: Einen solchen Titel in einem leeren Stadion zu gewinnen, das ist anders. Die Fans haben uns gefehlt. Man gewöhnt sich manchmal an die Leere, die Echos der Stimmen - aber es zieht sich jetzt schon langsam etwas. Ich liebe es, in vollen Stadien zu spielen, die Rufe und Gesänge zu hören. Das fehlt mir."
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