„Auf dem Zahnfleisch gehen“ – selten wurde diese Floskel im Zusammenhang mit dem FC Bayern wohl so oft verwendet wie in den vergangenen Wochen: 21 Spiele in drei Monaten, fast ausschließlich englische Wochen. Hinzu kommen noch die Länderspiele für die Nationalspieler.
Und dabei ging ja auch erst Ende August die Saison 2019/2020 zu Ende. So eine hohe Belastung bringt auch die fittesten Stars an ihre Grenzen. So verwundert es auch nicht, dass Bayern-Trainer Hansi Flick nach dem knappen 2:1 (1:1)-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg sagte: "Wir haben gewonnen, das ist das Entscheidende."
Um im Anschluss die Moral der Mannschaft hervorzuheben: "Wir haben gefightet. Wir haben kurz vor der Pause das 1:1 erzielt, was sehr wichtig und auch ein Signal an die Mannschaft war. Wir haben uns dagegengestemmt, wir wollten, das hat man gemerkt. Wir wollten heute unbedingt einen Sieg gegen Wolfsburg, weil es ein gutes Zeichen ist."
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Kämpfen und siegen, um ein Zeichen zu setzen. Nicht nur an Wolfsburg, sondern vor allem an den kommenden Gegner. Denn am Samstag geht es für die Bayern zum bisher ungeschlagenen Tabellenführer Bayer Leverkusen.

Im letzten Spiel in 2020 kommt es zum Kracher gegen Bayer Leverkusen

Auch da wird es wie schon gegen Wolfsburg vor allem auf Manuel Neuer im Tor und Robert Lewandowski im Sturm ankommen. Oder wie sie der Wolfsburger Maximilian Philipp nannte: "Den besten Torwart der Welt und den besten Spieler der Welt".
Lewandowski drehte mit seinen Saisontreffern 14 und 15 die Partie und Neuer hielt den Sieg mit Glanzparaden fest. Nach dem Spiel sagte der Pole: "Die letzte Zeit ist nicht einfach für uns, aber wir wussten, dass es nach der kurzen Vorbereitung schwer wird für uns. Wir müssen das einfach schaffen und jetzt haben wir nur noch ein Spiel."
Nur noch ein Spiel in 2020. Es gibt also tatsächlich Licht am Ende des Belastungstunnels. Denn das Pokalspiel gegen Holstein Kiel wurde auf den 13. Januar verlegt und so haben die Bayern nur noch ein Spiel bis zur Winterpause.
Und wie es der Zufall so will, wartet da nochmal ein echter Kracher auf den Rekordmeister. Ein Punkt Rückstand haben die Bayern vor dem Duell in Leverkusen. Bedeutet: Sie können mit einem Sieg nicht nur erneut einem bisher starken Bundesliga-Klub die erste Saisonniederlage zufügen, sondern vor allem die Tabellenspitze zurückerobern.

Lewandowski: "Müssen gegen Leverkusen bereit sein"

Und was würde dieses glorreiche Bayern-Jahr 2020, in dem die Münchner zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Triple holten sowie den UEFA-Supercup holten, besser abrunden, als es dort zu beenden, wo der Klub dem eigenen Verständnis sowieso hingehört: Auf Platz eins.
Dementsprechend blickte Hansi Flick schon am Mittwochabend direkt auf Samstag. "Wir wollen natürlich in Leverkusen ein tolles und wirklich sehr erfolgreiches 2020 möglichst mit einem Dreier abschließen", so der 55-Jährige.
Lewandowski gab ebenfalls bereits die Marschrichtung für das Top-Spiel in der BayArena vor und forderte von seinen Kollegen für Samstag noch einmal volle Konzentration: "Wir müssen gegen Leverkusen wirklich direkt bereit und wach sein und nicht erst nach einem Gegentor aufwachen. Wir müssen mental von der ersten Minute an bereit sein, dass erste Tor schießen und dann weiter attackieren."

Robert Lewandowski (r.) klatscht sich mit Leroy Sané ab

Fotocredit: Getty Images

Mit Goretzka und Kimmich?

Einer, der diese Eigenschaften wie kein Zweiter verkörpert und zuletzt bei den Bayern schmerzlich vermisst wurde, ist Joshua Kimmich. Der Mittelfeldspieler verletzte sich im Duell gegen Borussia Dortmund am Meniskus und musste am Knie operiert werden.
Am Montag kehrte Kimmich unter dem Applaus seiner Mitspieler ins Mannschaftstraining zurück. Ursprünglich war seine Rückkehr erst für Januar angedacht, doch in einer so wichtigen Partie wie am Samstag könnte der Triple-Sieger den 25-Jährigen sehr gut gebrauchen. Nicht nur als emotionaler Antreiber, sondern auch um für mehr defensive Stabilität zu sorgen. In dieser Bundesliga-Saison spielten die Münchner nur zweimal zu Null und kassierten schon 18 Gegentore. So viele Treffer bekam sonst kein anderes Team aus den ersten Sechs der Liga.
Ob er am Samstag wirklich auflaufen kann, war am Donnerstag noch unklar. Das gilt auch für Leon Goretzka, der am Donnerstag individuell an der Säbener Straße trainierte. Sollte Flick am Samstag auf beide Mittelfeldspieler zurückgreifen können, wäre das natürlich ein zusätzlicher Motivationsschub.
Um jeden Preis wird der Bayern-Trainer Goretzka und Kimmich jedoch definitiv nicht spielen lassen. Gegen die zweitbeste Offensive der Liga wäre das ein zu hohes Risiko. Außerdem gibt es da ja noch Manuel Neuer im Tor, der nicht nur in glänzender Form ist, sondern zudem dafür bekannt ist, in den wichtigen Spielen zur Höchstform aufzulaufen. Sprich die Spiele, in denen man Zeichen setzen kann.
Und dass die Bayern, das können, haben sie in den vergangenen Jahren mehrmals eindrucksvoll mit Erfolgen in den direkten Duellen gegen Borussia Dortmund bewiesen.
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