Es war ein Spektakel, auf das Bayern-Trainer Hansi Flick wohl gerne verzichtet hätte, dass die Fans am Bildschirm aber mitriss.
Der Abstiegskandidat lieferte dem Rekordmeister einen Kampf mit offenem Visier, führte nach 45 Minuten sogar mit zwei Toren.
Am Ende behielten die alles andere als sattelfesten Bayern dennoch die Oberhand.
Bundesliga
Sieben-Tore-Spektakel in München! Bayern erst blamabel, dann brutal
03/01/2021 AM 18:50
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Flicks Geniestreich

Bayern-Trainer Hansi Flick sah natürlich, was schief lief. Seinem Team fehlte es im ersten Abschnitt so gut wie an allem, was die Bayern gemeinhin auszeichnet: Mentalität, Entschlossenheit, Selbstvertrauen.
"Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis", sagte Flick zwar nach dem 5:2 (0:2) gegen den FSV Mainz 05 am Sonntagabend, durch das der FCB die Tabellenspitze behauptete, doch seufzte er im gleichen Atemzug: "Wir werden ein paar Dinge ansprechen müssen, die wir besser machen müssen."
Mainz war mutig und dominierte mit einer Raute das Zentrum, lief aggressiv an, der Spielaufbau durch Joshua Kimmich wurde damit im Keim erstickt, Tempo über die flinken Außen mit Alphonso Davies, Serge Gnabry oder Leroy Sané gab es kaum. Stattdessen ergaben sich ständig Konterchancen für die Gäste - Jonathan Burkardt (32.) und Alexander Hack (44.) schlossen zwei davon erfolgreich ab.

FC Bayern München | Trainer Hansi Flick

Fotocredit: Getty Images

Flick nutzte die Halbzeitpause nicht nur für einen Weckruf, sondern auch dazu, taktisch zu reagieren. Er bediente sich eines Kniffs, der letztlich entscheidend für die Wende sein sollte. Er nahm Benjamin Pavard raus, Leon Goretzka kam und Kimmich rückte aus dem Zentrum nach rechts.
Damit stimmte die Balance wieder, Bayern erzeugte Druck ohne Ende, die Außen kamen stärker zur Geltung. Kimmich selbst leitete mit seinem Kopfballtor die Wende ein (50.). "Die Umstellungen haben uns gutgetan, zudem haben wir die Zweikämpfe angenommen. Wir haben mit unserer Mentalität den Sieg erzwungen", bilanzierte Flick. Die zweite Hälfte sollte "Selbstvertrauen geben" für die kommenden Aufgaben.

2. Zwei Superhelden als Sieg-Garanten

Über die Qualität eines Manuel Neuer zwischen den Pfosten wurde schon viel geschrieben. Doch längst nicht alles. Auch dieser Text kommt nicht ohne ein Loblied auf den weltbesten Torwart aus. Ohne seine Glanzparaden gegen Mainz wäre Bayern vielleicht schon viel höher in Rückstand geraten. Erst parierte er sensationell gegen Burkardt (32.), nach der Pause verhinderte Neuer gegen 05-Kapitän Danny Latza ebenso klasse das 0:3 (48.).
Das Klatschen des Balles an den Pfosten war der endgültige Weckruf für die Bayern.

Manuel Neuer hält glänzend gegen Jonathan Burkardt

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Vor ihm trumpfte der zweite Superheld der Bayern an diesem Abend auf: Joshua Kimmich. Nach seinem gelungenen Comeback in Leverkusen (2:1) war ihm anzumerken, dass er besonders heiß war. Er pushte verbal und ließ den Worten Taten folgen.
Er geht voran und reißt das Team mit. In dieser Form ist er als Leader unverzichtbar für die Bayern. Es ehrt ihn außerdem, dass er Dinge, die nicht passen, klar anspricht: "In der zweiten Halbzeit sind wir mit einer komplett anderen Einstellung herausgekommen. In der ersten Halbzeit war das nicht nur spielerisch, sondern auch vom Kopf, von der Einstellung, vom Kämpferischen her zu wenig", sah er.

3. Mainz zeigt, wo Bayern verwundbar ist

Am Ende mussten sie sich der erbarmungslosen Tormaschine der Bayern ergeben. Doch Mainz war nah dran, die Bayern in der eigenen Arena zu düpieren. Die Gäste zeigten eindrucksvoll, wie der FCB unter Druck zu setzen ist: Mit Mut, Aggressivität und Entschlossenheit vor dem Tor. "Wir haben die Bayern extrem gereizt und in der ersten Halbzeit ein tolles Gesicht gezeigt. Dass es nicht für mehr gereicht hat, ist sehr, sehr schade. Wir haben uns gut verkauft, haben uns viele Möglichkeiten erspielt und hatten die Möglichkeit, auf 3:0 zu erhöhen", resümierte FSV-Coach Jan Siewert.
Die Leistung seines Teams zeigte auch, welches Potenzial im Kader eigentlich schlummert. Wie ein Abstiegskandidat präsentierte sich die Crew definitiv nicht. Die Klasse zu halten wird mit lediglich sechs Punkten nach 14 Partien und angesichts der kommenden Gegner (Frankfurt, Dortmund, Wolfsburg, Leipzig) ein Kraftakt. Doch die Möglichkeit, dass mit dem neuen Trainer - höchstwahrscheinlich wird das Bo Svensson sein - noch mal Energien freigesetzt werden, besteht durchaus.
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