Der bevorstehende Wechsel von Omar Richards vom FC Reading zum FC Bayern ist kein Allerweltstransfer.
Schließlich verpflichtet der amtierende Sextuple-Sieger nicht ständig einen ablösefreien 23-Jährigen aus Englands zweiter Liga. Wer also ist dieser Omar Richards eigentlich und welchen Plan verfolgt der Rekordmeister mit ihm?
80 Zweitligaspiele hat der Verteidiger für den aktuellen Tabellenfünften der Championship seit seinem Profidebüt im Jahr 2017 absolviert.
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Vier Jahre zuvor war der gebürtige Londoner - frisch aussortiert - aus der Jugendabteilung des FC Fulham gekommen. "Damals wusste ich nicht, wohin es im Fußball für mich gehen würde", erinnerte sich Richards später in einem Interview mit klubeigenen Medien.

Stam lobt Richards in höchsten Tönen

Als er aus Fulham nach Reading kam, war Richards noch Flügelstürmer. Trainer David Dodds zog ihn zurück und landete damit einen Treffer. Richards schlug ein und setzte sich durch.
Der ehemalige Weltklasseverteidiger Jaap Stam - damals Trainer beim Zweitligisten - verhalf dem Juwel im Alter von 19 Jahren schließlich zum Profidebüt. Später schwärmte er in den höchsten Tönen:
"Omar ist ein Linksverteidiger mit jeder Menge Qualität am Ball, Speed und gutem Auge für die Offensive. Das sind Attribute, die jede Mannschaft der Welt sucht." Der Niederländer sollte mit seinen Worten richtig liegen.

Omar Richards

Fotocredit: Getty Images

Richards: Vom Wackelkandidat zum Dauerbrenner

Doch die Leistungen des Engländers waren nicht konstant. Nach starkem Beginn fiel Richards in der Saison 2018/19 fünf Monate lang aus. Ein verlorenes Jahr war die Folge.
Viele englische Spitzenklubs, die ihn bis dahin auf den eigenen Einkaufslisten hatten, zogen sich fürs Erste zurück. Doch das Talent stabilisierte sich wieder und spielte sich erneut in den Dunstkreis der Stammelf Readings.
Den Zustand der Unantastbarkeit erlangte er allerdings nie. Erst als Jordan Obita und Tyler Blackett den Klub im vergangenen Sommer verließen, war Richards - als einziger Linksverteidiger im Kader - schließlich gesetzt.
Trainer Veljko Paunovic - einst auch Coach von Bastian Schweinsteiger bei Chicago Fire - forderte und förderte ihn. Und Richards zahlte mit einer bärenstarken Runde zurück.
18 Mal stand er in der ersten Elf, bis ihn eine leichte Verletzung im Dezember aus dem Rhythmus brachte. Da hatten die Bayern aber längst Kontakt aufgenommen - und wohl leichtes Spiel.
Zwar wollte Reading Richards einen neuen Vertrag anbieten, gegen das Angebot des deutschen Rekordmeisters war man schließlich aber machtlos.

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Wechsel macht für Richards Sinn

Der 23-Jährige ist nicht das erste, sondern nur das aktuellste Beispiel für den Weg, den viele talentierte englische Spieler in diesen Tagen gehen.
Bundesligaklubs haben junge Akteure von der Insel seit Jahren als lohnendes Investment identifiziert. Academy-Spiele und Auftritte der englischen U-Teams werden zahlreich mit Scouts besetzt.
Das Modell bietet eine Win-Win-Situation: In Deutschland sind die hochtalentierten Jungs herzlich willkommen, weil gut ausgebildet und bezahlbar. Sie selbst spekulieren auf mehr Spielzeit, als sie bei Premier-League-Klubs erhalten würden und eine deutliche Marktwertsteigerung.
Bestes Beispiel ist der Dortmunder Jadon Sancho. Und auch Jamal Musiala holten die Bayern einst von der Insel in die Bundesliga.
Richards ist zwar älter als viele seiner Vorgänger, doch auch er hofft auf seinen Durchbruch.
Klar ist, beim deutschen Rekordmeister ist der Engländer als Back-up für den gesetzten Linksverteidiger Alphonso Davies vorgesehen. Er soll behutsam aufgebaut werden.
Das beinhaltet sicherlich auch den ein oder anderen Einsatz in der zweiten Mannschaft des FCB.

Jamal Musiala vom FC Bayern München

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Richards sorgt für Klarheit in Bayerns Defensiv-Planung

Der Transfer Richards' hat aber nicht nur Auswirkungen auf die linke Verteidigungsposition in der Mannschaft von Hansi Flick. Auch die übrigen Planungen werden offengelegt.
So plant Flick mit Weltmeister Lucas Hernández nach den bevorstehenden Abgängen von David Alaba und Jérôme Boateng im Zentrum.
Dort soll auch Dayot Upamecano spielen, der für 42,5 Millionen Euro von RB Leipzig an die Isar wechselt und einen Vertrag bis 2026 erhält.
"Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, Dayot zu uns zu bekommen", sagte Flick kürzlich: "Aber das ist für nächste Saison. Unsere Aufgabe ist es jetzt, Leistung zu bringen - er für RB Leipzig. Und so wie ich ihn kennengelernt habe, wird er das auch zu 100 Prozent tun."
Zu Richards hat sich Flick noch nicht geäußert. In naher Zukunft wird er dies aber sicher tun.
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