FC Bayern - VfB Stuttgart - Drei Dinge, die auffielen: Wenn der Meister wütend wird...
Publiziert 20/03/2021 um 19:22 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern München mit Torjäger Robert Lewandowski hat gegen den VfB Stuttgart einmal mehr seine Macht in der Bundesliga demonstriert. Selbst in Überzahl nach der Roten Karte für Alphonso Davies in der zwölften Minute hatte der Aufsteiger überhaupt keine Chance. Vor allem, weil der FCB genau das auf den Platz brachte, was ihn aktuell auszeichnet. Drei Dinge, die uns auffielen.
Thomas Müller (r.) mit Gonzala Castro
Fotocredit: Getty Images
Es war eine beeindruckende Leistung des FC Bayern München am 26. Bundesliga gegen den VfB Stuttgart. Trotz einer frühen Roten Karte für Alphonso Davies (12., grobes Foulspiel) brannten die Bayern ein Feuerwerk ab.
Weltfußballer Robert Lewandowski setzte dabei seine Jagd nach dem "ewigen" Torrekord von Gerd Müller mit einem fulminanten Dreierpack eindrucksvoll fort.
Der Ausnahmestürmer traf beim 4:0 (4:0) drei Mal (18./23./39). Es waren seine Saisontore Nummer 33 bis 35. Die legendäre 40-Tore-Marke des "Bombers" ist fest im Blick. Serge Gnabry (22.) traf zum 2:0.
Mit vier Punkten Vorsprung vor RB Leipzig geht der FCB jetzt in die Länderspielpause. Die Leistung gegen den VfB lässt den Rekordmeister optimistisch in die Zukunft blicken. Drei Dinge, die uns am Samstag auffielen.
1. Bayern und Lewandowski: Das war Weltklasse
Der Mann des Tages schmunzelte, als er auf die Leistungsexplosion seiner Mannschaft nach dem Platzverweis für Davies angesprochen wurde. "Unser Plan war das nicht…", sagte Lewandowski bei "Sky".
Doch auch er weiß: Die Qualität im Luxus-Kader der Bayern ist hoch - sie muss nur aktiviert werden. Die Rote Karte zündete "Lewy" und seine Kollegen jedenfalls an. Energisch preschten sie nach vorne, nutzten jeden ihnen sich bietenden Raum und agierten mit beeindruckender Präzision bei Laufwegen, Kombinationen, Flanken und Abschluss. Die Tormaschine lief auf Hochtouren - der VfB nur noch hinterher.
"Die Leistung war irgendwas über Weltklasse", bilanzierte Stuttgarts Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger schon in der Halbzeit. Aus einer ohnehin starken Mannschaftsleistung ragten der kompromisslose David Alaba sowie Vorlagengeber Thomas Müller sogar noch heraus. "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen", sagte FCB-Trainer Hansi Flick. "Nach der Roten Karte haben sie defensiv gut gearbeitet und die Räume eng gehalten. Mit dem Ball war das auch extrem gut, wir haben uns viele Chancen herausgespielt."
Es war die Essenz des Sieges, das Zusammenrücken zu zehnt. Solche Fähigkeiten sind schlicht Weltklasse. Dabei macht es auch kaum Bauchschmerzen, wenn gegen Leipzig Davies (Rotsperre) und Jérôme Boateng (Gelbsperre) fehlen. Der Kader kann das kompensieren.
Es gab bekanntlich schon einige, die gefordert haben, dass die Bayern aus Fairnessgründen grundsätzlich nur mit zehn Mann antreten sollten. Doch auch die dürften nun gemerkt haben, dass sich dadurch auch nicht viel an der Dominanz ändert.
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Robert Lewandowski - FC Bayern
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2. Sané findet seine Rolle
Eingekauft als Superstar kam Leroy Sané bei Bayern eher schwer in Tritt. Seine Leistung gegen Stuttgart hat nun aber gezeigt, dass sich der Blick auf ihn eventuell ändern muss, um zu erkennen, wo sein eigentlicher Wert für das Team liegt.
Sané glänzte hauptsächlich beim Pass vor dem Pass zum Tor, beim Kreieren von Möglichkeiten als Initialzündung für eine erfolgreiche Attacke. Schon bei Manchester City war das eher seine Stärke. Die Citizens erzielten so einige Tore.
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Flick lobt Sechser Müller - mit einer Einschränkung
Quelle: Eurosport
Viele Bayern-Fans, verwöhnt von Abschlussqualitäten eines Franck Ribéry oder Arjen Robben, den Vorgängern von Sané auf dem Flügel, müssen ihn wohl etwas anders einsortieren. Er wird kein Goalgetter, im aktuellen Team der Bayern sind das andere. Den Unterschied kann er mit seinen klugen Pässen aber sehr wohl machen.
Scheinbar hat Sané das mittlerweile auch selbst begriffen. Gegen den VfB war erstmals verstärkt zu beobachten, dass er eher den besser postierten Mitspieler sah, als selbst abzuschließen. Wenn sowohl er als auch das Team seine neue Rolle fordern und fördern, wird Sané in seiner ersten Saison doch noch zur erhofften eklatanten Verstärkung.
3. Die "jungen Wilden" bezahlen Lehrgeld
Angesichts des Resultats lässt sich kaum ein Lob für den VfB finden. Andererseits war zu Beginn des Spiels schon sichtbar, wie selbstbewusst der Aufsteiger mittlerweile auftritt. Im Plan von Trainer Pellegrino Materazzo weiß grundsätzlich jeder, welche Aufgaben er zu erledigen hat.
Wie fragil beziehungsweise unerfahren das Teamgefüge ist, hat der Zusammenbruch in Überzahl dann aber auch gezeigt. Sie hätten eigentlich den Gegner weiter hoch anlaufen müssen. Sie hätten mindestens fünf Prozent drauflegen müssen. Stattdessen ließen sie 20 Prozent an Einsatz nach. Es herrschte Chaos in der Zuordnung, bei der Abstimmung, der Kommunikation - während Bayern sich in einen Rausch spielte.
"Die erste Halbzeit bot sehr viel Anschauungsmaterial für uns", merkte Sportdirektor Sven Mislintat an. Und Materazzo stellte fest: "Nach der Roten Karte ist entweder das Gefühl aufgekommen, das Spiel gewinnen zu müssen oder dass es von alleine läuft - beides ist nicht gut."
Den entscheidenden Unterschied machte - abgesehen von der Qualität des Gegners - die totale Bereitschaft, die brutale Präzision und das Auge für den letzten Meter. Entscheidend ist allerdings auch, dass diese VfB-Mannschaft lernwillig und -fähig bleibt.
Untergegangen sind in München schon viele Teams. Umwerfen wird die Niederlage die "jungen Wilden" nicht.
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