Liebe Fußballfreunde, dass der gewählte Präsident als Paartherapeut in die TV-Arena geschickt wird, um das wichtigste "Liebespaar" des Vereins zu einer Versöhnung zu ermuntern, das hat es in der Historie des FC Bayern wohl noch nicht gegeben.
Gewöhnlich suchen sich die Bayern ihre Feinde im Außen – der BVB oder früher Werder Bremen, die bösen Medien, der falsche DFB – diesmal liegt der Feind im eigenen Bett. Da sitzt also Herbert Hainer bei den Kollegen von "Sky" und erzählt davon, dass sie kein "Liebespaar" sein müssen und meint die Spitzenangestellten der Profifußball AG, Trainer Hansi Flick und Sportvorstand und Hasan Salihamidzic.
Gleichzeitig will Hainer dem Fußballvolk weismachen, dass das interne Verhältnis der beiden völlig "intakt" sei. Wie intakt, konnte man am Wochenende gegen Union Berlin beim Torjubel zum 1:0 verfolgen: Flick tat so, als säße sein Vorstand gar nicht auf der Bank. Man könnte auch sagen, Herman Gerland war als lebende Trennwand zwischen Chefcoach und Sportvorstand nie wertvoller als heute.
Bundesliga
Rose-Nachfolger wohl fix: Gladbach vor Hütter-Verpflichtung
12/04/2021 AM 06:58
Es ist unnötig und ärgerlich, wenn ein gewählter Bayern-Präsident öffentlich derartiges erzählt. Dass der Klub gerade das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte hinter sich hat, gerät dabei völlig außer Acht. Sechs Titel in Folge, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ohne Hansi Flick daraus nichts geworden wäre. Warum also gefährdet der FC Bayern selbst seine eigenen Saisonziele?

Flick und Salihamidzic im Machtkampf

Der Konflikt zwischen Flick und Salihamidzic gärt schon eine ganze Weile und er hat viel damit zu tun, dass sie bei den Bayern historisch gesehen Schwierigkeiten haben mit Persönlichkeiten, die Wert auf ihre Unabhängigkeit legen inmitten des Machtgeschachers der Klubführung.
Oberflächlich betrachtet geht es um Transferangelegenheiten, darum, dass man verdiente Spieler wie David Alaba und Jérôme Boateng nicht halten wollte, obwohl Flick sich dafür ausgesprochen hatte. Flick möchte Mitsprache bei den Transfers, so wie man sie auch Pep Guardiola gestattete, eine logische Forderung für einen Trainer, dessen riskante Spielidee mit dem hohen Pressing besondere Spieler benötigt.

FC Bayern München: Salihamidzic, Rummenigge, Flick (v.l.n.r.)

Fotocredit: Imago

Was Hansi Flick nicht will, sind Leute wie Rechtsverteidiger Bouna Sarr, den sie in München mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet haben und der in der B-Elf gegen Union gerade mal sein sechstes Bundesligaspiel machen durfte.
Salihamidzic wiederum will, dass die Spieler, die er zu Saisonbeginn geholt hat, auch spielen. Erstens, damit niemand auf die Idee kommt, dass seine Transfers womöglich nichts taugen. Und zweitens, weil genau das wohl in ihren Verträgen steht. Zumindest in dem von Torwart Alexander Nübel.
Aber welcher Trainer, der was auf sich hält, wird sich vom Vorstand die Aufstellung diktieren lassen? Das aber hätten sie gerne beim FC Bayern und das ist nun irritierend. Mag Flick als Co-Trainer bei den Bayern noch große Loyalität in alle Richtungen gezeigt haben, als Cheftrainer will er keine Marionette der Bosse sein.
Auch interessant: Achtung Bayern: PSG-Duo für Rückspiel rechtzeitig fit

Flick mit besseren Perspektiven beim DFB?

Vor ein paar Tagen hat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge einem Wechsel Flicks zum DFB als künftiger Bundestrainer eine Absage erteilt. Seine Erfahrung sage ihm, so Rummenigge, dass Trainer, die bei Bayern erfolgreich arbeiten, "gepflegt und langfristig gehalten werden müssen".
Der Satz ist schon deshalb bemerkenswert, weil es von außen den gegenteiligen Anschein hat, als hätte es sich der Bayern-Vorstand zur Aufgabe gemacht, Flick den Abschied vom "Boulevardtheater an der Säbener Straße" ("Süddeutsche Zeitung") so einfach wie möglich zu machen.
Tage später ist von einem Machtwort Rummenigges die Rede, die beiden Streithähne sollten endlich Ruhe geben. Das ist dann kein Boulevardtheater mehr, sondern Schmierentheater in Reinform. Sportvorstand Salihamidzic kann nur deshalb so selbstbewusst auftreten, weil er ganz im Sinne des Vorstands – und seinem Förderer Uli Hoeneß – agitiert.

Hansi Flick - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Die Klubführung will keinen autarken Trainer, auf den sie kaum Einfluss nehmen kann. Ein starker Coach wie Flick aber will niemandem, der ihm auf der Nase herumtanzt. Wenn sechs Titel nicht ausreichend Argumente geliefert haben, diesen Trainer machen zu lassen, dann braucht man sich nicht wundern, wenn dieser Trainer selbst bei einer Chaosschmiede wie dem DFB eine bessere Perspektive für sich erwartet.
Die nächste Eskalationsstufe droht am Dienstagabend, wenn es gegen Paris (ab 21:00 Uhr im Eurosport Liveticker) dann doch nicht mit dem Champions-Legaue-Halbfinale geklappt haben sollte.
Dass der FC Bayern seinen erfolgreichsten Trainer selbst weg mobbt, das hat es in der Geschichte des FCB dann aber wirklich noch nicht gegeben.

ZUR PERSON THILO KOMMA-PÖLLATH:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
Das könnte Dich auch interessieren: Königliche "Verbrecher-Bande": Reals letztes großes Ding?

Flick vor PSG-Duell: Mehr Hoffnung bei Hernández als bei Goretzka

La Liga
Dembélé verrät: Mit Tuchel vielleicht beim BVB geblieben
12/04/2021 AM 06:49
Bundesliga
Offiziell: Köln feuert Gisdol - Nachfolger soll feststehen
11/04/2021 AM 20:10