An ein gewaltiges Durcheinander beim FC Schalke ist man seit der vergangenen Woche ja wieder gewohnt, für etwas leichtere Verwirrung sorgte Jochen Schneider am frühen Samstagabend nun im Borussia-Park. Die hellgrüne Maske, die der Sportvorstand der Gelsenkirchener dort während der ersten Halbzeit trug, wirkte, als habe der 50-Jährige sie sich auf die Schnelle bei der Borussia ausgeliehen. Erst zur Pause fand Schneider einen angemessenen Mundschutz - und saß ab dann mit einer blauen Maske auf der Tribüne.

Böse Ironie im sportlichen Schicksal seines Klubs beim 1:4 am Niederrhein: Als Schneider die S04-Farbe Blau zwischen die Ohren gespannt hatte, verlor die Mannschaft von Manuel Baum endgültig den Faden, den sie vor allem in der ersten halben Stunde zu packen bekommen hatte. Da spielten die Gäste im Vergleich zu den letzten Wochen richtig gut.

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Mit einem Schuss mehr Selbstvertrauen und Schärfe vor dem gegnerischen Tor wäre für Schalke zu diesem Zeitpunkt mehr drin gewesen als bloß der sehenswerte Ausgleich von Benito Raman nach der Borussen-Führung durch Florian Neuhaus.

Als die Gladbacher dann aber die Restmüdigkeit vom jüngsten Auftritt in der Champions League nach und nach aus den Kleidern schüttelten und ihre gewohnte Passsicherheit gewannen, geriet das instabile Konstrukt der Blau-Weißen sofort ins Wanken.

Eisberg bereits gerammt

Beim letzten Schalker Sieg in der Bundesliga - als es noch so kalt war, wie es jetzt langsam wieder wird - kämpften die Gelsenkirchener und Kontrahent Gladbach noch parallel zueinander um die Eintrittskarten in die Königsklasse. Doch seither driften die beiden Vereine in jeder Hinsicht extrem auseinander.

So glänzt die Fohlenelf, für die noch Oscar Wendt, Marcus Thuram und Hannes Wolf trafen, in der Champions League momentan in einer Gruppe mit den kontinentalen Hochkarätern Real Madrid und Inter Mailand, kann im Heimspiel gegen Inter am Dienstag das Ticket ins Achtelfinale lösen. Der Dampfer Schalke dagegen droht unterzugehen wie einst die Titanic. Ihren Eisberg haben die Königsblauen in der zurückliegenden Chaos-Woche mit den Rauswürfen von Kaderplaner Michael Reschke und Angreifer Vedad Ibisevic sowie den Suspendierungen der Spieler Amine Harit und Nabil Bentaleb jedenfalls schon mal gerammt.

Dilettantische Fehler in der Defensive

"Es kamen Dinge nach außen, das ist bei Schalke schon fast normal", kommentierte Steven Skrzybski, Offensivspieler beim Revierklub, die Ereignisse nun. Ins Bild des schlingernden Ozean-Riesen passte auch das Statement von Sportboss Schneider auf die Frage, ob er von sich aus die Brocken hinzuschmeißen gedenke. "In so einer Situation verlässt man nicht die Brücke", antwortete der gebürtige Schwabe, seit März 2019 im Amt und wegen seiner Zusammenstellung des aktuellen S04-Kaders stark in der Kritik, in feierlichem Ernst.

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Fotocredit: SID

"Klassenerhalt, darum geht es", betonte Schneider außerdem noch - und mit dieser Einschätzung liegt er genau auf einer Linie mit Cheftrainer Baum ("Das haben wir unter der Woche schon gesagt") und Sascha Riether. "Wir müssen jetzt in den Abstiegsmodus schalten", befand der Koordinator des Lizenzspielerbereichs, der zudem erkannt hat: "Es bringt nichts, wenn du das eine oder andere Tor schießt, aber in jedem Spiel drei oder vier kriegst. So kannst du nicht überleben."

Die Rufe von Tasmania Berlin werden immer lauter

Vor allen vier Treffern der Borussia leistete sich die Schalker Defensive dilettantische individuelle Fehler, je zwei Mal waren dabei Ozan Kabak und Kilian Ludewig entscheidend beteiligt. Bekommt Übungsleiter Baum dieses Problem nicht in der Griff, wird auch ein Negativrekord, der bislang für die Ewigkeit gemacht schien, nicht überleben: Tasmania Berlins legendärer Serie von 31 sieglosen Spielen aus der Saison 1965/66 haben sich die Knappen seit ihrem letzten Erfolg am 17. Januar gegen Gladbach mittlerweile bis auf sechs Partien angenähert.

Der FC Schalke jagt den Sieglos-Rekord von Tasmania Berlin

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Im Heimspiel gegen Leverkusen am nächsten Sonntag dürften die Trauben für Baums Ensemble ähnlich hoch hängen wie gerade im Borussia-Park. Gelingt den Blau-Weißen allerdings auch in den nachfolgenden Partien in Augsburg sowie zu Hause gegen Freiburg und Bielefeld nicht der ersehnte Sieg, kann die Klubführung über die Weihnachtstage getrost die Planungen für die Zweite Liga vorantreiben.

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