Bescheid wussten die Vereinsoberen beim deutschen Rekordmeister (wohl) schon seit Dienstag. Nach dem bitteren Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (2:3; 1:0) hat Hans-Dieter Flick seine Vorgesetzten darüber informiert, seinen laufenden Vertrag in München (bis 2023) nicht erfüllen zu wollen. Sagt Flick.
Dass er diesen Wunsch unmittelbar nach dem so wichtigen Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg (3:2) auch der breiten Öffentlichkeit durch ein Interview bei "Sky" mitteilte, damit erwischte der 56-Jährige die Klubführung kalt. So zumindest muss das Schweigen der Verantwortlichen beim FC Bayern gewertet werden.
Auf eine erste Reaktion des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge oder Sportvorstand Hasan Salihamidzic wartete man am Samstag vergebens. Auch Rummenigges designierter Nachfolger Oliver Kahn schwieg sich aus.
Bundesliga
Schock für den FC Bayern: Flick will im Sommer gehen
17/04/2021 AM 16:05
Einzig Uli Hoeneß zeigte sich im Telefonat mit "Sky"-Reporter Uli Köhler gesprächsbereit, gab sich laut Köhler jedoch völlig unwissend und von Flicks Aussage überrascht. "Er dachte, ich wollte ihn aufs Glatteis führen", sagte der langjährige Reporter.

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Guter Zeitpunkt für Flick - aber nicht für Bayern

"Ich wollte, dass die Mannschaft das heute nach diesem wichtigen Sieg erfährt, weil natürlich das eine oder andere an Flurfunk schon rumging", argumentierte derweil Flick: "Es war mir wichtig, dass die Mannschaft das von mir erfährt."
Und wenn Vereinsführung und Mannschaft schon Bescheid wissen, kann man es auch gleich der Öffentlichkeit mitteilen, schwang da mit.
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"Es war für Flick der richtige Zeitpunkt", analysierte "Sky"-Experte Lothar Matthäus die Aussagen seines guten Freundes und schob einen wichtigen Nebensatz nach: "Für Bayern wahrscheinlich nicht."
Laut Matthäus habe Flick schlicht vermeiden wollen, "dass ihm der FC Bayern zuvorkommt". Ein Vorhaben, dass ihm gelungen ist - und den Bayern-Bossen so sicherlich nicht geschmeckt haben dürfte.

Hansi Flick (vorne) möchte den FC Bayern München im Sommer verlassen

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Flick behält die Deutungshoheit

Für Flick war's aber offenbar wichtig, die Deutungshoheit zu behalten.
"Er war in den letzten Tagen und Wochen nicht mehr der Hansi, den ich kenne", erklärte Matthäus. Flick sei jemand, der gerne "schnell aufräumt mit Problemen". Der Verbaltango der vergangenen Wochen habe ihm deshalb zugesetzt.
Dazu kamen öffentlich ausgebreitete Probleme, die es vor allem in der Zusammenarbeit mit Salihamidzic immer wieder gegeben hat. Streitthema war dabei nicht selten das Transfergeschäft, in dass sich Flick nicht ausreichend mit einbezogen fühlte.
Im Anschluss an den 1:0-Erfolg in Paris hatte Flick das Miteinander mit Brazzo bei "Sky" zwar noch als "stabil" beschrieben - stabil genug für die Erfüllung seines bis 30. Juni 2023 datierten Vertrags ist sie jedoch offensichtlich nicht. Und nun?

Der Druck liegt jetzt bei Bayern

Der Druck, das ist klar, liegt seit Samstagnachmittag beim FC Bayern. Was das heißt, das müssen und werden Rummenigge und Salihamidzic bald kundtun.
"Ich habe nur den Wunsch geäußert. Ich weiß auch, dass ich einen Vertrag habe", sagte Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Wolfsburg, wissend, dass ihm der Verein durchaus noch Steine in den (Bundestrainer-)Weg legen kann.
Zum Beispiel, wenn die Münchner auf eine Ablösesumme für ihren ja eigentlich noch zwei Jahre unter Vertrag stehenden Trainer pochen. Nicht unüblich, wie die Transfers von Marco Rose (für angeblich fünf Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund) oder Adi Hütter (für bestätigte 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach) gezeigt haben.
Flicks Erfolge zu Grunde gelegt, müsste der Triple-Trainer deutlich teuerer werden - was durchaus zum Problem für den DFB als Abnehmer werden könnte.

David Alaba (l.) und Hans-Dieter Flick

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Das weiß auch Matthäus: "Ich glaube die Ablöse, die der DFB bezahlen kann, wird ganz sicher nicht in der Höhe möglich sein, wie es nun bei Bundesliga-Trainern üblich ist - wenn man das mal mit Rose und Hütter vergleicht. Da müssten eigentlich ganz andere Summen aufgerufen werden, aber die ist der DFB ganz sicher nicht bereit zu zahlen."

Geht Flicks Schuss nach hinten los?

Für Flick dürfte es eine Befreiung gewesen sein, endlich Klarheit bezüglich seiner Zukunft im Klub geschaffen zu haben. Mit seiner Entscheidung, den Weg an die Öffentlichkeit zu gehen, hat er seinen Arbeitgeber aber brüskiert und unsanft unter Druck gesetzt.
Wie die Bayern auf Flicks Abschiedsankündigung reagiert haben, blieb am Samstag unklar. "Ich verstehe, dass Sie wissen wollen, wie die Reaktion des Klubs war, aber das sind Dinge, die für mich jetzt erstmal intern bleiben", blockte auch Flick auf der Pressekonferenz nach Spielende ab.
Vielleicht auch deswegen, weil er eine eindeutige Tendenz selbst noch nicht ableiten kann.
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