Der Rückrundenauftakt begann furios. Nach nur 44 Sekunden zappelte der Ball das erste Mal im Netz – und zwar in dem des BVB. Jonas Hofmann hatte Jude Bellingham am eigenen Strafraum früh attackiert und dem Engländer das Leder abgenommen. Florian Neuhaus schnappte sich die Kugel und nagelte den Ball in den linken Giebel. Grund zur Freude hatte der vermeintliche Torschütze jedoch nicht, denn Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied nach intensiver Ansicht der Videobilder auf Foulspiel von Hofman (1.).
Von dem aberkannten Treffer ließen sich die Hausherren jedoch nicht beirren und spielten weiter munter nach vorn – mit Erfolg. Hofmann schnibbelte einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld mit viel Effet vors Tor, wo Nico Elvedi zur Stelle war und das Leder per Kopf unhaltbar für Roman Bürki im rechten Eck versenkte (11.). Wieder wurde das Tor überprüft, doch diesmal war alles regelkonform – Elvedi stand nicht im Abseits.
Es entwickelte sich eine hochklassige Partie mit unglaublichem Tempo und einer Vielzahl an Chancen auf beiden Seiten. Die Begegnung glich einem offenen Schlagabtausch, wie man ihn sonst nur aus Schlussphasen kennt – besonders einer sollte dieser Phase seinen Stempel aufdrücken.
Bundesliga
"Wollte mir das nicht mehr antun": Moukoko dachte ans Aufhören
GESTERN AM 13:32
Dortmund-Knipser Erling Haaland stellte einmal mehr seine Abschlussstärke unter Beweis und brachte die Kugel, nach einem perfekt-abgepassten Sancho-Zuspiel, aus spitzem Winkel im Tor unter (22.). Nachdem wenig später erst Manuel Akanji im Rahmen einer Doppelchance an Yann Sommer scheiterte und anschließend Lars Stindl den Nachschuss von Emre Can per Kopf an den linken Pfosten ablenken konnte, war zwei Minuten später erneut Haaland zur Stelle.
Jadon Sancho hatte sich im Zusammenspiel mit Landsmann Bellingham in den Strafraum kombiniert und das Auge für den Norweger gehabt. Dieser drehte sich mit dem Ball um die eigene Achse und nagelte das Leder zum 2:1 in die untere linke Ecke (31.).
Doch damit noch nicht genug. Gladbach bekam einen Freistoß knapp 20 Meter vor dem BVB-Tor zugesprochen, weil Mats Hummels Hofmann nur mit einem Foul stoppen konnte. Stindl trat an und nagelte den Ball relativ zentral aufs Tor. Bürki ließ den haltbaren Schuss direkt vor die Füße von Elvedi prallen, der mit seinem zweiten Tor des Abends per Abstauber auf 2:2 stellte (32.).
In den letzten Minuten vor dem Pausenpfiff hatten beide Teams noch Chancen auf die Führung, doch es blieb bei einem leistungsgerechten Unentschieden zur Pause.
Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine – vielleicht auch deshalb ging es im zweiten Durchgang da weiter, wo der erste Durchgang aufgehört hatte. Drei Minuten nach Wiederanpfiff wurde Außenverteidiger Ramy Bensebaini auf dem rechten Flügel von Neuhaus bedient. Der Algerier suchte den Weg in den Strafraum, ließ Julian Brandt mit einem schnellen Haken problemlos aussteigen und zirkelte die Kugel mit einem feinen Rechtsschuss halbhoch zum 3:2 ins lange Eck (48.). Wieder hatte die Terzic-Elf den Auftakt verschlafen.
Nur vier Minuten nach der abermaligen VfL-Führung hatte Alassane Plea das 4:2 auf dem Fuß, setzte seinen Flachschuss unter Bedrängnis von Bellingham aber so knapp am Kasten vorbei, dass der Ball noch leicht den Pfosten touchierte (53.).
Dortmund zeigte sich kurz geschockt, versuchte dann aber spielerische Lösungen zu finden. Der BVB schnürte die Fohlen in der eigenen Hälfte ein, ohne dabei wirklich gefährlich werden zu können. Mehr als ein strammer Linksschuss von Raphael Guerreiro brachte die Terzic-Elf nicht zu Stande (75.).
Die Hausherren dagegen wussten die Dortmunder Schwäche bei Standard-Situationen erneut zu nutzen und machte den Sack zu. Rückkehrer Marcus Thuram, der nach seiner Spuck-Sperre sein Comeback feiern durfte, köpfte einen Neuhaus-Eckball zum 4:2 in die Maschen (79.).
Dieser Spielstand sollte bis zum Schlusspfiff bestehen bleiben. Während sich die Fohlen über einen verdienten Sieg freuen dürfen, befindet sich der BVB in einer echten Krise.

Die Stimmen:

Edin Terzic (Trainer Borussia Dortmund): "Irgendwann haben wir es nicht mehr hinbekommen, auf die Rückschläge zu reagieren. Heute hat ein totales Missverhältnis geherrscht, zwischen dem, was wir investieren mussten um ein Tor zu schießen und dem, wie Gladbach die Tore erzielen konnte. Jetzt geht es darum die Ärmel hoch zu krämpeln, die Niederlage zu analysieren und zu verarbeiten. Nächste Woche haben wir wieder die Möglichkeit, drei Punkte zu holen – die Gelegenheit wollen wir nutzen."
Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach): "Das war heute ein extrem wichtiges Spiel für uns. Wir wussten, dass wir Plätze gut machen können – ich denke das hat man auch an unserer Leistung und der Anfangsphase gesehen. Ich finde, dass das Eingreifen des Video-Schiedsrichters beim ersten Tor, das aberkannt wurde, nicht hätte sein müssen. Wenn sich Manuel Gräfe die Situation zehn Mal ansehen muss, um einen Kontakt zu finden, brauchen wir keinen Schiedsrichter auf dem Feld. Zu mir hat er gesagt, dass er die Situation auf dem Platz nicht als Foul bewertet hat."

Der Tweet zum Spiel:

Abermals verschuldet die löchrige BVB-Defensive eine Niederlage. Es ist bereits die siebte Schlappe für die Dortmunder im 18. Spiel. Das sorgt auch bei den Fans für Galgenhumor.

Das fiel auf: BVB vorne hui, hinten pfui!

Gladbach und Dortmund schenkten sich nichts und machten das tabellarische Verfolgerduell schnell zu einem optischen Spitzenspiel. Es ging mit viel Tempo und offenem Visier hin und her. Die BVB-Defensive zeigte abermals, dass sie vor allem beim Verteidigen von Standard-Situationen Probleme hat. Aber auch Bürki war erneut ein Unsicherheitsfaktor und verschuldete das zwischenzeitliche 2:2. Während Gladbach durch Effizienz vor dem Tor – begünstigt durch Fehler des Gegners – glänzen konnte, legten die Dortmunder eine ordentliche Portion Spielwitz an den Tag. Besonders das Duo Sancho-Haaland harmonierte exzellent und produzierte die beiden BVB-Treffer im ersten Abschnitt. Auch nach der Pause offenbarte der BVB eklatante Abwehr-Schwächen, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen. Aber auch offensiv konnten die Gäste im zweiten Abschnitt nicht mehr entscheidend aktiv werden.

Die Statistik: 16

Gegen den BVB ließ die Elf von Marco Rose die Saisontreffer 14, 15 und 16 nach Standards folgen – Topwert in der Liga!
Das könnte Dich auch interessieren: Gespräch mit möglichem Nachfolger: Gladbach bereitet sich auf Rose-Abgang vor

Klopp bremst Journalisten ein: "Das ist nichts für Leute wie euch"

Bundesliga
Rose lobt Reus: "Vom ersten Tag an Captain-like"
GESTERN AM 06:29
Bundesliga
Kuriose Anekdote von BVB-Neuzugang Malen: Fußball von Oma gelernt
29/07/2021 AM 19:54