Mahmoud Dahoud wurde als Anheizer in die Spielertraube beordert und ging prompt bei den Feierlichkeiten auf dem Rasen in der Mainzer Opel-Arena voran.
Es war den Spielern von Borussia Dortmund sichtlich anzumerken, welche Last von ihnen abfiel. Durch den 3:1 (2:0)-Sieg bei den Rheinhessen hat das Team von Edin Terzic nach dem DFB-Pokalgewinn am vergangenen Donnerstag auch Platz vier in der Bundesliga und damit die Qualifikation für die Champions League perfekt gemacht.
"Die letzten Wochen, das Jahr generell hat viel Kraft gekostet. Wir mussten in jedem Spiel fighten, erst spät in der Saison kam die Leichtigkeit", erklärte ein ausgelaugter Marco Reus bei "Sky".
Bundesliga
2:2 nach 0:2 - Leipzig sichert Platz zwei, Wolfsburg die Königsklasse
16/05/2021 AM 20:25
Nur wenige hatten nach der 1:2-Niederlage am 27. Spieltag gegen Frankfurt und sieben Punkten Rückstand auf die Champions-League-Ränge noch an die Schwarz-Gelben geglaubt, doch Dortmund riss das Ruder herum. Umso stolzer war Übergangscoach Edin Terzic auf seine Mannschaft: "Dortmund ist bekannt dafür, dass man nicht liegen bleibt, wenn es mal nicht gut läuft, sondern dass man immer wieder aufsteht. Dafür lebt man im Ruhrgebiet."
In Mainz durften sich deshalb am Sonntagabend - trotz des deutlichen Ergebnisses für Dortmund - beide Mannschaften freuen. Die eine hatte mit der Party sogar schon vor dem direkten Aufeinandertreffen angefangen.
Drei Dinge, die uns auffielen.

Auskatern im Mainzer Stil

Gefeiert hatten im Vorfeld dieser Partie beide Teams. Der BVB am Donnerstagabend nach dem Gewinn des fünften DFB-Pokaltitels der Vereinsgeschichte, Mainz am Samstag nach dem schon feststehenden Klassenerhalt.
Dass Mainz diesen zwar in der Hotel-Quarantäne "auf der Couch", aber dafür umso exzessiver auskostete, bewiesen unzählige Feier-Videos, die in den sozialen Netzwerken auftauchten. Man musste kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die 05er am Sonntagabend nicht ganz so fokussiert wie in den Wochen zuvor auftreten würden. Und genau so kam es auch.
Dortmund, die zwei Tage länger "auskatern" konnten, wirkte von Beginn an wach und spritzig. Auch wenn es Frankfurt am Samstag verpasst hatte, Druck auf den BVB aufzubauen, merkte man dem Team von Edin Terzic an, dass sie die direkte Champions-League-Qualifikation so schnell wie möglich über die Bühne bringen wollten.
Mainz' Offensive war in den ersten 45 Minuten völlig abgemeldet, die Defensive beschränkte sich aufs muntere Ketten Hin- und Herschieben.
"Wir lassen sie einfach spielen. Und wenn man sie spielen lässt, sind sie auf engstem Raum kaum zu bremsen", musste Sportvorstand Christian Heidel schon in der Halbzeit bei "Sky" zugeben, nachdem ihm das passive Defensivverhalten seines Teams in der Wiederholung vorgespielt worden war.
Dass Dortmund die drückende Überlegenheit in zwei Tore durch Raphael Guerreiro (23.) und Marco Reus (42.) ummünzte, war nur folgerichtig. Wirklich anstrengen musste sich der BVB dafür nicht, wurden sie doch beim Kombinieren meist in Ruhe gelassen. 70:30 Prozent Ballbesitz und 9:1 Schüsse standen nach 45 Minuten für die Gäste zu Buche.
Trainer Bo Svensson, am Samstag ebenfalls einer der Hauptakteure im Party-Gemenge, gefiel das trotz der Unerheblichkeit des Spiels logischerweise gar nicht, sodass er schon nach 20 Minuten die zweite Garde zum Warmmachen schickte.
Dass die Fußballgötter die Leistung der ersten Halbzeit mit strömendem Regen und einem Unwetter quittierten, das zu einem 20 Minuten verspäteten Anpfiff des zweiten Spielabschnitts führte, hätte die Leistung der Mainzer bis dahin nicht besser zusammenfassen können.

Links ist Trumpf

Besonders hervor tat sich in der Dortmunder Offensive einmal mehr Jadon Sancho, der in Mainz da weitermachte, wo er nach seinem Doppelpack im DFB-Pokalfinale aufgehört hatte.
Im Zusammenspiel mit Raphael Guerreiro, dem zweiten Aktivposten im BVB-Spiel, sezierte er die Mainzer Verteidigung immer wieder über die linke Seite und riss mit seinen Tempodribblings Lücken.
Zugegeben: Rechtsverteidiger Danny da Costa machte es dem Engländer auch extrem einfach. Vor dem 1:0 stellte sich der 27-Jährige bei einer Brustannahme im Sechzehner tollpatschig an und überließ Sancho den Ball. Vor dem 2:0 trottete er dem BVB-Flitzer nach einer Finte nur halbherzig hinterher. Beide Male behielt Sancho die Übersicht und fand erst Guerreiro und dann Reus für seine Assists Nummer elf und zwölf in der laufenden Bundesliga-Saison.

Jadon Sancho (BVB) war in Mainz einmal mehr nicht aufzuhalteng

Fotocredit: Getty Images

Edimilson Fernandes, den Svensson zur Pause für den überforderten Da Costa brachte, machte es dem jungen Engländer zwar schwerer, kaltstellen konnte aber auch er ihn nicht.
Dass Sancho ein eigener Treffer verwehrt blieb, lag einzig an Finn Dahmen im Tor der 05er, der in der 65. Minute einen schönen Schlenzer des BVB-Stars aus dem Winkel fischte.

Dortmund packt Mainz bei der Ehre

Moussa Niakhaté hatte genug gesehen. Nach dem uninspirierten Auftritt seines Teams im ersten Spielabschnitt rief der Innenverteidiger seine Mitspieler noch vor dem Gang in die Kabine zur "Krisensitzung" auf dem Platz zusammen, um die gezeigte Leistung aufzuarbeiten. "Der ist sehr sensibel bei solchen Sachen, ich hoffe, dass es etwas bewirkt", meinte Heidel in der Halbzeitpause.
Sein Wunsch wurde erhört. So wollte sich Mainz, mit 29 Punkten immerhin sechsbeste Mannschaft in der Rückrundentabelle, beim letzten Heimspiel nicht abfiedeln lassen. Die Svensson-Elf kam mit einem ganz anderen Gesicht aus der Pause und reihte gleich mehrere gute Chancen aneinander. Niakhaté selbst machte den Anfang (49.).
Doch Roman Bürki, der den verletzten Marwin Hitz im Saison-Endspurt einmal mehr stark vertrat und nach seiner Ausbootung als Nummer eins keinerlei Allüren zeigte, hielt die Dortmunder Führung in der brenzligen Phase bis zur 80. Minute fest, ehe Joker Julian Brandt für die Entscheidung sorgte. Robin Quaisons Treffer vom Punkt kurz vor Schluss (90.+1) war nur noch Ergebniskosmetik.
Doch zumindest konnten die Mainzer den Platz erhobenen Hauptes verlassen. "Jetzt gerade ärgere ich mich über die Gegentore, heute Abend überwiegt aber sicher der Stolz, den Klassenerhalt geschafft zu haben", erklärte Keeper Dahmen.
Und zu feiern gab es schließlich auch noch etwas. Denn mit Kapitän Danny Latza verlässt am Saisonende nach sechs Jahren eine wahre Legende den Klub und wechselt zum FC Schalke 04. Dass seine Teamkollegen für den 31-Jährigen Spalier standen und ihn nach seinem letzten Heimspiel in der Opel-Arena hochleben ließen, verstand sich von selbst.
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