Als klaren Verkaufskandidaten für den Sommer musste man Nico Schulz von Borussia Dortmund zuletzt einstufen.
Seit seinem Wechsel von der TSG 1899 Hoffenheim zum BVB im Sommer 2019 stagniert die Entwicklung des mittlerweile 27-Jährigen. Sein geschätzter Marktwert ist während seiner Zeit in Dortmund von 25 auf sieben Millionen Euro geschrumpft.
Ein aussagekräftiger Indikator dafür, wie die vergangenen Monate für den gebürtigen Berliner verliefen.
Champions League
BVB wohl mit Haaland, aber ohne Guerreiro und Reyna gegen Sevilla
08/03/2021 AM 14:49
Durchwachsen würden Optimisten formulieren. Tief enttäuschend die Realisten.

Nico Schulz sammelt Argumente als Backup

Doch es gibt Grund zur Hoffnung: In den vergangenen beiden Spielen im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach (1:0) und in der Bundesliga beim FC Bayern München (2:4) stand Schulz insgesamt 175 Minuten auf dem Feld.
Raphaël Guerreiro hatte sich in den Anfangsminuten im Borussia-Park eine Muskelverletzung zugezogen. "Schulle", wie Schulz in der Mannschaft genannt wird, war der logische Ersatz und kam ins Spiel (5.).
Gegen die Borussia leitete er das spielentscheidende 1:0 mit einem Ballgewinn am eigenen Sechzehner und dem anschließenden öffnenden Pass auf Erling Haaland ein, gegen die Münchener war er Initiator des zwischenzeitlichen 2:0 der Borussia, schickte Thorgan Hazard steil in den Strafraum, ehe dieser für Haaland auflegte.

Nico Schulz leitete in München das Tor zum 2:0 von Erling Haaland ein

Fotocredit: Getty Images

Nico Schulz: Auch defensive Schwächen bleiben hängen

Doch es gab bei Weitem nicht nur lichte Momente bei Schulz’ Auftritten. Vor allem in der Defensive hatte er Probleme, wirkte zuweilen etwas aus dem Tritt und nicht so gedankenschnell.
So etwa vor dem 1:2 durch Robert Lewandowski in der Allianz Arena. Schulz bekam es in der linken Strafraumhälfte im Eins-gegen-Eins-Duell mit Leroy Sané zu tun. Wohlgemerkt einer der unangenehmsten Gegenspieler für solch eine Situation, nicht nur in der Bundesliga.
Dennoch reichte ein Haken des Nationalmannschaftskollegen, um Schulz abzuschütteln und den Pass in den Fünfer zum späteren Torschützen zu spielen. Eine Szene, in der zumindest der Mangel an Spielpraxis offensichtlich wurde.
Doch die könnte er nun häufiger bekommen - vielleicht schon am Dienstag im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Sevilla in der Champions League (21:00 Uhr im Liveticker).

Nico Schulz: Einsatz gegen Sevilla möglich

"Bei Rapha (Raphaël Guerreiro, Anm. d. Red) ist es eine Frage von Tagen. Ob das drei, fünf oder sieben Tage sind, wird sich zeigen. Wir schauen uns das morgen noch einmal an und entscheiden kurzfristig", schätze BVB-Trainer Edin Terzic auf der Pressekonferenz am Montag die Verletzung der Portugiesen ein, fügte wenig später aber hinzu, dass er sich noch an einen Einsatz seines Linksverteidigers glaube.
Sollte die medizinische Abteilung eine frühzeitige Rückkehr des Europameisters von 2016 jedoch für zu gefährlich erachten, spricht alles für den nächsten Einsatz von Schulz - die Chance, weitere positive Argumente zu sammeln.

Nico Schulz - Borussia Dortmund

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Denn wenn im Sommer mit Marco Rose ein neuer Cheftrainer bei den Borussen beginnt, wird der Kader mal wieder auf den Prüfstein gestellt. Auch Schulz dürfte dann Gegenstand von Diskussionen über einen Weiterverkauf sein.

Ist die BVB-Karriere noch zu retten?

Es ist durchaus vorstellbar, dass Rose auf den offensivstarken Außenverteidiger setzt. Schließlich hat er in Gladbach mit Ramy Bensebaini und Stefan Lainer zwei ähnliche Spielertypen im Kader, die unter ihm einen Stammplatz haben.
Hinzukommt, dass sich die Frage Guerreiro oder Schulz ob der Polyvalenz des Portugiesen gar nicht unbedingt stellt. Der ebenfalls 27-Jährige gehört derzeit zu den besten Linksverteidigern Europas und hat im fitten Zustand seinen Stammplatz sicher. Allerdings hat er in der Vergangenheit auch auf den Halbpositionen im Mittelfeld oder gar in der Zentrale seine Wertigkeit nachgewiesen.
Für Schulz könnte der Mini-Aufschwung genau zur rechten Zeit kommen. Es könnte die letzte Chance für den Nationalspieler sein, sich beim BVB ins Rampenlicht zu spielen und sich für weitere Aufgaben zu empfehlen.
Dass er das Potenzial hat, sich dauerhaft bei der Borussia zu beweisen, muss er dann unter Rose jedoch deutlich häufiger nachweisen.
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