Pini Zahavi: Das ist der Mann, der den FC Bayern ärgert

Pinhas "Pini" Zahavi zählt zu den einflussreichsten und aggressivsten Spielerberatern auf dem Markt, zu seinen Klienten zählen Weltstars wie Robert Lewandowski und David Alaba. Uli Hoeneß nannte ihn kürzlich einen "geldgierigen Piranha". Zahavi ist ein harter Verhandlungspartner und das bekommt aktuell der FC Bayern zu spüren. Doch wer ist der Mann, der sogar schon ganze Klubs verkaufte?

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"Geldgieriger Piranha".
An Uli Hoeneß' Beschreibung für David Alabas Berater Pinhas "Pini" Zahavi im "Sport1 Doppelpass" wird man sich noch lange erinnern. Einerseits, weil die (meisten) Menschen es lieben, wenn Hoeneß live im TV mal wieder "einen raushaut" - ist eben typisch Hoeneß. Andererseits, weil der etwas niveaulose Vergleich zeigt, dass die Nerven im Vertragspoker zwischen dem FC Bayern und seinem Abwehrchef langsam aber sicher blank liegen.
Dass Alaba noch keinen neuen Vertrag in München unterschrieben hat, liege einzig und allein am Geld, verriet Hoeneß weiter. Geld, das der deutsche Rekordmeister monatlich auf das Konto des Österreichers überweisen soll. Grundsätzlich nichts Unübliches, allerdings geriet die Höhe des Salärs zum Streitpunkt - und daran, da ist sich Hoeneß sicher, hat nur einer Schuld: Pinhas Zahavi.
Wer also ist der Mann, der die Bayern so ärgert?

Pini Zavahi vermittelte den FC Chelsea

Pinhas "Pini" Zahavi, 77, machte Anfang der 2000er Jahre sein Meisterstück, als er einen kompletten Fußballklub vermittelte. Während eines Helikopterfluges über die Stamford Bridge überzeugte er den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch davon, den FC Chelsea zu kaufen, erzählt sich die Legende. 2003 erwarb der Russe den Klub.
Zahavis Einflüstern war nicht ganz ohne Kalkül, hatte er in der Folge doch bei jeder Menge Transfers der Blues seine Finger im Spiel. Zahavi profitierte finanziell extrem von den steigenden Ablösesummen und dem Einstieg immer neuer Investoren, die frisches Geld in die englische Premier League pumpten.
Fast klar, dass Zahavi auch den bisherigen Rekordtransfer, Neymars Wechsel für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain, einfädelte. Die Belohnung: satte zwölf Millionen Euro an Provision.

Zahavi: WM 1974 als Karrierebeschleuniger

Dabei hatte sich Zahavi zunächst gar nicht unbedingt dem Fußball verschrieben - zumindest nicht direkt. Der Israeli, geboren und aufgewachsen in Nes Ziona - unweit der Hauptstadt Tel Aviv, startete seine Karriere Anfang der 70er Jahre als Sportjournalist, unter anderem für die israelische Tageszeitung "Hadashot".
Der Fußball war von Kindesbeinen an seine Leidenschaft. Als Reporter baute er sich über die Jahre ein großes Netzwerk auf, knüpfte früh Kontakte außerhalb Israels.
Als Karrierebeschleuniger fungierte die WM 1974 in Deutschland, die ihm die Möglichkeit eröffnete, jede Menge Spieler und andere wichtige Persönlichkeiten des Fußballs kennenzulernen.
Vor allem in England baute Zahavi sich ein breites Netzwerk auf, was in erster Linie damit zu tun hatte, dass er der englischen Sprache mächtig war. In den späten siebziger Jahren flog er regelmäßig auf die Insel, um Interviews zu führen.

Zahavi: Türöffner in Liverpool

Eines Tages saß er am Londoner Flughafen und traf dort zufällig auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden des FC Liverpool, Peter Robertson. Ein Tag, der sein Leben maßgeblich prägen sollte.
"Ich bin einfach zu ihm hin, habe mich vorgestellt und angefangen mit ihm über Fußball zu plaudern", erzählte Zahavi einmal. Nach ein paar Minuten fiel er mit der Tür ins Haus und fragte: "Wie wär’s, warum schaut ihr euch nicht einen guten israelischen Fußballer an?"
Ein Satz, der saß. Denn nur wenige Wochen später schlugen die Reds bei Avi Cohen, dem von Zahavi vorgeschlagenen Spieler, zu. Zahavis erste Spielervermittlung - viele weitere sollten folgen.

Der Durchbruch: Rio Ferdinand zu Manchester United

Hatte er für Cohen und einige weitere israelische Spieler noch vergleichsweise wenig Provision erhalten, sollte sich das Mitte der 90er Jahre ändern.
1997 lernte er bei einer Trainingseinheit bei West Ham United den jungen Rio Ferdinand kennen und wurde sein Berater.
Zahavi vermittelte Ferdinand erst für rund 26 Millionen Euro zu Leeds (2000) und später für rund 46 Millionen Euro zu Manchester United (2002). Sein endgültiger Durchbruch - vor allem finanziell. Für den Wechsel von Ferdinand zu den Red Devils allein soll Zahavi 1,3 Millionen Euro bekommen haben.

Veron, Mascherano, Tévez

Ein weiterer Big-Deal gelang ihm zu der Zeit, als er Juan Sebastian Veron 2001 von Lazio Rom für rund 43 Millionen Euro zu Manchester United transferierte - ein echter Blockbuster.
In der Folge ebnete der Israeli für jede Menge Top-Stars den Weg nach Europa. Zu seinen prominentesten Klienten aus dieser Zeit zählen unter anderem Carlos Tévez und Javier Mascherano, die er 2006 aus Argentinien in die Premier League zu West Ham lotste.
Spätestens mit der Seilschaft zu Abramowitsch war sein Name fest im Weltfußball verankert. Und auch wenn es in den letzten Jahren ruhiger um den mittlerweile 77-Jährigen wurde: Wer einen großen Deal einfädeln oder auf seinen eigenen Verein Druck ausüben wollte, der ging entweder zu Mino Raiola - oder zu Zahavi.

Streitpunkt Lewandowski

So wie Robert Lewandowski, als der im Frühjahr 2018 ein letztes Mal das Verlangen verspürte, sich nochmal bei einem anderen Klub ausprobieren zu wollen (was sich letztlich zerschlug).
Schon damals machte sich Zahavi, der nie einen großen Hehl daraus gemacht hat, dass er Lewandowski gerne bei einem anderen Klub, am liebsten bei Real Madrid untergebracht hätte, keine Freunde bei Bayern. Nun ärgert die Münchner auch, dass Zahavi wegen seiner Dienste für Lewandowski (der im Sommer 2019 seinen Vertrag bei Bayern schließlich bis 2023 verlängerte) natürlich genau über das Gehaltsgefüge im Top-Segment des Rekordmeisters Bescheid weiß.
Auch wenn sie nicht unbedingt danach handeln. "Herr Salihamidzic hat offenbar vergessen, wer der Berater von Robert Lewandowski ist", sagte Zahavi am Donnerstag zu "Sky": "Ich habe den Vertrag von Robert im vergangenen Jahr verhandelt und weiß logischerweise genau, was er verdient. Was wir für David fordern, liegt deutlich unter dem Gehalt von Robert."

Alaba: Kampfansage an den FC Bayern

Dass Hoeneß Zahavi als "geldgierigen Piranha" bezeichnete, könnte die Verhandlung nun negativ belasten. Der 77-Jährige zeigte sich jedenfalls verwundert, echauffierte sich gegenüber "Bild": "Wir haben nie gesprochen, er kennt mich nicht - wie kann er solche Dinge über mich sagen?"
Hoeneß' Vorpreschen fanden dann auch nicht alle bei Bayern besonders gewieft. So musste Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nun erstmals die Wogen glätten. "Ich glaube nicht, dass wir das gebraucht haben", sagte er gegenüber "DAZN": "Ich kann mich nur wiederholen: Verhandlungen müssen meiner Erfahrung nach diskret und vertrauensvoll geführt werden. Erst wenn man ein finales Ergebnis hat, sollte man damit an die Öffentlichkeit gehen."
Ausgang: derzeit völlig offen. Denn Zahavi ist deutlich gewiefter als es ein "geldgieriger Piranha" sein könnte.
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