Der künftige Bayern-Coach Nagelsmann, der für seine Startelf im DFB-Pokalfinale am Donnerstag gegen Borussia Dortmund (1:4) kritisiert worden war, stellte gegen Wolfsburg markant um: Alle fünf gegen den BVB in der zweiten Halbzeit eingewechselten Spieler kamen von Beginn an zum Einsatz. Insgesamt nahm Nagelsmann sogar acht Wechsel vor.
Die erhoffte Wirkung zeigte die Maßnahme zunächst aber nicht. Wolfsburg kam gut ins Spiel und erarbeitete sich zu Beginn die besseren Chancen. Nach Vorlage von Kevin Mbabu kam Maximilian Philipp im Sechzehner zum Abschluss, doch er scheiterte an Peter Gulacsi (5.). Nur eine Minute später wurde Ridle Baku von Xaver Schlager in den Sechzehner geschickt und verfehlte mit seinem Abschluss nur knapp das linke Eck (6.).
Die Wölfe belohnten sich dann für die bessere Anfangsphase und gingen durch ein Traumtor von Philipp in Führung. Nach Pass von Maximilian Arnold chippte er sich den Ball hoch und verwandelte aus 20 Metern volley in den rechten Winkel (12.).
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Leipzig wurde in der Folge besser und kam auch zu ihren ersten Chancen. Emil Forsberg bediente Konrad Laimer mit einer Flanke im Sechzehner, doch der Österreicher verfehlte per Kopf (14.). Zehn Minuten später leitete Koen Casteels einen Konter der eigenen Mannschaft ein, an dessen Ende Wout Weghorst am rechten Außenpfosten scheiterte (24.).
RB wirkte in seinen Aktionen unkonzentriert. Spätestens im letzten Drittel führten Ungenauigkeiten im Passspiel oder technische Fehler zu Ballverlusten. Allerdings machten es die gut organisierten Wolfsburger, die sich oft mit spielerischen Lösungen aus Drucksituationen befreiten, den Leipzigern auch nicht einfach.
Bei RB lief fiel das Zentrum um Spielmacher Emil Forsberg und Sabitzer. Chancen wie durch Christopher Nkunku (28.) und Willi Orban (30.) hatte Leipzig aber zu selten.
Kurz vor der Pause wurden die Wölfe noch mal gefährlich, als zunächst Weghorst nach einer Arnold-Ecke im Sechzehner frei zum Abschluss kam, doch Nkunku blocken konnte. In der Nachspielzeit erhöhten die Gäste dennoch auf 2:0, weil Baku eine perfekte flache Flanke in den Sechzehner spielte, wo Philipp schneller als Ibrahima Konaté war und den Ball ins lange Eck beförderte (45.+1).
Leipzig kam deutlich besser aus der Pause und konnte nach fünf Minuten direkt den Anschlusstreffer erzielen. Ein grandioses Zuspiel von Marcel Sabitzer konnte Justin Kluivert im Sechzehner kontrollieren. Mit einem einfachen Haken ließ er Mbabu aussteigen und schickte Casteels gleichermaßen in die falsche Ecke, anschließend vollendete er ins freie linke Eck (51.)
Die Hausherren machten weiter Druck. Nach Vorlage des eingewechselten Amadou Haidara, kam der ebenfalls zur Pause ins Spiel gekommene Angelino links im Sechzehner zum Abschluss, scheiterte allerdings am blockenden Mbabu (55.).
In der 68. Minute konnte sich Kluivert erneut freilaufen und einen langen Ball kontrollieren. Beim zweiten Kontakt legte er sich den Ball allerdings zu weit vor und blieb so an Casteels hängen.
Doch Leipzig blieb jetzt dran und wurde belohnt: Nach einem Missverständnis zwischen John Brooks und Casteels kam Haidara vor Paulo Otavio am Ball, der ihn von hinten gegen das Bein trat. Nach einem Zeichen des VARs entschied Schiedsrichter Felix Zwayer auf Elfmeter für Leipzig, den Sabitzer souverän verwandelte (78.).
RB kann sich nach dem verlorenen Pokalfinale mit der Vizemeisterschaft trösten. Der VfL jubelte derweil auch über die Qualifikation für die Champions League, die den Niedersachsen zuvor ohnehin nur noch theoretisch zu nehmen war. Es wird die dritte Teilnahme an der Königsklasse für die Wölfe.

Die Stimmen:

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut drin, haben sehr fehlerhaft gespielt. Die zweite Halbzeit war dann schon sehr, sehr gut. Am Ende war es mehr als verdient, dass wir den Punkt geholt haben, der zum zweiten Platz reicht."
Oliver Glasner (Trainer VfL Wolfsburg): "Es ist eine Riesenleistung, insbesondere von den Spielern. Ich bin so stolz, dass wir die Champions League erreicht haben. Ich denke, das hätte uns vor der Saison keiner zugetraut. Wir hatten eine super erste Halbzeit. In der zweiten Hälfte haben sich die Spieler mit allem dagegengestellt, um diesen Punkt zu halten."
Marcel Sabitzer (RB Leipzig): "Es ist einfach wichtig, als Führungsspieler in solchen Situationen wie dem Elfmeter voranzugehen und dort Sicherheit auszustrahlen. Dafür bin ich da. Ja klar, die Vize-Meisterschaft fühlt sich gut an, aber nach so einer Niederlage, wie vor drei Tagen, kann ich mich gerade nicht so sehr darüber freuen."
Maximilian Philipp (VfL Wolfsburg): "Ich bin sehr kaputt, aber insgesamt auch einfach glücklich. Wir haben unser Ziel erreicht mit einem tollen Spiel, auch wenn wir in der zweiten Hälfte unsere Probleme hatten. Ich hatte am Anfang so gemischte Gefühle. Beim Aufwärmen habe ich ein paar Mal daneben geschossen, aber dann hat es ganz gut geklappt!"

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Jeder verschläft eine Halbzeit

Im ersten Durchgang waren die Wölfe fast durchgängig besser und auch gefährlicher. Leipzig hatte zwar eine kurze Druckphase, in der sie auch ein Tor hätten erzielen können, aber insgesamt war Wolfsburg schon besser und hat auch verdient 2:0 zur Pause geführt. Die zweite Halbzeit war quasi das komplette Spiegelbild, weil von Wolfsburg gar nichts mehr kam in der Offensive und Leipzig die Gäste komplett hinten rein gedrückt hat. Am Ende war es ein gerechtes Unentschieden, wobei die Hausherren bei der Dominanz im zweiten Durchgang sogar hätten gewinnen können. Am Ende bringt der Punkt Leipzig die Vize-Meisterschaft ein und Wolfsburg spielt damit in der nächsten Saison sicher in der Champions League, musste Platz drei aber an Dortmund aufgrund des schlechteren Torverhältnisses abgeben.

Die Statistik: 65

Mit 65 Punkten hat sich Leipzig nicht nur Platz zwei gesichert, RB kann auch noch den klubeigenen Punkterekord von 67 Zählern aus der Saison 2016/17 übertreffen. Dazu muss kommenden Samstag allerdings ein Sieg bei Union Berlin her, das noch um die Teilnahme an der Europa Conference League spielt.
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