Es war ein Bild, das bewegte.
Sekunden, nachdem der Ball zum dritten Mal den Weg ins Bielefelder Tor fand, bildete sich eine schwarzgelbe Spielertraube um den Torschützen, von dem im Zentrum der Ansammlung nur noch ein freudestrahlendes Gesicht der Befreiung zu erkennen war. Reinier Jesus Carvalho, das brasilianische Supertalent, das der BVB im Sommer für zwei Jahre von Real Madrid auslieh, feierte seine Torpremiere.
"Es war wahrscheinlich nicht sein schwerstes, aber vielleicht schönstes Tor", sagte BVB-Trainer Edin Terzic am Montag auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach (ab 20:45 Uhr im Liveticker), wusste er doch genau um die bisweilen verfahrene Situation des großen Talents in Dortmund.
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Nach gut acht Monaten im Klub, im siebten Kurzeinsatz, nach schweren Monaten der Enttäuschung und des Zweifels löste sich nun endlich der sprichwörtliche Knoten beim Brasilianer - und die ganze Mannschaft freute sich mit.

Terzic: Reinier-Tor ein Ausdruck der Charakterstärke

Welch großer Stein dem Stürmer vom Herzen gefallen sei, habe man "nicht nur bei ihm gespürt", so Terzic, sondern auch am Jubel der gesamten Mannschaft.
"Das sind super Signale für uns alle, wenn man sieht, dass sich wirklich alle für ihn freuen", bilanzierte der Coach, den vor allem die Entstehung des Treffers "stolz und glücklich" machte.

Der BVB freut sich mit Reinier

Fotocredit: Getty Images

Das habe man auch am Montag noch einmal vor der versammelten Truppe thematisiert. "Wir spielen das Tor hervorragend heraus und derjenige, der den Ball querlegt, ist Erling Haaland", unterstrich der 38-Jährige, als wäre das eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich sei der Norweger selbst dafür bekannt, "die Tore zu schießen".
"Dass er dann derjenige ist", führte Terzic aus, "der den Ball querlegt, obwohl er alleine zum Abschluss kommen könnte, zeigt unseren Teamcharakter. Das ist genau das, was wir für die nächsten Aufgaben brauchen."

BVB: Reinier erntet viel Lob der Bosse

Reinier schien das ähnlich zu sehen und wusste am Samstag nach dem Spiel genau, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Danke, mein Bruder Erling", twitterte der 18-Jährige in Richtung seines Vorlagengebers - womöglich verbunden mit der stillen Hoffnung, sich schon bald revanchieren zu können.
Bereits Anfang Februar hatte Terzic dem Brasilianer einen Aufschwung im Training attestiert und ihm mehr Einsatzzeiten in Aussicht gestellt. Den Eindruck seines Trainers bestätigte auch Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung und zukünftiger Sportdirektor bei den Borussen.
"Reinier hat sich dieses Tor verdient, denn er hat an sich gearbeitet und nach einer schweren Zeit für ihn deutliche Schritte nach vorn gemacht. Ich hoffe, dass ihm dieses erste Tor nun Selbstvertrauen gibt und er eine echte Option für uns werden kann in den nächsten Wochen."
Dass Reinier das Potenzial in sich trägt, das es benötigt, um in der Bundesliga oder der Champions League mitzuhalten, davon sind sie in Dortmund überzeugt. "Er ist jetzt nah dran an der Mannschaft. Langsam zeigt er, dass er eben auch auf höchstem Niveau spielen kann", freute sich auch Sportdirektor Michael Zorc zuletzt, wohlwissend, dass noch viel Arbeit vor dem Leihspieler liegt.

Reinier Jesus Carvalho: Schwere Anfangszeit beim BVB

Die ersten Monate in Dortmund haben ihn viel Kraft gekostet - physisch aber auch mental. Als er in Dortmund aufschlug, wurde schnell klar, dass er körperlich noch nicht auf dem Niveau seiner Teamkollegen war.
Reinier hatte nach seinem Wechsel von Flamengo Rio de Janeiro zu den Königlichen kein Spiel für die Profis machen dürfen, war lediglich zu einigen Kurzeinsätzen in der zweiten Mannschaft gekommen. Auch die Corona-Situation während des ersten Lockdowns im März 2020 half ihm nicht, in Tritt zu kommen.

Reinier, Borussia Dortmund

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In Dortmund tat sich der Brasilianer dann folgerichtig ähnlich schwer, wurde kaum berücksichtigt und fing sich dann zu allem Überfluss selber eine Corona-Infektion ein. Zwischenzeitlich gab es sogar Gerüchte, die auf zwei Jahre angelegte Leihe solle auf Wunsch des Spielers vorzeitig beendet werden.
Spekulationen, die laut Informationen der "Ruhr Nachrichten" jedoch keinen Wahrheitsgehalt haben. Reinier und dessen Berater sollen den Vereinsverantwortlichen in Dortmund in einem Gespräch mitgeteilt haben, dass man sich in Dortmund durchsetzen wolle.

Reinier: Jetzt liegt’s an ihm

Dazu passt auch Reiniers Statement nach dem Bielefeld-Spiel: "Ich habe hart gearbeitet, meine Familie und ich haben nie aufgehört, daran zu glauben. Ich bin glücklich, dass es heute geklappt hat."
Mit dem Pokalspiel in Mönchengladbach, dem Topspiel beim FC Bayern am kommenden Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker) und dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League in der darauffolgenden Woche gegen den FC Sevilla stehen der Borussia einige große Aufgaben ins Haus.
Reinier wird aller Wahrscheinlichkeit in diesen Spielen weitere Chancen bekommen. Ob er sie nutzen kann, wird sich zeigen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist ihm jedenfalls am vergangenen Wochenende gelungen.
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