Als das passiert war, was die Kölner unbedingt vermeiden wollten – ein Kieler Tor –, fasste sich Horst Heldt erst einmal entsetzt an den Kopf.
Der 51-Jährige steht in seinem Job als Sport-Geschäftsführer des Geißbockklubs gerade besonders in der Kritik, vor allem eine Reihe unglücklicher Transfers und das lange Festhalten an Cheftrainer Markus Gisdol werden ihm zur Last gelegt. Als letzte Trumpfkarte zog der gebürtige Rheinländer Mitte April den vom linken Niederrhein stammenden Friedhelm Funkel aus dem Ärmel – auf dass Gisdols Nachfolger den sinkenden Kahn auf der Zielgeraden der Saison noch mal flottmache.
Das ist dem 67-jährigen Neusser eindeutig gelungen, seine Bilanz mit zehn Punkten aus den letzten sechs Ligaspielen hätte den FC, hochgerechnet auf die ganze Runde, in den Europapokal befördert. Wegen des schweren Erbes, das Funkel angetreten hatte, reichte es nun aber gerade so zur Relegation gegen den Zweitliga-Dritten Kiel.
Bundesliga
Drei Dinge, die auffielen: Alter Trick von Kiel versetzt Köln in Panik
26/05/2021 AM 20:24
Das erste Duell haben die Norddeutschen 1:0 gewonnen. Durch ein Kopfballtor, das Simon Lorenz 19 Sekunden nach seiner Einwechslung nach einem gewonnenen Luftduell mit Kölns Kapitän Jonas Hector im Anschluss an eine Ecke erzielte – und das Sport-Boss Heldt verzweifeln ließ.

Dem Geißbock-Klub droht Abstieg Nummer sieben

Für seinen Klub war es bereits der 18. Gegentreffer bei Standards – denn so gut, wie sie selbst in dieser Kategorie sind, so schlecht verteidigen die Domstädter solche Situationen oftmals auch. Von dieser Abwehrschwäche konnte auch Funkel, ein anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet, die Kölner nicht vollständig kurieren. Obwohl sein Team in diesem neuralgischen Punkt zuletzt deutliche Fortschritte offenbarte: In den letzten beiden Bundesligapartien bei Hertha BSC und gegen Schalke 04 blieb das Tor von Keeper Timo Horn sauber.
"Das haben wir jetzt zwei Mal geschafft, das müssen wir auch gegen Kiel schaffen – wir dürfen kein Gegentor fangen", lautete Funkels Mantra vor dem Gastspiel des Zweitligisten.
Am Samstag steht für die Rheinländer der entscheidende Gegenbesuch an der Kieler Förde an. Und in der kurzen Zwischenphase begibt sich Funkel auf die schwierige Suche nach einer magischen Formel, die den siebten Abstieg der Domstädter aus der Bundesliga doch noch verhindern soll.
Das Problem, das den Verein schon während der ganzen Saison begleitet – das lahmende Offensivspiel – wurde gegen Kiel erneut offensichtlich.
Weil Mittelstürmer Sebastian Andersson nur bedingt einsatzfähig war und erst einmal auf der Bank saß, beorderte Funkel – auch in Anbetracht fehlender Alternativen – Mittelfeldmann Hector in den Angriff. Unterstützung in dieser Rolle bekam der Spielführer am Tag vor seinem 31. Geburtstag dabei immer wieder mal von Ondrej Duda. Entsprechend fehlten den Kölnern dadurch aber Kreativität und Überblick im Spielaufbau.

Jonas Hector

Fotocredit: Getty Images

Verkehrte Fußball-Welt zwischen Köln und Kiel

Und so offenbarte das erste Relegations-Duell eine verkehrte Fußball-Welt: Der Erstligist war sehr bemüht, erzielte bei all dem Aufwand aber keinen Ertrag. Während der hocheffektive Zweitligist im entscheidenden Moment zur Stelle war.
Für Köln wird es nun ein kompliziertes Unterfangen, die Angelegenheit gegen die unfreiwilligen Quarantäne-Spezialisten aus dem Unterhaus (das Relegationshinspiel war Kiels zehnte Partie in 34 Tagen) an der Ostsee noch zu drehen. Aber Funkel wäre nicht Funkel, wenn er diese Aufgabe nicht mit dem Habitus des erfahrenen Seebären angehen würde.
"Das Ergebnis vom Mittwoch kann mich weder schocken noch zufriedenstellen", erklärte er zunächst einmal in aller Seelenruhe, ehe er betonte: "Die Qualität und die Möglichkeiten, diesen 0:1-Pausenrückstand wettzumachen, haben wir."

Köln: Kampf gegen die eigene Leichtfertigkeit

Und eine Andeutung, auf welchen Plan seine innere Klausur grundsätzlich hinauslaufen könnte, gab der bärtige Übungsleiter, der am Sonntag wieder in seinen für sieben Wochen unterbrochenen Ruhestand zurückkehren wird, auch schon mal.
Zum einen, so seine Forderung, müsse man die Kieler vor mehr Probleme stellen – und zudem die eigenen Standards besser nutzen.
"Da waren wir relativ ungefährlich, haben zu viele Bälle leichtfertig vergeben", monierte Funkel. Und das soll in dem Team, das in der Liga 41 Prozent seiner Tore nach Ecken und Freistößen erzielte, beim Rückspiel im hohen Norden auf jeden Fall besser werden.
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